Reliquienkreuz in der Ackerkrume

Fund des Monats Juni 2012

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Abb.1: P.-A. Benn bei der Auffindung

P.-A. Benn bei der Auffindung

Abb.1: P.-A. Benn bei der Auffindung

Bei einer systematischen Prospektion sollte im Herbst vergangenen Jahres ein spätslawischer Fundplatz bei Blengow genauer begutachtet werden. Anlass für diese durch die Kreisarbeitsgruppe für Ur- und Frühgeschichte im früheren Landkreis Bad Doberan organisierten Begehung war die Tatsache, dass der in Sichtweite zum Salzhaff gelegene Fundplatz bereits in der Vergangenheit – abgesehen von Funden anderer Zeitstellungen – auch reichlich Keramik des 11. und 12. Jahrhunderts erbracht hatte. Außerdem wurden bei einer Notbergung in den Jahren 1987 und 1988 zwei durch den Pflug angeschnittene Gruben dokumentiert, die zahlreiche Metallobjekte – unter anderem Fragmente einer Klappwaage und Reste von Messern aus spätslawischer Zeit – enthielten.

Bei dieser unter reger Beteiligung zahlreicher ehrenamtlicher Bodendenkmalpfleger durchgeführten Begehung wurden nun erneut zahlreiche Metallfunde – insgesamt weit über 100 Stücke – gemacht. Das Spektrum reicht dabei von rhombischen Schiffsnieten über Messerfragmente und Schnallen aus Eisen bis hin zu bronzenen Schmuckstücken wie dem Fragment eine Riemenzunge.

Ein herausragender Fund kam erst am Ende der Prospektion ans Tageslicht: Ein bronzenes, 8,1 cm hohes Hohlkreuz (Abb. 2 und 3), das auf der Vorderseite eine Kruzifixdarstellung zeigt, die auf den Armen des Kreuzes seitlich durch die Darstellung von Maria und Johannes flankiert wird. Unter den Armen des gekreuzigten Christus ist eine Inschrift in griechischer Sprache angebracht.

Bei dem Fund handelt es sich um ein sogenanntes Enkolpion, eine Fundkategorie, die bislang aus unserem Bundesland nicht bekannt ist und die auch in ganz Mittel- und Nordeuropa nur wenige Vergleichsstücke kennt! Solche Enkolpien wurden ursprünglich als Kettenanhänger getragen, wobei zwei kreuzförmige Hälften über ein Scharnier verbunden waren, so dass das Kreuz aufgeklappt werden konnte. Häufig wurden darin Reliquien verwahrt.

Aufgrund der bildlichen Darstellung und der griechischen Inschrift ist die Herkunft des Enkolpions recht eindeutig zu ermitteln. Es dürfte sich um eine ostmediterrane oder byzantinische Arbeit handeln; dort wurden solche Reliquiengefäße ab dem 7. bis in das 12. Jahrhundert hergestellt. Im hiesigen Raum ist eine Datierung vom 10. bis in das frühe 12. Jahrhundert wahrscheinlich. In diesen Zeitrahmen deuten auch die übrigen Funde der Siedlung bei Blengow.

Erst künftige Untersuchungen werden zeigen können, in welchem kulturgeschichtlichen Zusammenhang dieser Fund zu sehen ist und welche Bedeutung dabei dem Umfeld der slawischen Siedlung zukommt, aus der dieses für die südliche Ostseeküste einzigartige Fundstück stammt.

Lars Saalow M. A.

Fund des Monats Juni 2012

Reliquienkreuz in der Ackerkrume

Burgwall in 3D

Burgwall unter dem Schweriner Schloss in 3D: 3D-Aufnahme der Bauphase 965 oder kurz danach. (Interner Link: Slawischer Burgwall unter dem Schweriner Schloss) Details anzeigen
Burgwall unter dem Schweriner Schloss in 3D: 3D-Aufnahme der Bauphase 965 oder kurz danach. (Interner Link: Slawischer Burgwall unter dem Schweriner Schloss)

3D-Aufnahme der Bauphase 965 oder kurz danach.

Vor Ort

Infoboxgrafik Exkursionen: Mittelalterliche Burg (Ludorf, Landkreis Müritz) (Interner Link: Exkursionen zu archäologischen und historischen Denkmälern) Details anzeigen
Infoboxgrafik Exkursionen: Mittelalterliche Burg (Ludorf, Landkreis Müritz) (Interner Link: Exkursionen zu archäologischen und historischen Denkmälern)

Infoboxgrafik Exkursionen: Mittelalterliche Burg (Ludorf, Landkreis Müritz)

Ausgestellt

Vitrinen in der Ausstellung im Archäologischen Freilichtmuseum Groß Raden (Interner Link: Archäologie in Museen und Ausstellungen) Details anzeigen
Vitrinen in der Ausstellung im Archäologischen Freilichtmuseum Groß Raden (Interner Link: Archäologie in Museen und Ausstellungen)

Vitrinen in der Ausstellung im Archäologischen Freilichtmuseum Groß Raden