Findbuch zum Bestand 3.1-1 Mecklenburgische Landstände mit Engeren Ausschuß der Ritter- und Landschaft zu Rostock ist online

Vorhaben

In den Jahren 2011 und 2012 erfolgte im Landeshauptarchiv Schwerin die Retrokonversion des Repertoriums des Archivs der Landstände in Rostock (Bestand 3.1-1), verfasst von dem Landesarchivar Dunkelmann im Jahre 1890.
Der 2012 digitalisierte Teil der Findbücher (Artikel XI bis XX) wurde als Komplementärleistung für ein durch die DFG gefördertes Retrokonversionsprojekt erbracht, bei dem die Findmittel zu den Mecklenburgischen Ministerialbeständen für Landwirtschaft, Domänen und Forsten digitalisiert und online gestellt werden.

Bis jetzt werden die in Leder gebundenen, handgeschriebenen Findbücher im Lesesaal den Benutzern im Original vorgelegt. An den „Büchern“, die nur in einer Ausfertigung existieren, hinterließen Archivare und Benutzer in über 120 Jahren etliche Gebrauchsspuren. Durch die Retrokonversion werden sie geschützt und für künftige Generationen als Beispiel handgeschriebener archivischer Findhilfsmittel erhalten.
Das Ziel der Retrokonversion besteht in der Online-Stellung der Findmittel und schnellen Sachrecherche mittels PC.
Ein Papierausdruck ist für PC-Unkundige weiter im Lesesaal verfügbar.

Der Bestand

Es handelt sich um einen Kernbestand der Überlieferung des Landeshauptarchivs in Schwerin. Der Umfang wird nach erfolgter Verpackung um die 800 lfm Akten aus dem Zeitraum von 1482-1926 betragen. In den Urkunden, Protokollserien, Eingangsakten und Hauptakten findet der Forscher nicht nur Vorgänge zum politischen Leben, auch wirtschaftliche, soziale und kulturelle Sachverhalte werden im Bestand 3.1-1, Mecklenburgische Landstände mit Engerem Ausschuss der Ritter- und Landschaft zu Rostock dokumentiert. Dieser Bestand ist nach den Artikeln des Landesgrundgesetzlichen Erbvergleichs aus dem Jahre 1755, der mecklenburgischen „Verfassung“, gegliedert. Ein umfangreicher, mit „Varia“ ausgewiesener Teil späterer Nachlieferungen liegt am Ende des Bestandes.

Inhalte

In den Akten spiegeln sich außer politischen Ereignissen Vorgänge aus der mecklenburgischen Geschichte wider, die manchmal sonderbar klingen, dem an Sozial- und Wirtschaftsgeschichte interessiertem Forscher Anlass zu weiterer Recherche bieten. Sie enthalten zum Beispiel folgende Artikel:

Artikel IV, Union der Landstände, § 141, 29 bis 32: Anträge der mecklenburgischen Städte Wismar (1827-1904), Doberan (1879-1885), Ludwigslust (1876-1880), Bützow (1842-1852) um Aufnahme in den ständischen Verband. Nummer 38: „Beantragte Revision der örtlichen Abgrenzung der Ritterschaftlichen Ämter und der Ausbau derselben zu Organen der ritterschaftlichen Selbstverwaltung“, 1911-1920.

Artikel XIV, Handwerker auf dem Lande: Die Beschwerde des Amts der Schneider zu Grabow im Jahre 1824 über die von hoher Landesregierung erteilte Konzession an die geschiedene Ehefrau des Schlachters Paetow zu Grabow, gegen Bezahlung weibliche Kleidungsstücke zu verfertigen (Anhang 5). Datiert auf das Jahr 1836 folgt eine Akte des Inhalts „Erlassung eines Gesetzes wegen Befugnis zur Verfertigung von Frauenbekleidungsstücken“ (Anhang 6).

Artikel XV, Zölle, Damm-, Brücken- und Wegegelder: Bewilligung von Geldern zum Chausseebau in Mecklenburg sowie des Ausbaus der Eisenbahnstrecken im Land, von Mitte bis Ende des 19. Jahrhunderts.

Artikel XVI, Von Jagd- und Holzsachen, § 294, 14: Bewilligung eines Kostenbeitrages aus der allgemeinen Landesrezepturkasse zur Herstellung von Lachswegen in der Warnow, 1876-1878.
§ 294, 19: Erlass einer Verordnung betreffend Miesmuschelzucht in der Ostsee, 1891-1892.

Artikel XX, Von politischen Sachen Überhaupt, § 338, 58c: Maßnahmen zum Schutz gegen die Heuschreckenplage, 1876.
§ 365,9 bis 16, 19, 21, 22, 23: Kornmangel in den Jahren 1799, 1800, 1802 und 1804, 1808, 1811, 1816 und Maßnahmen zur Sperrung der Ausfuhr an Butter und Kartoffeln, des Schlachtviehs, Fette und Fleisch aus Mecklenburg.
§ 365,24: Mangel an Kartoffeln zum Verbrauch und als Pflanzgut, 1806.
§ 365,31: In den Mecklenburgischen Landen entstandene Kartoffelkrankheit führt zu einem Mangel an Lebensmitteln von 1845 bis 1853.
§ 378: Schiffbarmachung der Gewässer, Herstellen von Schifffahrtswegen, Berichte über Wasserstauungen und Überschwemmungen, Reparaturen an Deichen, Flößerei auf den Flüssen, Ausbau der Häfen in Boizenburg und Wismar, 18. und 19. Jahrhundert.

Artikel XXI, Vom Justizwesen, Anhang, 22: Abführung eines Teils der Sträflinge aus dem Zuchthaus und Strafhaus Dömitz nach Brasilien, 1825. Die Akte enthält die Vorgänge in Vorbereitung der Auswanderung mit Namenslisten von 100 männlichen und weiblichen Personen. Hier sind Alter, ehemaliger Wohnort, Straftat, Strafmaß verzeichnet und die Abrechnung der Kosten mit dem „Vermittler“ nachgewiesen.

Artikel XXIII, Von Kirchen- und Pfarrsachen, § 483,6: Ständische Anträge auf Zurücknehmen der von dem Oberkirchenrat zu Schwerin und dem Konsistorium zu Neustrelitz den Predigern auferlegten Verpflichtung zur Denunziation, 1855-1858.

§ 483,7: Antrag des Herrn Mahnecke auf Duggenkoppel auf Einwirkung einer oberbischöflichen Ermahnung an die mecklenburgische Geistlichkeit zur Duldsamkeit gegen Andersdenkende, 1858.

 

Unter Varia finden sich zahlreiche Unterstützungsgesuche von Lehrern und Pfarrern zur Finanzierung des Studiums ihrer Söhne, vor allem der Fachrichtungen Theologie und Philosophie. Anträge für Frauen beinhalten Bitten um Pensionen, Unterkunft, medizinische Versorgung und Unterhalt, das betraf vorrangig Waisen, minderjährige Mädchen, ledige Frauen und Witwen. Einzelanträge vieler Adliger und Bürger liegen vor, wenn Naturgewalten, Krankheiten, Geldmangel mit ihren Folgen zu beseitigen waren oder Geschäfte und Fabriken eingerichtet werden sollten. Aber auch die Dörfer und Städte beantragten Mittel, insbesondere zur Bekämpfung von Schäden nach Stadtbränden, und für die Errichtung von Denkmälern u. a. für Fritz Reuter.

Elke Krügener
Schwerin, 28.Juni 2013


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