Verordnung gegen Holzdiebereien in den Königlich Schwedischen Waldungen des Amtes Neukloster

Archivalie des Monats Februar 2010

Kartenausschnitt 1788, F.W. von Schmettau, Blatt 7, WismarDetails anzeigen
Kartenausschnitt 1788, F.W. von Schmettau, Blatt 7, Wismar

Kartenausschnitt 1788, F.W. von Schmettau, Blatt 7, Wismar

Kartenausschnitt 1788, F.W. von Schmettau, Blatt 7, Wismar

Es ist der 10. Februar 1713 in Wismar. Der Generalmajor der Infanterie, Vizegouverneur der Herrschaft und Stadt Wismar sowie Obrist über ein Regiment zu Fuß, Baron Martin Schoultz, unterzeichnet im Namen des Königs zu Schweden eine Verordnung zum Schutz der Königlichen Waldungen im Amt Neukloster.

Zwecks Bekanntmachung wurde ein Plakat gedruckt, welches im gesamten Amt von den Kanzeln verlesen, an Kirchentüren, in Krügen und an sonstigen öffentlichen Orten angebracht, vermeiden sollte, dass sich keiner der Bewohner mit Unwissenheit herausreden konnte.

Was war geschehen? "Grobe und enorme Diebereien" von den Einwohnern des Amtes, aber auch aus Nachbardörfern waren verübt und eine große Menge junger anwachsender Eichen abgehauen worden, das gestohlene Holz "anderwerts" verkauft. Nun musste die Verwaltung Maßnahmen ergreifen, die eine derartige Verwüstung der königlichen Waldungen zu vermeiden halfen. Alle vormals diesbezüglich ergangenen Verordnungen gegen den Holzdiebstahl erforderten eine Überarbeitung.

In der neuen "renovirten" Verordnung sind die Heidereiter besonders in die Pflicht genommen. Sie wurden erinnert und verwarnt, zusammen mit den Verwaltern und den Schulzen der Dorfschaften die Wälder fleißig und täglich zu besichtigen, und es erfolgte der Befehl, dass sie in Anwesenheit zweier Amtsverordneter alle Baumstämme mit einem "Crohn"-Zeichen zu versehen hatten. Dabei sollten auch die gefällten Bäume sofort gezeichnet werden. Würde bei den Visitationen nun ein Stamm ohne Zeichen aufgefunden, so würde er requiriert. Gleichzeitig war der Baumdieb zu ermitteln.

Bei Nichtermittlung des Täters sollten Heidereiter, Verwalter und Schulzen der nächst gelegenen Amtsdörfer wegen versäumter Aufsicht und Nachlässigkeit in Strafe genommen oder ihrer Ämter "entsetzt" werden. Gleichzeitig erging an alle Amtseinwohner die Aufforderung, Holzdiebe anzuzeigen und Heidereiter, wenn Beweise für die Duldung unzulässiger Holzfällungen oder Holzverkauf vorlagen, zu melden. Dafür zahlte die Königliche Renterei 30 Reichstaler.

Den Dieben und am Diebstahl und Holzverkauf Beteiligten drohte nach Ersetzung des Schadens eine empfindliche Leibesstrafe. Außerdem mussten diese, ein Jahr in Eisen geschmiedet, in der Festung Wismar bei Brot und Wasser arbeiten.

Den Amtseinwohnern garantierte die Verwaltung auch weiterhin den Einschlag von benötigtem Bau- und Brennholz. Vorher solle gemäß Verordnung beim Königlichen Gouverneur ein Antrag gestellt werden, und erst nach Genehmigung wurde von den Heidereitern vor Ort festgelegt, wo ohne Nachteil für die Waldung Holz zu werben und abzufahren war. Ohne Genehmigung Holz zu fällen bedeutete, Diebstahl und Behandlung mit allen genannten Folgen.

Seit 1648 verwalteten die Schweden neben Wismar und Poel auch das Amt Neukloster. Aus den Waldungen in diesem Amt wurden ständig Holzlieferungen an die schwedischen Besitzungen abgefordert. Der Schiffbau, der Festungsbau und die Versorgung der Heizungsanlagen mit Brennholz verlangten ständig neue Holzlieferungen. Das belegen etliche Akten aus dem Bestand Schwedische Rentkammer, 9.1-4 des Landeshauptarchivs in Schwerin. Die Lieferungen gingen auch nach Vorpommern und Schweden.

So wundert es kaum, dass der Vertreter des schwedischen Königs diesseits der Ostsee strikt über die sich nur langsam erneuernden Holzvorräte in seinen Waldungen wachte.

Der Kartenauschnitt  aus der von Schmettauschen Karte, der den Zustand vor Erscheinen 1788 darstellt, zeigt bereits weite waldfreie Flächen im Gebiet östlich von Neukloster.

von Elke Krügener


Quelle: LAHS, 9.1-4, Signatur 307


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