Fünf auf einen Streich

Fund des Monats November 2015

Bohlenbelag des völkerwanderungszeitlichen Weges von Laage, Lkr. Rostock, Fpl. 34. Details anzeigen

Bohlenbelag des völkerwanderungszeitlichen Weges von Laage, Lkr. Rostock, Fpl. 34.

Bohlenbelag des völkerwanderungszeitlichen Weges von Laage, Lkr. Rostock, Fpl. 34.

Bohlenbelag des völkerwanderungszeitlichen Weges von Laage, Lkr. Rostock, Fpl. 34.

Feste frühgeschichtliche Wege sind in Mecklenburg-Vorpommern keineswegs unbekannt, doch ist ihre Anzahl überschaubar. Findet man sie außerhalb von Siedlungen, so handelt es sich meist um spätslawische Bauten, die Niederungsburgen oder Inseln mit dem Festland verbanden. Die Brücken im Teterower See oder der Bohlenweg zur Burg von Sukow-Marienhof, beide Lkr. Rostock, gehören zu den eindrucksvollsten Bauwerken dieser Art in Mecklenburg-Vorpommern.

Einem ganz anderen Zweck dienten hingegen die jüngst bei Laage (Lkr. Rostock) entdeckten Wege, denn sie wurden errichtet, um eine sichere Querung der Recknitzniederung zu ermöglichen, die an dieser Stelle rund 1000 m breit ist. Entdeckt wurden sie bei der "ökologischen Sanierung" der Recknitz, bei der nicht etwa der historische, im letzten Jahrhundert verschüttete Flusslauf geöffnet, sondern ein neues Gewässer modelliert wurde. Die Arbeiten fanden zwischen Januar und April 2015 statt und wurden durchgängig von B. Gulan sowie zeitweise auch von N. Kuhlmann und U. Weiß archäologisch begleitet. Auf einer Strecke von nicht einmal 2000 m wurden drei neue Fundplätze mit insgesamt fünf festen Wegeführungen entdeckt, die zwischen dem 6. und 12. Jahrhundert entstanden waren.

Der Erhaltungszustand war unterschiedlich, doch gab es auf allen Fundplätzen Bauhölzer, die für eine dendrochronologische Analyse durch Dr. K.-U. Heußner am Deutschen Archäologischen Institut in Berlin geeignet waren. Erst dadurch gelang es, die zeitliche Tiefe der jeweiligen Fundplätze zu ermitteln, da sie kein datierendes Fundmaterial erbrachten.

Dies gilt auch für Laage 33, den nördlichsten der drei Fundplätze, auf dem zwei Pfahlkonzentrationen zutage kamen. In beiden Fällen dürfte es sich um Reste von Bohlenwegen mit Pfahlgründung handeln, also eines Typs, wie er vor gut 15 Jahren nur 25 km flussabwärts bei Kucksdorf, Lkr. Vorpommern-Rügen, erstmals entdeckt wurde. Die Ergebnisse der dendrochronologischen Analysen zeigten, dass die südliche Anlage aus der Zeit um 830 n. Chr. stammt, während das nördliche Pfahlfeld erst in spätslawischer Zeit entstand.

Nur 800 m südlich kamen zwei weitere Bauwerke zutage (Fundplatz Laage 34). Einer der beiden Wege stammt aus frühslawischer Zeit. Da die Hölzer, von denen das jüngste auf 745 n. Chr. (Waldkante) datiert wurde, alle aus dem Baggeraushub stammen, bleibt die Bauweise dieses Weges jedoch unbekannt. Deutlich besser erhalten war ein Bohlenweg, der nur 40 m nordwestlich der ausgebaggerten Hölzer angeschnitten und auf einer Fläche von 3 x 3,5 m freigelegt wurde. Der Bohlenweg hatte eine flächige Unterkonstruktion, die aus querliegenden Rundhölzern und sekundär verwendeten Bauhölzern mit Bearbeitungsspuren bestand und direkt auf dem Torf auflag (Abb. 2). Zwischen den Hölzern fand sich auch ein 58 cm langer, waagerecht liegender Holznagel mit verdicktem, gerundet-rechteckigem Kopf und quadratischem Schaft (Abb. 4). Darüber war eine etwa 20 cm starke Kiesschicht aufgeschüttet, die auch kleine Feldsteine und einige größere Findlinge enthielt und beidseitig etwa 40 cm über die hölzerne Unterkonstruktion hinausreichte. Den oberen Abschluss bildete ein Belag aus querliegenden, bis zu 2,5 m langen und 0,2–0,4 m breiten Eichenbohlen, die an den Enden größtenteils mit viereckigen Löchern versehen waren, um ein Fixieren durch Holzpfähle zu ermöglichen (Abb. 1). Diese waren jedoch nicht mehr vorhanden, was vermutlich der Grund dafür war, dass der Bohlenbelag leicht nach Norden verschoben über der Unterkonstruktion angetroffen wurde (Abb. 3). Die dendrochronologische Analyse ergab für diesen Weg eine belastbare Datierung in das frühe 6. Jh. n. Chr., denn gleich für zwei der Belagbohlen ließ sich ein Fälldatum von 528 (± 10) ermitteln. Damit handelt es sich um den ersten gut erhaltenen völkerwanderungszeitlichen Bohlenweg, der in Mecklenburg-Vorpommern nachgewiesen wurde.

