Königliche Hochzeit in Mecklenburg-Strelitz vor 170 Jahren

Archivalie des Monats September 2011

Caroussel-Lithografie.jpgDetails anzeigen
Caroussel-Lithografie.jpg

A. Pfeifer: Caroussel, Lithografie

A. Pfeifer: Caroussel, Lithografie

Am Mittwoch, den 9. Dezember 1840, wurde in den Mecklenburg-Strelitzschen Anzeigen die Verlobung Herzogin Carolines von Mecklenburg-Strelitz, der zweiten Tochter Großherzog Georgs, mit Kronprinz Friedrich von Dänemark bekanntgegeben. Der Hochzeitstermin wurde auf den 10. Juni 1841 festgesetzt. Danach begannen die Planungen für Festlichkeiten, die dem Ereignis einen angemessenen Rahmen geben sollten. Nachdem manche Ideen verworfen worden waren, wie der Vorschlag des Physikers und Aerostatikers Ferdinand Walther, zur Belustigung eine Luftfahrt mit einem Heißluftballon durchzuführen, wurde ein viertägiges Festprogramm festgelegt: Die kirchliche Trauung wurde am 10. Juni in der Stadtkirche von Neustrelitz um 6 Uhr nachmittags vollzogen. Anschließend fand im Schloss ein Empfang für alle bei Hof zugelassenen Damen und Herren mit anschließendem Kartenspiel statt, bevor um 10 Uhr abends zur Tafel gebeten wurde. Für den 11. Juni wurde eine Opernaufführung geplant, am 12. Juni ein Ball abgehalten. Am 13. Juni wurde zum Caroussel geladen, das von Tableaus, d.h. lebenden Bildern, und Souper gefolgt wurde. Die Feierlichkeiten schlossen am 14. Juni mit einem Empfang und einem Kostümball im neuen Saal des Neustrelitzer Schlosses.

Bei dem Caroussel handelte es sich um ein Reitturnier, vermutlich um eine Art Ringreiten, bei dem die Teilnehmer ihre Geschicklichkeit beim Lanzenstechen unter Beweis stellen mussten. Hier wurde die Vorstellung adeliger Lebenskultur des Mittelalters beschworen. Um dem historischen Vorbild zu entsprechen, wurden die Stallmeister Friedrich Ernst Linde und Georg Ernst Carl Schweppe mit hellblauen Anzügen und Baretten kostümiert und mit Heroldstäben und Wappenrollen ausgestattet. Sechs kostümierte, mit Streitäxten versehene Stallknechte dienten als Bahnenwächter. Musikdirektor Nicolai war für die Musik zur Untermalung bei der Veranstaltung zuständig. Bis nach Berlin wurde geschickt, um 14 Trompeter des 2. Garde-Ulanen-Regiments zu verpflichten, die die Strelitzer verstärken sollten. Für die 24 Trompeter wurden eigens historisierende Uniformen angefertigt. Lanzen und Wurfspeere wurden in Auftrag gegeben. Auf der Reitbahn wurden Tribünen für die Zuschauer und die Geräte für das Caroussel aufgebaut. Bei den Gesamtkosten für Verlobung und Vermählung von 64.880 Talern, 45 ¼ Schilling schlug das Caroussel mit 1.214 Talern, 38 Schilling zu Buche.

Das Schauspiel wurde anschließend von A. Pfeifer im Bild festgehalten. Er ließ bei der Druckerei Winckelmann und Söhne eine Farblithografie anfertigen, die heute noch in dem Bestand 13.1-3 Bildersammlung Dynastien, Haus Strelitz Generation XXI, Caroline Nr. 1 im Landeshauptarchiv Schwerin an die königliche Hochzeit vor 170 Jahren erinnert. In seiner Szene befinden sich vier Ritter in den Schranken, während andere dahinter auf ihren Auftritt warten. Umgeben wird die von ihm dargestellte Szene von den farbenprächtigen Wappenschilden der Teilnehmer. Oben sieht man das Allianzwappen des neuvermählten Paares, das mit einer Krone geschmückt ist. Es folgen seitlich links und rechts die Wappen des Erbgroßherzogs Friedrich von Mecklenburg-Strelitz und Herzog Georgs zu Mecklenburg-Strelitz, des jüngeren Bruders der Braut, an die sich die Wappen von 27 Adligen anschließen. Sie gehörten unmittelbar zum Mecklenburg-Strelitzschen Hofstaat oder allgemein zur mecklenburgischen Ritterschaft. Allein fünf Vertreter der Familie von Oertzen, je drei Mitglieder der Familien von Dewitz und von Maltzahn und je zwei Vetreter der Familien von Engel, von Warburg und von Voss nahmen an dem Turnier teil. Neben ihnen stritten noch von Buch, von Grävenitz, Graf von Schwerin, von Wolfradt, von Waldow, von Rieben, Graf Moltke, von der Lancken, von Kamptz und von Bernstorff um den Sieg. Bei der, gemessen an dem aktenkundigen Holzverbrauch, sparsamen Darstellung der Carousselkonstruktion dürfte sich Pfeifer ebenso wie bei der Zahl 29 der Wappen der Teilnehmer künstlerische Freiheiten herausgenommen haben, denn der hamburgischen und preußischen Presse wurde ein Bericht über die Feierlichkeiten gegeben, demzufolge

die von 24 prachtvoll geschmückten Herrn im Rittercostüm gerittene Quadrille allgemein sehr gefallen hat. Das unbeständige Wetter war glücklicherweise während der Aufführung trocken und mehr als 5.000 Zuschauer erfreuten sich dieses hier seit 24 Jahren nicht gesehenen Schauspiels.

Dr. Antje Koolman

Archivalie des Monats September 2011

Königliche Hochzeit in Mecklenburg-Strelitz vor 170 Jahren