"Blaues" aus Genua

Fund des Monats Juni 2008

Hellblau grundierte und dunkelblau bemalte Fayenceteller des frühen 17. Jahrhunderts aus Ligurien, gefunden in den Hansestädten Stralsund und Anklam Details anzeigen

Hellblau grundierte und dunkelblau bemalte Fayenceteller des frühen 17. Jahrhunderts aus Ligurien, gefunden in den Hansestädten Stralsund und Anklam

Hellblau grundierte und dunkelblau bemalte Fayenceteller des frühen 17. Jahrhunderts aus Ligurien, gefunden in den Hansestädten Stralsund und Anklam

Hellblau grundierte und dunkelblau bemalte Fayenceteller des frühen 17. Jahrhunderts aus Ligurien, gefunden in den Hansestädten Stralsund und Anklam

Könnten wir in einen bürgerlichen Haushalt des frühen 17. Jahrhunderts in Mecklenburg-Vorpommern hineinschauen, so würden wir feststellen, dass die Gefäßkeramik nur sehr selten flächig blau dekoriert war. Neueste Ausgrabungen in der Hansestadt Stralsund erbrachten an verschiedenen Stellen Überreste von sowohl innen als auch außen hellblau glasierten Tellern, die durch gekonnte dunkelblaue Pinselmalerei verziert sind. Die Überprüfung der Ablagerungszeiten erbrachte erstaunlich frühe Daten. Ein zur Hälfte erhaltener Teller mit einer großen Blüte im Spiegel gelangte um 1629 in der Mönchstraße 58a in einen Latrinenschacht. Ein anderer, fast vollständiger Teller mit graziler Blattrankenspirale im Zentrum ist im frühen 17. Jahrhundert in der Kleinschmiedstraße abgelagert worden. Ein weiterer Tellerrest fand sich auf dem Pferdemarkt in der Hansestadt Anklam. Das Foto zeigt diesen von der Rückseite, wo ein weiteres sehr charakteristisches Merkmal dieser Fayencegruppe zu erkennen ist. Die Fahnen dieser Teller tragen auf der Außenseite meist ein umlaufendes Band aus überlappenden Bögen oder Strichen. Qualitätsmäßig gesehen lagen Welten zwischen den vollständig blau glasierten, mit feiner Pinselmalerei dekorierten Tellern und dem einheimischen, mit dem Malhorn verzierten Geschirr, was die blaue Keramik zum Verkaufsschlager gemacht haben dürfte.

Es stellt sich nun die Frage, wo derart qualitätvolles Geschirr hergestellt worden ist. Vergleichsfunde aus Elbing, Hamburg, Nijmegen, London und Amsterdam – hier zwischen 1590 und 1630 datiert – zeigen, dass diese Warenart in Nordeuropa weit verbreitet war, wenn auch nur selten vorkam. Die Suche nach dem Herstellungsraum führt uns bis in den Mittelmeerraum, und zwar nach Norditalien in die Landschaft Ligurien. Sowohl aus Genua als auch aus den benachbarten Städten Albisola und Savona stammt Töpfereiabfall der gefundenen Art. Derartige Fayencen – auch als "Ligurienblau" bezeichnet – wurden dort in großen Mengen produziert und nach ganz Europa, Nordafrika und Amerika exportiert.

Das blaue Geschirr aus Ligurien war bisher unbekannt in Mecklenburg-Vorpommern. Es kam nur sehr selten vor, dürfte aber weiter verbreitet gewesen sein als bisher angenommen.

Renate Samariter und Dr. Heiko Schäfer

Burgwall in 3D

Burgwall unter dem Schweriner Schloss in 3D: 3D-Aufnahme der Bauphase 965 oder kurz danach. (Interner Link: Slawischer Burgwall unter dem Schweriner Schloss) Details anzeigen
Burgwall unter dem Schweriner Schloss in 3D: 3D-Aufnahme der Bauphase 965 oder kurz danach. (Interner Link: Slawischer Burgwall unter dem Schweriner Schloss)

3D-Aufnahme der Bauphase 965 oder kurz danach.

Vor Ort

Infoboxgrafik Exkursionen: Mittelalterliche Burg (Ludorf, Landkreis Müritz) (Interner Link: Exkursionen zu archäologischen und historischen Denkmälern) Details anzeigen
Infoboxgrafik Exkursionen: Mittelalterliche Burg (Ludorf, Landkreis Müritz) (Interner Link: Exkursionen zu archäologischen und historischen Denkmälern)

Infoboxgrafik Exkursionen: Mittelalterliche Burg (Ludorf, Landkreis Müritz)

Ausgestellt

Vitrinen in der Ausstellung im Archäologischen Freilichtmuseum Groß Raden (Interner Link: Archäologie in Museen und Ausstellungen) Details anzeigen
Vitrinen in der Ausstellung im Archäologischen Freilichtmuseum Groß Raden (Interner Link: Archäologie in Museen und Ausstellungen)

Vitrinen in der Ausstellung im Archäologischen Freilichtmuseum Groß Raden