Der fünfte Weg (Fundplatz Subzin 18) wurde etwa 850 m südlich des Fundplatzes Laage 34 entdeckt und auf einer 15 x 5,5 m großen Fläche dokumentiert. Erhalten waren vornehmlich die Hölzer der 2,6–3 m breiten Unterkonstruktion sowie eine etwa 30 cm starke Auftragsschicht aus feinem Sand. Die Datierung der Hölzer war bemerkenswert einheitlich, denn alle Werte fielen in die Zeit zwischen 691 und 719 n. Chr., die jüngste Probe sogar mit "Sommerwaldkante".

Dass gerade im Umfeld von Laage so viele Wegeführungen die Recknitzniederung queren, ist angesichts der topographischen Gegebenheiten keineswegs überraschend. Offensichtlich war Laage in slawischer Zeit gut in das überregionale Verkehrswegenetz eingebunden und stellte einen wichtigen Verkehrsknotenpunkt dar. Deutlich zeigt sich dies in der Tatsache, dass eine der wichtigsten Fernhandelsrouten Norddeutschlands, die von Hamburg nach Stettin führende "via regia", bei Laage die Recknitzniederung kreuzte. Dass dieser Bereich aber auch schon während der Völkerwanderungszeit von verkehrsstrategischer Bedeutung war, konnte nun erstmals nachgewiesen werden.

Jens-Peter Schmidt


Weiterführende Literatur

R. Bleile, Slawische Wege und Brücken des 8. bis 12. Jahrhunderts in Norddeutschland. In: Bayerische Gesellschaft für Unterwasserarchäologie (Hrsg.), Archäologie der Brücken: Vorgeschichte, Antike, Mittelalter, Neuzeit. Regensburg 2011, 156-160.

R. Bleile/S. Kleingärtner, Flußfunde und Flußübergänge aus dem Recknitztal zwischen Dudendorf und Bad Sülze, Lkr. Nordvorpommern. – Bodendenkmalpflege in Mecklenburg-Vorpommern, Jahrbuch 49, 2001, 137-174.

E. Schuldt, Der Holzbau bei den nordwestslawischen Stämmen vom 8. bis 12. Jahrhundert. – Beiträge zur Ur- und Frühgeschichte der Bezirke Rostock, Schwerin und Neubrandenburg 21. Berlin 1988.

Fund des Monats November 2015

Fünf auf einen Streich

Burgwall in 3D

Burgwall unter dem Schweriner Schloss in 3D: 3D-Aufnahme der Bauphase 965 oder kurz danach. (Interner Link: Slawischer Burgwall unter dem Schweriner Schloss) Details anzeigen
Burgwall unter dem Schweriner Schloss in 3D: 3D-Aufnahme der Bauphase 965 oder kurz danach. (Interner Link: Slawischer Burgwall unter dem Schweriner Schloss)

3D-Aufnahme der Bauphase 965 oder kurz danach.

Vor Ort

Infoboxgrafik Exkursionen: Mittelalterliche Burg (Ludorf, Landkreis Müritz) (Interner Link: Exkursionen zu archäologischen und historischen Denkmälern) Details anzeigen
Infoboxgrafik Exkursionen: Mittelalterliche Burg (Ludorf, Landkreis Müritz) (Interner Link: Exkursionen zu archäologischen und historischen Denkmälern)

Infoboxgrafik Exkursionen: Mittelalterliche Burg (Ludorf, Landkreis Müritz)

Ausgestellt

Vitrinen in der Ausstellung im Archäologischen Freilichtmuseum Groß Raden (Interner Link: Archäologie in Museen und Ausstellungen) Details anzeigen
Vitrinen in der Ausstellung im Archäologischen Freilichtmuseum Groß Raden (Interner Link: Archäologie in Museen und Ausstellungen)

Vitrinen in der Ausstellung im Archäologischen Freilichtmuseum Groß Raden