Das Papier, Lumpen für Papier ...

Archivalie des Monats Februar 2015

Verordnung des Mecklenburg Strelitzer Herzogs Adolph Friedrich IV. vom 5. November 1784Details anzeigen
Verordnung des Mecklenburg Strelitzer Herzogs Adolph Friedrich IV. vom 5. November 1784

LHA SN 4.11-1 Nr. 5050: Verordnung des Mecklenburg Strelitzer Herzogs Adolph Friedrich IV. vom 5. November 1784

LHA SN 4.11-1 Nr. 5050: Verordnung des Mecklenburg Strelitzer Herzogs Adolph Friedrich IV. vom 5. November 1784

In Mecklenburg begann Anfang des 16.Jahrhunderts in den Papiermühlen Sternberg, Neustadt, Zülow (Amt Schwerin),Grabow, Bützow sowie später in Gadebusch und Wismar die Papierherstellung. Wegen des hohen Wasserverbrauchs lagen die Mühlen an Bächen und Flüssen. Es handelte sich um kleine Produktionsstätten. Erst 1826 entstand eine Papierfabrik in Dömitz. Die bekannte Papierfabrik in Neu Kaliß, gegründet 1799, lieferte bis Ende des 20. Jahrhunderts hochwertige Feinpapiere. Ein wichtiger Ausgangsstoff für die Papierherstellung waren die Altkleider = Lumpen.

In Deutschland wird gegenwärtig noch Papier produziert. Eine Zeitungsnotiz vom 1. Juni 2014 zitiert den Geschäftsführer des Bundesverbandes Sekundärrohstoffe und Entsorgung(bvse) Thomas Braun, der Altpapier als wichtigsten Rohstoff in der Papierindustrie vor Papierzellstoff oder Holzstoff benennt. In den ersten vier Monaten des Jahres seien in der deutschen Papierindustrie 5,5 Millionen Tonnen Altpapier, jedoch nur 300.000 Tonnen Holzstoff verbraucht worden. Auf dem Papiermarkt werden pro Tonne Altpapier mehr als 100 Euro pro Tonne gezahlt. Altpapier sei damit aus ökonomischen und ökologischen Gründen für die Papierindustrie unabdingbar.

Die Herstellung von Papier zum Beschreiben und Bedrucken sowie von Pappe und Karton für das Verpacken beträgt nach Internetnotiz jeweils mehr als 40% der gesamten Papierherstellung Deutschlands. Industriepapiere und Hygienepapiere machten die restlichen 15 % aus.

Als Rohstoffe werden in der Papierindustrie heute Zellstoff und Holzstoff verwendet. Die wichtigste Rohstoffquelle in Europa ist allerdings das wiederverwertbare Altpapier. Wie war das in der Vergangenheit?

Auf die Zeit um 3000 vor Christus ist eine unbeschriebene Papyrusrolle aus Ägypten datiert. Papier wurde weiterhin in China und Bagdad auch aus Bambus, Schilf, Gras hergestellt. In Europa bildete der Flachs den Ausgangsstoff für die Papiergewinnung. Bis zur 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden die benötigten Zellstofffasern aus Leinentextilien, Lumpen (Hadern) gewonnen. Der Mangel an Lumpen führte oft zu Engpässen in der Papierherstellung, daher suchten Papiermacher ab 1700 nach Alternativen für den Einsatz von Lumpen. Jacob Christian Schäffer experimentierte mit Pflanzenfasern und Holz. Anfang Dezember 1843 erfand Friedrich Gottlob Keller das Verfahren zur Herstellung von Papier aus Holzschliff. (Quelle: Wikipedia; Papier)

Das Trägermaterial Papier transportiert noch immer verlässlich und ökonomisch günstig (eine Akte analog verwahrt kostet pro Jahr 4,65-6,00 Euro, digital 11,80-12,00 Euro) die Informationen vergangener Jahrhunderte in die Gegenwart und die Zukunft, sicher aufbewahrt in Archiven. So wurde Papier zu einem wichtigen Material für Behörden, Kanzleien, Firmen, Privatpersonen, Verlagen, u. s. w.

Im Bestand 4.11-1 Mecklenburg-Strelitzsches Staatsministerium und Landesregierung, Sign. 5050, des Landeshauptarchivs Schwerin, liegt eine Verordnung des Mecklenburg Strelitzer Herzogs Adolph Friedrich IV., vom 5. November 1784, die die Ausfuhr von Lumpen aus dem Land zum Gegenstand hat. Der Inhalt lautet:

Wir haben unterm 2. Januar 1779 zum besten des Landes und der innländischen Papiermühlen, damit wegen des durch das Exportiren und Sammeln der Lumpen von allen und jeden entstehenden Mangels an selbigen, das Papier im Lande nicht vertheuret und den Papiermachern selbst die Hände nicht gebunden werden, gute Waaren für billiges Preise zu liefern, die Ausfuhr der Lumpen außerhalb Landes mittels öffentlicher vor der Hand auf fünf Jahre erstreckender Verordnung Landesherrlich verboten. Wie Wir nun gnädigst bewogen werden, nach deßfalls abgegebenem unterthänigsten Erachten Unser getreuen Ritter- und Landschaft, dieses Verboth noch fernerhin dauern zu lassen; so setzen und verordnen wir hiermit: daß

  1. alle Ausfuhr der Lumpen außerhalb Landes anderweitig und vor der Hand wieder auf fünf Jahre (a dato publicationis) dieser Verordnung an, gänzlich verbothen seyn, und
  2. diese Waare an sonst Niemand als die innländischen Papiermacher für billige Preise überlassen werden soll. Zu dem Ende haben
  3. die Papiermacher ihre Leute , welche sie zum Lumpensammlen herum senden, mit glaubwürdigen Vollmachten zu versehen und werden
  4. sämmtliche Orts-Obrigkeiten mit respective Entbietung Unsers gnädigsten Grußes hiermit angewiesen und befehliget, daß, wenn gedachte Leute fremde Aufkäufer betreffen sollten, und solches ihnen anzeigen, sie solchen promte Gerechtigkeit und Handhabung , mittels vorzunehmender Confiscation der Lumpen, angedeihen lassen sollen …….
  5. diese Letzteren (Einwohner) und ihre Leute gemessenst untersage, in den Gerichtsbarkeiten sich selber eigenmächtig an fremde Lumpen-Sammler zu vergreifen.

Wornach sich ein jeder zu achten und für willkürliche Strafe zu hüten hat. …..

Was beweist diese Archivalie? Die Verordnung musste erlassen werden, weil der Landesherr befürchtete, dass den Papiermühlen der Rohstoff ausging, Papier somit knapp und teuer würde. Lumpen waren in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts in Mecklenburg und den Nachbarländern knapp. Der Mangel trat infolge der Invasionen von 1700-1721 (Nordische Kriege) bis zum Siebenjährigen Krieg (1756-1763) mit Durchmärschen zahlreicher ausländischer Truppen und der Folgewirkungen ein.

Eine bereits geltende Verordnung wurde daher erneuert und fortgeschrieben, um so die Papierherstellung im Land zu sichern.

Elke Krügener


Quelle:

LHA SN 4.11-1 Nr. 5050

Archivalie des Monats Februar 2015

Das Papier, Lumpen für Papier…