Mecklenburgische Reimchronik zu Besuch in Prag

Buchmalerei, die auf eine Verbindung zwischen dem mecklenburgischen Herzogshaus und dem Hof Kaiser Karls IV. hindeutet © LAKD MV (LHAS 1.12-1, Nr. 1) Details anzeigen
Buchmalerei, die auf eine Verbindung zwischen dem mecklenburgischen Herzogshaus und dem Hof Kaiser Karls IV. hindeutet © LAKD MV (LHAS 1.12-1, Nr. 1)
Buchmalerei, die auf eine Verbindung zwischen dem mecklenburgischen Herzogshaus und dem Hof Kaiser Karls IV. hindeutet © LAKD MV (LHAS 1.12-1, Nr. 1)
Buchmalerei, die auf eine Verbindung zwischen dem mecklenburgischen Herzogshaus und dem Hof Kaiser Karls IV. hindeutet © LAKD MV (LHAS 1.12-1, Nr. 1)
24.05.2016  | LA  | LAKD - Landesarchiv

Eines der Glanzstücke der mecklenburgischen Kultur des Mittelalters, die illuminierte Reimchronik des Ernst von Kirchberg aus den Jahren 1378/79, wird vom 15. Mai an im Rahmen der Bayerisch-tschechischen Landesausstellung "Karl IV. 1316-2016" in Prag zu sehen sein. Normalerweise wird die wertvolle Handschrift im Landesamt für Kultur und Denkmalpflege im Landeshauptarchiv Schwerin verwahrt.

In rotes Leder gebunden, gibt die Chronik auf 232 Blättern in mehr als 26.000 Reimen in mittelhochdeutscher Sprache die Geschichte Mecklenburgs und seiner obotritischen Fürsten wieder. 1378 gab Herzog Albrecht II. zu Mecklenburg das Werk bei Ernst von Kirchberg in Auftrag, der bei der Abfassung vor allem auf die Slawenchronik Helmolds von Bosau, aber auch andere Chroniken und Urkunden aus dem fürstlichen und dem Doberaner Kloster-Archiv zurückgriff. Durch die Darstellung einer mythischen Vergangenheit und die Zurückführung des mecklenburgischen Fürstenhauses auf ein angebliches königliches Geschlecht wurde der Anspruch des Herzogs untermauert, auf einer Stufe mit Königen zu stehen. Eine Würdigung seiner eigenen Regierungszeit fehlt jedoch in der Handschrift. Mit dem Tod Albrechts II. 1379 wurde die Arbeit abgebrochen und das Werk, das nur bis zum Tod Heinrichs II. 1329 reicht, blieb unvollendet.

Bemerkenswert ist die Handschrift wegen ihrer Initialen und Miniaturbilder, von denen allerdings nur 15 ausgeführt wurden. Das bekannteste Bild zeigt den Auftraggeber, Herzog Albrecht II., und seinen Sohn Albrecht, König von Schweden.

Beeinflusst wurden die Abbildungen durch die zeitgenössische böhmische Buchmalerei, die auf eine Verbindung zwischen dem mecklenburgischen Herzogshaus und dem Hof Kaiser Karls IV. hindeuten. Dieser Kulturtransfer von Böhmen nach Mecklenburg ist auch der Grund, warum die Kirchberg-Chronik in den kommenden Monaten in der Wallenstein-Reithalle in Prag ihren Platz zwischen anderen hochrangigen internationalen Exponaten findet, die das Leben und Wirken Kaiser Karls IV. illustrieren sollen. Die Reise an den zweiten Standort der Ausstellung nach Nürnberg wird die Chronik anschließend nicht antreten. Zu ihrem Schutz kann sie nur eine begrenzte Zeit dem Licht und anderen Umwelteinflüssen ausgesetzt werden, sodass sie im Spätsommer nach Schwerin zurückkehren wird.

Auch wenn die Kirchberg-Chronik nun erst einmal in Prag ist, kann virtuell jederzeit in der Digitalen Bibliothek Mecklenburg-Vorpommern in ihr geblättert werden.