Von Protektoren, hohen Beförderern und ordentlichen Mitgliedern - Matrikelbücher des Vereins für mecklenburgische Geschichte

Archivalie des Monats April 2010

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Matrikelbücher des Geschichtsvereins

Matrikelbücher des Geschichtsvereins

Matrikelbücher des Geschichtsvereins

In diesem Jahr feiert der Verein für mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde sein 175jähriges Gründungsjubiläum. Sein Vereinsarchiv wird als Bestand "10.63-1 Verein für mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde" im Landeshauptarchiv Schwerin verwahrt. Im Findbuch sind hier unter den Nummern 55 und 56 die "Verzeichnisse der hohen Protectoren und Beförderer, der Ehrenmitglieder und ordentlichen Mitglieder, so wie der Beamten des Vereins" aufgeführt.

Der dritte Band, der zwar schon als Nr. 57 verzeichnet wurde, ist allerdings noch keine Archivalie und befindet sich nicht im Magazin, sondern dient auch aktuell der Aufnahme der neuen Vereinsmitglieder. Über 3.300 Namen von der Gründung bis zum heutigen Tag machen aus der abstrakten Organisation eine lebendige Gesellschaft.

In den Matrikelbüchern spiegelt sich die Vereinsgeschichte wider, die auch ein Licht auf die mecklenburgische Landesgeschichte wirft. Geht man sie durch, findet man viele bekannte Namen wie Hofbaurat Demmler, Archivdirektor Hermann Grotefend, Hofmaler Gaston Lenthe, Musikwissenschaftler Clemens Meyer oder Museumsdirektor Friedrich Schlie, um nur eine kleine, willkürliche Auswahl zu nennen.

Das Protektorat über den Verein führten traditionell die Großherzöge von Mecklenburg-Schwerin und Mecklenburg-Strelitz. Als erster Protektor des Vereins seit dem 28. März 1835 wurde Großherzog Friedrich Franz I. von Mecklenburg-Schwerin verzeichnet. An zweiter Stelle stand seit dem 13. April 1835 Großherzog Georg von Mecklenburg-Strelitz. Nach dem Tod eines Fürsten folgte jeweils sein Nachfolger. Das mecklenburg-strelitzsche Protektorat erlosch mit dem Tod des letzten Großherzogs Adolf Friedrich VI. 1918. Großherzog Friedrich Franz IV. legte als Letzter die Würde im September 1919 kurz vor seinem Thronverzicht nieder. 1933 übernahm er sie wieder und führte sie bis zu seinem Tod im November 1945. Zehn fürstliche Protektoren zählte der Verein von seiner Gründung bis zu seiner einstweiligen Auflösung 1945.

Andere Mitglieder des Fürstenhauses traten als "Hohe Beförderer" des Vereins auf. Hier konnten dann auch die fürstlichen Ehefrauen und Töchter eine Rolle spielen. Unter Nr. 3 führte seit März 1836 die verwitwete Erbgroßherzogin Auguste die Liste an, die jedoch 1852 zurücktrat. Ihr folgte unmittelbar als Nr. 4 Herzogin Helene, vermählte Herzogin von Orleans, die dem Verein bis zu ihrem Tod verbunden blieb, ebenso wie z. B. Großherzogin Alexandrine von Mecklenburg-Schwerin, die im Mai 1836 aufgenommen wurde. Aber auch einige auswärtige Fürsten aus den Häusern Preußen, Sachsen, Dänemark und Schaumburg-Lippe ließen sich gewinnen. Bei Fürst Georg Wilhelm von Schaumburg-Lippe zum Beispiel lässt sich vermuten, dass sein Engagement mit seiner Rolle als mecklenburgischer Gutsbesitzer zusammenhing.

Die eigentliche Vereinsarbeit lag in den Händen der ordentlichen Mitglieder. Beim Durchblättern der Bände fällt ins Auge, dass ein Großteil der Mitglieder Pastoren oder Lehrer waren. Stellvertretend seien hier nur die Pastoren Gottlieb Masch, Theodor Kliefoth oder Niklot Beste und die Lehrer Richard Wossidlo oder Robert Beltz genannt. Auch eine Reihe von Gutsbesitzern waren vertreten, so dass sich die bekannten Namen der mecklenburgischen Adelsgeschlechter wiederfinden lassen.

Zur Gründung eines Vereins hatten am 18. Oktober 1834 der Archivar Georg Christian Friedrich Lisch und Pastor Albrecht Bartsch aufgerufen, die unter diesem Datum die Liste der ordentlichen Mitglieder im Matrikelbuch anführen. Bis zur ersten Sitzung der Gründungsmitglieder zur Vorbereitung der Konstituierung des Geschichtsvereins am 17. Januar 1835 in Schwerin waren bereits 44 weitere Mitglieder eingetreten. Am 22. April, dem Tag der ersten Generalversammlung, wies das Matrikelbuch schon 84 ordentliche Mitglieder auf, deren Zahl bis Jahresende auf 249 stieg. Bis November 1883 wurden im ersten Band der Matrikelbücher 1229 Vereinsmitglieder verzeichnet. Der als Letzter Aufgeführte, der Buchhändler Schmidt aus Schwerin, musste 1895 den Verein wegen Beitragsverweigerung verlassen, was kein Einzelfall als Austrittsgrund war.

Der folgende Band 2 reicht bis Nr. 2578 im Januar 1924. Ein dunkles Kapitel der Vereinsgeschichte waren in den 30er-Jahren die Aufnahmen des Reichsleiters Martin Bormann sowie der Gauamtsleiter Richard Crull und Erich Rohde und vor allem die Streichung des Landesrabbiners Dr. Siegfried Silberstein aus den Matrikeln, der als Fördermitglied sogar einen höheren Beitrag leistete, nachdem eine Satzungsänderung im Juni 1935 eine arische Abkunft für Mitglieder forderte. Die letzten Eintragungen vor Kriegsende in Band 3 stammten vom 6. Februar 1944. Unter Nr. 2942 und 2943 wurden Frau Martha Peters und Frau Irmgard Rath-Krüger vermerkt.

Frauen im Geschichtsverein blieben bis 1945 in der Minderheit. Die erste Frau im Verein war "nur" Ehrenmitglied: Als Nr. 10 der Liste wurde seit Juli 1842 Gräfin von Hahn auf Basedow, geborene Gräfin von Schlippenbach, bis zu ihrem Tod 1857 geführt. Obwohl Frauen offiziell erst nach der Satzungsänderung von 1885 ordentliche Mitglieder werden konnten, lässt sich als erste bereits unter Nr. 670 Bertha von Schulse, geb. von Knuth, Erbtochter auf Ludorf, Gemahlin des Neujahr 1859 aus dem Verein ausgetretenen Kammerherrn von Schulse, ausmachen, die am 25. November 1859 eintrat und im April 1880 ausschied. Bis zum Beginn des I. Weltkriegs wurden als ordentliche Mitglieder einzig acht weitere Frauen aufgenommen. Von 1916 bis 1944 traten 74 bei. Inzwischen beträgt der Anteil an weiblichen Mitgliedern im Geschichtsverein ca. 26%.

Die Eintragungen in Band 3 der Matrikelbücher wurden mit der Wiederbegründung des Geschichtsvereins 1991 wieder aufgenommen und auch die Mitglieder nachgetragen, die seit 1984 in der Stiftung Mecklenburg für die Wiederbelebung gesorgt hatten. Heute zählt der Verein für mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde knapp über 200 Mitglieder.

Von Dr. Antje Koolman, Landeshauptarchiv Schwerin

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