Feuer, Wasser, Krieg und andere Katastrophen

Archivalie des Monats Februar 2012

Der Brand des Kollegiengebäudes 1865Details anzeigen
Der Brand des Kollegiengebäudes 1865

Der Brand des Kollegiengebäudes 1865

Der Brand des Kollegiengebäudes 1865

Am ersten Märzwochenende 2012 findet bundesweit der "Tag der Archive" unter dem Motto "Feuer, Wasser, Krieg und andere Katastrophen" statt. Aus diesem Anlass öffnen auch die in Schwerin ansässigen Archive am Sonntag, dem 4. März 2012, ihre Türen, um die von ihnen verwahrten Schätze themenbezogen zu präsentieren. Es beteiligen sich die Außenstelle Schwerin des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen, das Landeshauptarchiv Schwerin, das Stadtarchiv Schwerin (alle von 10.00-16.00 Uhr) und das Landeskirchliche Archiv Schwerin (11.00-16.00 Uhr).

Aus archivischer Sicht hat die Thematik "Feuer, Wasser, Krieg und andere Katastrophen" wenigstens zwei Dimensionen. Einerseits spiegelt sie sich in den Archivalien wider, wie am Sonntag insbesondere das Landeshaupt- und das Landeskirchliche Archiv an Beispielen für die genannte Katastrophenpalette demonstrieren werden. Andererseits können Archivalien selbst betroffen gewesen sein. Letzteres gilt für die Bestände des Landeshauptarchivs glücklicherweise nicht bzw. nur in eingeschränktem Maße. Eingeschränkt u.a. deshalb, weil die Überlieferungsbildung des Landeshauptarchivs durchaus von einer Feuersbrunst beeinträchtigt wurde. Am 1. Dezember 1865 brannte das Schweriner Kollegiengebäude, in dem sich damals neben der laufenden Regierungsregistratur auch das Geheime und Hauptarchiv befand, bis auf die Grundmauern nieder. Während die Archivalien unter großem Einsatz der Archivare aus den Flammen geborgen werden konnte, gingen die Unterlagen der (groß-)herzoglichen Kammer im Feuer unter – ein durchaus schmerzlicher, nur bedingt zu kompensierender Verlust für die mecklenburgische Landesgeschichtsforschung.

In der historischen Überlieferung eines Landes wie Mecklenburg, das über eine Küstenlinie ebenso verfügt wie über eine reiche Fluss- und Seenlandschaft, spielt "Wasser" selbstredend eine große Rolle. Diesbezüglich handelt es sich sowohl um die historische Dimension eher positiv zu sehender Aspekte wie Schifffahrt, Kanalbau und Melioration als auch um katastrophale Auswirkungen wie Sturmfluten an den Küsten oder Überschwemmungen an den Ufern der Flüsse. Das Landeshauptarchiv wird dieses Thema am Sonntag aufgreifen.

Mecklenburg litt direkt unter den militärischen Handlungen fast aller großer Kriege der europäischen Neuzeit. Angefangen mit dem Dreißigjährigen Krieg im 17. Jahrhundert, fortgesetzt mit dem Nordischen und dem Siebenjährigen Krieg im 18. Jahrhundert sowie den antinapoleonischen Befreiungskriegen Anfang des 19. Jahrhunderts, endend schließlich im 20. Jahrhundert mit dem zweiten Weltkrieg. Das Stadtarchiv Schwerin wird zu den Auswirkungen des letzteren am Sonntag über die Bombenangriffe auf Schwerin informieren sowie Luftbildaufnahmen, Karten und Pläne präsentieren. Während die Menschen immer von den Kriegen betroffen waren, bleiben das Landeshauptarchiv und sein Archivgut fast immer verschont. Bei den Ausnahmen handelt es sich einerseits um einen Teil des infolge sogenannter Luftschutzmaßnahmen ausgelagerten Archivguts, das an den Auslagerungsorten verrottete, Kriegsbeute wurde oder anderweitig abhanden kam. Andererseits diente das Gebäude des damaligen Geheimen und Hauptarchivs, in dem sich heute das Landeshauptarchiv befindet, der sowjetischen Besatzungsmacht von 1945 bis 1947 mit kurzen Unterbrechungen als Kommandantur.

Viel Leid brachten auch zahlreiche andere Katastrophen mit sich, ob es nun die großen Seuchen wie Pest und Cholera waren oder lokales Unglücksgeschehen. Zu denken ist diesbezüglich etwa an Eisenbahnunfälle, von denen der Zusammenstoß des Schnellzuges Berlin – Rostock mit einem entgleisten Güterzug am 1. November 1964 in Langhagen das vielleicht verheerendste im Mecklenburgischen war. Während die BStU-Außenstelle am Sonntag Archivalien zu dieser Katastrophe präsentiert, werden sich die Besucher des Landeshauptarchivs über Hergang und Folgen der Entgleisung eines Doppelstockzuges am 23. Februar 1965 in Rostock-Bramow informieren können.

Dr. Matthias Manke, Landeshauptarchiv Schwerin

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