Güstrow, Lange Straße 41, Stadtpalais

Denkmal des Monats April 2007

Stadtpalais in GüstrowDetails anzeigen
Stadtpalais in Güstrow

Stadtpalais in Güstrow

Stadtpalais in Güstrow

Das in Teilen noch bis 1994 vom Landesinstitut für Schule und Ausbildung (LISA) genutzte und seitdem leer stehende Gebäude Lange Straße 41 in Güstrow wurde 1793 in frühklassizistischem Stil unter Einbeziehung älterer Bausubstanz für Hofrat Breslach errichtet und stellt sich als respektables Stadtpalais dar, das besondere Aufmerksamkeit verdient.

Während die Grundform der Hauptansicht mit ihren Gestaltungselementen der Risalite und dem hohen Mansarddach noch in der Tradition barocker Herrenhäuser und Schlösser steht, folgt vor allem die Raumgestaltung des Festsaales im Obergeschoss klassizistischen Leitgedanken: Das Obergeschoss gliedert sich straßenseitig in den großen, fünf Fensterachsen einnehmenden Festsaal und seitlich anschließende Eckkabinette von annähernd quadratischem Grundriss, die wie das Treppenhaus und die Obergeschossdiele eine schlichte Raumfassung in Grau besaßen. Den über zweiflügelige Türen erschlossenen Festsaal zeichnet ein Stuckdekor an Wänden und Decke aus, der Motive der pompejanischen Wanddekoration aufgreift: Die Mitte der über einem Sockelpaneel beginnenden Wandfelder nehmen Medaillons ein, die von einem Lorbeerkranz gerahmt werden, an einem Schleifenband hängen und Reliefs mit der Darstellung antiker Freundespaare zeigen und den engen Bezug zur Antike verdeutlichen. Den Wandabschluss bilden querrechteckige Felder mit plastischen Festons, ein Motiv, das bei den beiden ehemals gleichen Deckenrosetten wiederholt wird. Die Stuckelemente standen weiß gegen hellgraue Wand- und Deckenflächen. Einzelne Stuckelemente wie die Bänder der Festons und Medaillons waren vergoldet. Deutlich abgesetzt sind die Supraporten mit ihrem Fond aus grauem stucco lustro und den dunklen Lünetten, die von stilllebenartigen Darstellungen verschiedener antiker Gefäße eingenommen werden. Abgesehen von den Lünetten wird bei der Wandgliederung auf Marmorimitationen verzichtet.

Mit einer Entstehung vor 1800 gehört dieser Innenraum zu den frühesten erhaltenen Interieurs im klassizistischen Stil in Mecklenburg-Vorpommern, und im Vergleich zu anderen Interieurs der Zeit um 1800 bleibt die Ausführung des Wand- und Deckendekors in Stuck im ehemaligen Palais Lange Straße 41 in Güstrow nach derzeitigem Kenntnisstand ohne Parallele in unserem Bundesland.

Die klassizistische Architektur setzte sich in Mecklenburg erst mit der Gründung des Seebades Heiligendamm 1793 durch, zu einem Zeitpunkt also, als diese an antiken Vorbildern orientierte Kunst in Preußen bereits ihren Höhepunkt erreicht hatte. In der ehemaligen Residenzstadt Güstrow wird das Stadtbild von zahlreichen klassizistischen Um- und Neubauten geprägt. Vor allem sind die vielen klassizistischen Fassaden zu erwähnen, die nach 1800 älteren Giebelhäusern vorgeblendet wurden, zu denen auch das ehemalige Palais und spätere Post- bzw. Schulgebäude Lange Straße 41 gehört.

Folglich besteht an der Konservierung und Restaurierung dieses für die Kulturlandschaft Mecklenburg-Vorpommern einzigartigen Saales ein besonders hohes öffentliches Interesse, das heißt, bei der Sanierung sind der Erhalt und die Restaurierung des Festsaales gemäß restauratorischer Befunduntersuchungen denkmalpflegerisch von sehr hoher Priorität. Darüber hinaus ist ein denkmalgerechter Umgang mit der Fassade erforderlich, um die Wechselwirkung zwischen der noch älteren Traditionen verhafteten Fassade mit ihrem sandfarbenen Anstrich, hell abgesetzten Terrakotten und dem hohen Mansarddach einerseits und dem klassizistischen, in Grau-Weiß gehaltenen Festsaal andererseits beizubehalten. Mit der nun vorliegenden Planung, das ehemalige Palais für die Gemeinschaftsräume eines umfangreichen Baukomplexes für Betreutes Wohnen zu nutzen, hat sich jetzt ein Konzept gefunden, bei dem die außergewöhnliche und trotz der späteren Nutzungsänderungen erhalten gebliebene Innenraumausstattung (seit 1830 Post und seit 1880 Schule) bewahrt bleiben kann.

Bettina Gnekow

Denkmal des Monats April 2007

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