Insularer Import im Slawenland

Fund des Monats September 2009

Friedrichsruhe, Lkr. Parchim. Bronzene Vogelattasche eines Hängegefäßes Details anzeigen

Abb. 1: Friedrichsruhe, Lkr. Parchim. Bronzene Vogelattasche eines Hängegefäßes

Friedrichsruhe, Lkr. Parchim. Bronzene Vogelattasche eines Hängegefäßes

Abb. 1: Friedrichsruhe, Lkr. Parchim. Bronzene Vogelattasche eines Hängegefäßes

Zwischen 2004 und 2008 fanden am slawischen Burgwall von Friedrichsruhe, Lkr. Parchim, umfangreiche Ausgrabungen statt, die mit einem kleinen Sondageschnitt im Innenraum des mittelslawischen Ringwalls abgeschlossen wurden. Von Bedeutung sind zwei auf der Sohle des Schnittes untersuchte, bis zu 2 m im Durchmesser große Gruben, die wohl der frühslawischen Besiedlung auf dem Fundplatz zuzuordnen sind. Aus einer dieser Gruben stammt dabei mit einer vogelförmigen Bronzeattasche einer der herausragendsten Funde der DFG-Forschungsgrabung.

Die vollständig erhaltene, 8,3 cm lange und 6,7 cm breite Attasche zeigt ein vogelartiges Tier in der Draufsicht, Flügel und Schwanz sind abstrakt dargestellt und mit jeweils einem Nietloch versehen. Der Kopf ist ebenfalls stark abstrahiert, eine leichte Delle deutet den Übergang zum Schnabel an. Das Stück ist unverziert, allerdings sind wenige Reste einer Silber- oder Zinnauflage zu beobachten; naturwissenschaftliche Untersuchungen sollen hier zur Klärung beitragen.

Die Vogelattasche dürfte ursprünglich eine Bronzeschale geziert haben, die den sogenannten hanging bowls (irische Hängebecken) zugeordnet werden. Die Herkunft dieser Schalen ist auf den Britischen Inseln, vor allem in Ostengland und im Osten Irlands und Nordirlands zu suchen; sie sind dort seit dem 6. Jahrhundert in Gebrauch. Aber auch aus einigen, meist reich ausgestatteten Kammergräbern Norwegens und Schwedens sind Hängebecken bekannt. Aus dem Kammergrab 5 des Kammergräberfeldes aus dem Halbkreiswall von Haithabu ist darüber hinaus ein Exemplar mit nahezu identischen Vogelattaschen bekannt. Die Schalen werden im Norden allgemein in das 9. und 10. Jahrhundert datiert; das Stück aus Friedrichsruhe dürfte bereits im 8. oder frühen 9. Jahrhundert in den Boden gelangt sein.

Die Funktion der Hängebecken ist nicht eindeutig geklärt: diskutiert werden Handwaschschüsseln oder Trinkschalen. Mit Sicherheit sind sie aber dem gehobenen Tafelgeschirr zuzuweisen.

Reste einer Bronzeschale wurden bei den Ausgrabungen in Friedrichsruhe nicht gefunden. Dennoch werden Kontakte des slawischen Binnenlandes mit den Handelszentren entlang der südlichen Ostseeküste – darauf weisen auch andere Funde hin – deutlich erkennbar, über die die Attasche vermutlich ihren Weg nach Friedrichsruhe fand.

Dr. Sebastian Messal

Burgwall in 3D

Burgwall unter dem Schweriner Schloss in 3D: 3D-Aufnahme der Bauphase 965 oder kurz danach. (Interner Link: Slawischer Burgwall unter dem Schweriner Schloss) Details anzeigen
Burgwall unter dem Schweriner Schloss in 3D: 3D-Aufnahme der Bauphase 965 oder kurz danach. (Interner Link: Slawischer Burgwall unter dem Schweriner Schloss)

3D-Aufnahme der Bauphase 965 oder kurz danach.

Vor Ort

Infoboxgrafik Exkursionen: Mittelalterliche Burg (Ludorf, Landkreis Müritz) (Interner Link: Exkursionen zu archäologischen und historischen Denkmälern) Details anzeigen
Infoboxgrafik Exkursionen: Mittelalterliche Burg (Ludorf, Landkreis Müritz) (Interner Link: Exkursionen zu archäologischen und historischen Denkmälern)

Infoboxgrafik Exkursionen: Mittelalterliche Burg (Ludorf, Landkreis Müritz)

Ausgestellt

Vitrinen in der Ausstellung im Archäologischen Freilichtmuseum Groß Raden (Interner Link: Archäologie in Museen und Ausstellungen) Details anzeigen
Vitrinen in der Ausstellung im Archäologischen Freilichtmuseum Groß Raden (Interner Link: Archäologie in Museen und Ausstellungen)

Vitrinen in der Ausstellung im Archäologischen Freilichtmuseum Groß Raden