Gedenken an Professor Ewald Schuldt

Abb. 3: Ewald Schuldt bei der Eröffnung der Ausstellung im Archäologischen Freilichtmuseum Groß Raden (13. Mai 1987; Foto: LAKD-MV/LA). Details anzeigen
Abb. 3: Ewald Schuldt bei der Eröffnung der Ausstellung im Archäologischen Freilichtmuseum Groß Raden (13. Mai 1987; Foto: LAKD-MV/LA).
Abb. 3: Ewald Schuldt bei der Eröffnung der Ausstellung im Archäologischen Freilichtmuseum Groß Raden (13. Mai 1987; Foto: LAKD-MV/LA).
Abb. 3: Ewald Schuldt bei der Eröffnung der Ausstellung im Archäologischen Freilichtmuseum Groß Raden (13. Mai 1987; Foto: LAKD-MV/LA).
20.12.2013  | LA  | LAKD - Landesarchäologie

Am 3. Januar 2014 wäre Ewald Schuldt, der das Museum für Ur- und Frühgeschichte Schwerin von 1953–1981 leitete, 100 Jahre alt geworden.

Schuldt wurde am 3. Januar 1914 als Sohn eines Landarbeiters in Mechelsdorf geboren. Nach Schulbesuch in seinem Geburtsort machte er zunächst in Rostock eine Ausbildung als Gärtner, bevor er in den 1930er Jahren zum Reichsarbeitsdienst einberufen wurde. 1935 nahm er als abkommandierter Arbeitsmann an einer Ausgrabung auf dem Tannenwerder im Ostorfer See bei Schwerin teil. 1938, nach Ableistung des Arbeitsdienstes, begann Schuldt eine Tätigkeit als wissenschaftlicher Zeichner in der vor- und frühgeschichtlichen Landesaufnahme des Kreises Hagenow.

Nach dem Militärdienst im Zweiten Weltkrieg kehrte Schuldt 1945 nach Schwerin zurück und wurde in der vorgeschichtlichen Abteilung des Staatlichen (ehemals Großherzoglichen) Museums angestellt. Als die Rote Armee im Winter 1945/46 die Räumung des Schweriner Schlosses anordnete, in dem sich die gesamte archäologische Sammlung befand, musste Schuldt in kürzester Zeit die Bestände in das Gebäude des Staatlichen Museums am Alten Garten überführen. Funde, Ortsakten, Bibliothek und Ausstellungstechnik wurden mit wenigen Helfern auf Handwagen in Sicherheit gebracht. Dennoch ließen sich einzelne Verluste nicht verhindern, da das Inventar des Schlosses oftmals einfach unter freiem Himmel abgestellt wurde.

1946 folgte die Berufung zum Leiter der Vorgeschichtlichen Abteilung des Staatlichen Museums, verbunden mit dem Auftrag, eine neue Ausstellung vorzubereiten. Als das Museum 1947 wieder öffnete, war tatsächlich auch eine vollständige Ausstellung zur Ur- und Frühgeschichte zu sehen.

1953 wurde Schuldt Leiter des aus der vorgeschichtlichen Abteilung des Staatlichen Museums entstandenen Museums für Ur- und Frühgeschichte Schwerin und damit Bodendenkmalpfleger für die drei Nordbezirke, also auch für die ehemals pommerschen Gebiete im Bezirk Rostock. 1953 erschien auch das erste Jahrbuch "Bodendenkmalpflege in Mecklenburg" mit wissenschaftlichen Aufsätzen und Kurzen Fundberichten. Das Museum war sowohl für die Bodendenkmalpflege als auch für die Forschung zuständig, wie aus dem Zusatz "Forschungsstelle" hervorging. Weitere Forschungsstellen wurden in Stralsund (Bezirk Rostock) und Waren (Bezirk Neubrandenburg) eingerichtet.

Mit Ewald Schuldt hielt die systematische Forschungsgrabung Einzug in die Archäologie unseres Landes. Groß angelegte Ausgrabungen an sorgfältig ausgewählten Fundplätzen brachten innerhalb weniger Jahrzehnte grundlegende Erkenntnisse zur Mittelsteinzeit (Hohen Viecheln), zur Jungsteinzeit (Megalithgräber) und zur Slawenzeit (Burgwälle Behren-Lübchin, Teterow, Groß Raden und andere). Die chronologische Ordnung der Funde spielte zwar immer noch eine wichtige Rolle und wurde mit Hilfe der ausgegrabenen stratigraphischen Befunde konsequent weiter ausgebaut, hinzu kamen jedoch grundlegende Beobachtungen zu den Lebens- und Arbeitsverhältnissen der Menschen in der jeweiligen Zeit, zu ihren religiösen Vorstellungen und zu ihrer politischen und wirtschaftlichen Organisation. Die neuen Erkenntnisse wurden nicht nur in kürzester Zeit veröffentlicht, sondern auch in Sonderausstellungen und im eigens geschaffenen ArchäologischenFreilichtmuseum Groß Raden einem großen Publikum präsentiert.

Für die Archäologie Mecklenburg-Vorpommerns ist Schuldt bis heute eine prägende Persönlichkeit. Die von ihm herausgearbeitete Chronologie der slawischen Keramik besitzt nach wie vor Gültigkeit. Mit dem Archäologischen Freilichtmuseum Groß Raden, das maßgeblich auf die Ergebnisse der von 1973–1980 durchgeführten Forschungsgrabungen zurückgeht, hat er sich selbst ein eindrucksvolles Denkmal gesetzt (Abb. 1–2). Die Zeit nach seiner Pensionierung nutzte er, um alle Bestandteile des Museums, von den Nachbauten im Freigelände bis hin zu den Ausstellungstexten, eigenhändig zu entwerfen und auf dieser Grundlage den Bau des Archäologischen Freilichtmuseums Groß Raden durchzusetzen. Ewald Schuldt starb am 1. Juni 1987, nur wenige Tage nach der Eröffnung des Groß Radener Museumsgebäudes (Abb. 3).

Zeitreise: Der Prähistoriker Ewald Schuldt (NDR - Mediathek) 

Burgwall in 3D

Burgwall unter dem Schweriner Schloss in 3D: 3D-Aufnahme der Bauphase 965 oder kurz danach. (Interner Link: Slawischer Burgwall unter dem Schweriner Schloss) Details anzeigen
Burgwall unter dem Schweriner Schloss in 3D: 3D-Aufnahme der Bauphase 965 oder kurz danach. (Interner Link: Slawischer Burgwall unter dem Schweriner Schloss)

3D-Aufnahme der Bauphase 965 oder kurz danach.

Vor Ort

Infoboxgrafik Exkursionen: Mittelalterliche Burg (Ludorf, Landkreis Müritz) (Interner Link: Exkursionen zu archäologischen und historischen Denkmälern) Details anzeigen
Infoboxgrafik Exkursionen: Mittelalterliche Burg (Ludorf, Landkreis Müritz) (Interner Link: Exkursionen zu archäologischen und historischen Denkmälern)

Infoboxgrafik Exkursionen: Mittelalterliche Burg (Ludorf, Landkreis Müritz)

Ausgestellt

Vitrinen in der Ausstellung im Archäologischen Freilichtmuseum Groß Raden (Interner Link: Archäologie in Museen und Ausstellungen) Details anzeigen
Vitrinen in der Ausstellung im Archäologischen Freilichtmuseum Groß Raden (Interner Link: Archäologie in Museen und Ausstellungen)

Vitrinen in der Ausstellung im Archäologischen Freilichtmuseum Groß Raden