Die Bombardierung Ratzeburgs 1693

Archivalie des Monats Juli 2012

Skizze der ausgebrannten Stadt Ratzeburg nach der Bombardie­rungDetails anzeigen
Skizze der ausgebrannten Stadt Ratzeburg nach der Bombardie­rung

Skizze der ausgebrannten Stadt Ratzeburg nach der Bombardie­rung

Skizze der ausgebrannten Stadt Ratzeburg nach der Bombardie­rung

Als 1693 die Stadt Ratzeburg bei der Bombardierung durch dänische Truppen fast vollständig zerstört wurde, kam die Domhalbinsel im Vergleich dazu verhältnismäßig glimpflich davon. Hier herrschten seit dem Westphälischen Frieden die Herzöge von Mecklenburg in der Nachfolge der Ratzeburger Bischöfe, während die Stadt Ratzeburg nach Absterben des letzten Herzogs von Sachsen-Lauenburg an die Herzöge von Braunschweig-Lüneburg gefallen war. Das nachbarschaftliche Verhältnis zwischen Stadt und Fürstbistum Ratzeburg war traditionell gespannt. Die Prozessakten mit Klagen wegen Übergriffen und Anmaßungen von Rechten durch die andere Partei füllen mehrere Bände im Archivbestand des früheren Bistums. Was sich seit dem Nachfolgestreit 1689 bis hin zur Belagerung und Zerstörung 1693 in Ratzeburg zugetragen hatte, schildert der Aktuar Hartwich Riecke in einem Bericht an seinen Landesherrn, der sich heute im Landeshauptarchiv unter Nr. 222 im Bestand 2.12-3/1 Mecklenburgische Bistümer bzw. Fürstentümer, II. Bistum/Fürstentum Ratzeburg befindet. Der Akte liegt eine Skizze bei, die die ausgebrannte Stadt nach der Bombardierung und die Geschützstellungen, von denen aus geschossen wurde, zeigt.

Als nach der Regierungsübernahme Herzog Georg Wilhelm von Braunschweig-Lüneburg 1692 begann, Ratzeburg stark zu befestigen, stieß er auf den Widerstand Mecklenburgs, das sich dagegen verwahrte, dass er seine Palisaden auch auf dem zum mecklenburgischen Fürstentum Ratzeburg gehörenden Grund und Boden setzen lassen wollte. Dass städtische Wachen aufziehen sollten, für die sogar noch eine Unterbringung gefordert wurde, wurde ebenfalls von den mecklenburgischen Behörden entschieden abgelehnt. Bereits angelegte Palisaden mussten wieder beseitigt werden. Noch mehr als der Herzog von Mecklenburg fühlte sich König Christian V. von Dänemark durch die Befestigungen bedroht, der seine holsteinischen Besitzungen gefährdet sah. Als die Diplomatie versagte, ließ er seine Truppen aufmarschieren. Das hatte zur Folge, dass die Schanzarbeiten ohne Rücksicht auf irgendwelche Einsprüche wegen mecklenburgischer Ansprüche noch intensiver weiterbetrieben wurden. Zum Leidwesen der Bewohner des Domhofes wurden ihre Zäune abgerissen, Scheunen und Ställe, sogar Wohnhäuser abgebrochen, Bäume gefällt, Gräben gezogen und Geschütze aufgestellt. Auch vor der Wagenscheune und dem Garten des Herzogs von Mecklenburg wurde nicht Halt gemacht, dessen Bestand an wertvollen Obstbäumen durch die Unterbringung von Schafen und Schweinen sowie die Plünderung durch Soldatenfrauen gänzlich zerstört wurde. Lüneburgische Soldaten richteten sich auf der Domhalbinsel ein und auch städtische Beamte suchten in der Domkirche Zuflucht bzw. forderten Quartiere in den umliegenden Häusern, weil ihnen die Stadt nicht sicher erschien. Der Kreuzgang wurde als Vorratslager verwendet. Große Bedenken bestanden, weil durch die Verpalisadierung des Domhofes der Zugang zum Wasser stark eingeschränkt wurde, sodass ein Brand kaum zu bekämpfen sein würde, was sich später bewahrheiten sollte.

Am 7. August wurde berichtet, das der Feind heranrücke, der sich Mitte August am gegenüberliegenden Ufer verschanzte. Am 21. August begann das zweitägige Bombardement Ratzeburgs, wobei der Domhof vom Schwalkenberg aus unter Beschuss stand, sodass Gebäude und Gärten, soweit von ihnen noch etwas übrig war, in Brand gerieten. In einem Fall wurde das Feuer sogar von den Verteidigern gelegt. Im Dom konnte der Brand wieder gelöscht werden. Auch das von Herzog Christian I. (Louis) von Mecklenburg-Schwerin angelegte Herrenhaus blieb verschont. Die Ruhe des anschließenden Waffenstillstands nutzten die Lüneburger, um, nachts möglichst unbemerkt von den Dänen, die Verteidigungsanlagen zu verstärken, was zu weiteren Zerstörungen auf dem Domhof führte. Zweimal scheiterte ein Versuch, dessen Bewohner mit ihren Sachen abziehen zu lassen. Einen dieser vergeblichen Verhandlungsversuche übernahm der Aktuar Riecke, der erst nach Abschluss der Friedensverhandlungen in das zerstörte Ratzeburg zurückkehrte. Es begann der Rückbau der Befestigungen und der Abzug der lüneburgischen Truppen, der sich bis zum 11. November hinzog. Über die angerichteten Schäden, deren Bezahlung Braunschweig-Lüneburg ursprünglich zugesichert hatte, kam es zu langwierigen Vergleichsverhandlungen, die 1694 mit einem Vergleich zwischen Herzog Georg Wilhelm von Braunschweig-Lüneburg und Herzog Friedrich Wilhelm von Mecklenburg-Schwerin beigelegt wurden.

Dr. Antje Koolman

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Die Bombardierung Ratzeburgs 1693