Bronzemesser mit Hörnerknauf aus Vorpommern

Fund des Monats September 2015

Oldenburg, Fpl. 2, Lkr. Vorpommern-Greifswald. Klein, aber fein: Das Hörnerknaufmesser in konserviertem Zustand. Seine Länge beträgt gerade einmal 4,35 cmDetails anzeigen
Oldenburg, Fpl. 2, Lkr. Vorpommern-Greifswald. Klein, aber fein: Das Hörnerknaufmesser in konserviertem Zustand. Seine Länge beträgt gerade einmal 4,35 cm

Abb 1. Oldenburg, Fpl. 2, Lkr. Vorpommern-Greifswald. Klein, aber fein: Das Hörnerknaufmesser in konserviertem Zustand. Seine Länge beträgt gerade einmal 4,35 cm

Abb 1. Oldenburg, Fpl. 2, Lkr. Vorpommern-Greifswald. Klein, aber fein: Das Hörnerknaufmesser in konserviertem Zustand. Seine Länge beträgt gerade einmal 4,35 cm

Am südwestlichen Abschluss eines langgezogenen, größtenteils von Niederungen umgebenen Höhenrückens befindet sich der Fundplatz Oldenburg 2 (Lkr. Vorpommern-Greifswald). Er wurde 1968 entdeckt, als W. Hornemann dort jungslawische Keramikscherben fand und außer geglühten Steinen auch aufgepflügte Verfärbungen an der Ackeroberfläche beobachtete. Urgeschichtliche Gefäßscherben, die 1993 geborgen wurden, deuteten aber an, dass der Fundplatz auch schon früher durch den Menschen genutzt wurde.

Bestätigt wurde diese Vermutung im Februar 2015, als der ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger Lars Wilhelm (Gützkow) bei einer Detektorbegehung am nördlichen Hang des Fundplatzes einen Bronzefund barg, der typisch für die jungbronzezeitliche Periode IV ist (1100-900 v. Chr.). Es handelt sich um ein nur 4,35 cm langes Messer mit Hörnerknaufgriff (Abb. 1). Die Klinge hat einen geraden Rücken und eine fast dreieckige Kontur, die vermutlich durch häufiges Nachschärfen der Klinge entstanden ist. Die nur 2 cm lange Griffpartie endet in einem kreuzförmigen, 1,35 cm breiten Hörnerknauf mit Mitteldorn. Sowohl die Klinge als auch Griff und Abschluss sind unverziert.

Das Stück wurde zwar als Einzelfund geborgen, doch ist anzunehmen, dass es sich um eine Grabbeigabe handelt. Die exponierte Lage des Fundplatzes, die früher dort geborgenen Gefäßscherben und nicht zuletzt die Tatsache, dass Hörnerknaufmesser fast durchweg als Grabbeigaben niedergelegt wurden, sprechen dafür.

Ein gut vergleichbares Fundstück war bereits 1889 als einzige Beigabe einer Leichenbrandschüttung auf dem als "Burgwall" bezeichneten Bestattungsplatz bei Schwennenz, Lkr. Vorpommern-Greifswald (Fpl. 19) geborgen worden (Abb. 2). Bis 2007 befand sich das Messer im Muzeum Narodowe in Szczecin (Polen), bevor es im Rahmen des deutsch-polnischen Kulturgüteraustausches nach Schwerin übergeben wurde. Dieses ebenfalls vollständig erhaltene Messer ist 6,4 cm lang. Die Klinge ist mit 5,1 cm deutlich größer als beim Oldenburger Stück und hat zudem einen leicht gewölbten Rücken. Auch ist die Griffpartie hier von der Klinge abgesetzt und aufgebogen. Gemeinsam ist beiden Messern der Griffabschluss, der in einem kreuzförmigen Hörnerknauf endet (Abb. 3).

Hörnerknaufmesser gehören zum typischen Formengut der jungbronzezeitlichen Periode IV. Ihr Vorkommen zeigt zwei Konzentrationen: zum einen die dänischen Inseln und Südschweden, zum anderen den unteren Oderraum (Abb. 4). Dies wurde lange Zeit als Indiz für einen von Seeland oder Südschweden ausgehenden "Landnahmeprozess" gewertet. Dabei hatte man jedoch übersehen, dass sich die nordostdeutschen und nordwestpolnischen Hörnerknaufmesser zumeist deutlich von den skandinavischen Vertretern unterscheiden. Sie sind in der Regel kleiner als die skandinavischen Exemplare und zudem stets unverziert. Außerdem weichen Griffgestalt und Klingenformen deutlich voneinander ab. Demnach handelt es sich bei den südlichen Exemplaren nicht um Importe aus dem Norden, sondern um einen eigenständigen, lokal produzierten Messertyp, der als "Hörnerknaufmesser nordostdeutscher Prägung" zu bezeichnen ist.

Die Entwicklung des Messertyps ist als Ergebnis der intensiven Verbindungen zwischen Südskandinavien und dem unteren Oderraum zu werten, denn diese Region war während Periode IV eine wichtige Kontaktzone zwischen dem Nordischen Kreis und der östlichen Urnenfelderkultur. Dies spiegelt sich in vielen lokalen Bronzeerzeugnissen wider, deren Formgebung durch Impulse aus dem Süden oder dem Norden geprägt ist. Zu diesen Produkten gehören auch die Hörnerknaufmesser nordostdeutscher Prägung.

Jens-Peter Schmidt


Literatur

J.-P. Schmidt, Ein jungbronzezeitliches Hörnerknaufmesser aus Oldenburg, Lkr. Vorpommern-Greifswald. Archäologische Berichte aus Mecklenburg-Vorpommern 22, 2015, 9-15 (im Druck).

Fund des Monats September 2015

Bronzemesser mit Hörnerknauf aus Vorpommern

Burgwall in 3D

Burgwall unter dem Schweriner Schloss in 3D: 3D-Aufnahme der Bauphase 965 oder kurz danach. (Interner Link: Slawischer Burgwall unter dem Schweriner Schloss)Details anzeigen
Burgwall unter dem Schweriner Schloss in 3D: 3D-Aufnahme der Bauphase 965 oder kurz danach. (Interner Link: Slawischer Burgwall unter dem Schweriner Schloss)

3D-Aufnahme der Bauphase 965 oder kurz danach.

Vor Ort

Infoboxgrafik Exkursionen: Mittelalterliche Burg (Ludorf, Landkreis Müritz) (Interner Link: Exkursionen zu archäologischen und historischen Denkmälern)Details anzeigen
Infoboxgrafik Exkursionen: Mittelalterliche Burg (Ludorf, Landkreis Müritz) (Interner Link: Exkursionen zu archäologischen und historischen Denkmälern)

Infoboxgrafik Exkursionen: Mittelalterliche Burg (Ludorf, Landkreis Müritz)

Ausgestellt

Vitrinen in der Ausstellung im Archäologischen Freilichtmuseum Groß Raden (Interner Link: Archäologie in Museen und Ausstellungen)Details anzeigen
Vitrinen in der Ausstellung im Archäologischen Freilichtmuseum Groß Raden (Interner Link: Archäologie in Museen und Ausstellungen)

Vitrinen in der Ausstellung im Archäologischen Freilichtmuseum Groß Raden