Wechselvolle Geschichte: der Hauptaltar aus der Kirche St. Georgen in Wismar

Denkmal des Monats September 2007

Hauptaltar aus St. Georgen, vor 1942Details anzeigen
Hauptaltar aus St. Georgen, vor 1942

Hauptaltar aus St. Georgen, vor 1942

Hauptaltar aus St. Georgen, vor 1942

Der um 1430 entstandene, sehr qualitätvolle vierflüglige gotische Schrein, der sich heute in der St. Nikolaikirche in Wismar befindet, ist vermutlich der größte in Mecklenburg-Vorpommern noch erhaltene spätgotische Schnitzaltar. Mit geöffneten Malflügeln ist er mehr als 10,5 m breit und inklusive Predella und Bekrönung über 4 m hoch. Die zentrale Figurengruppe mit der Marienkrönung umgeben – in zwei Reihen übereinander angeordnet – 40 Heiligenfiguren, die jeweils unter filigran geschnitzten Baldachinen stehen. Die Malerei auf den Kastenflügeln und den beiden Maltafeln zeigt in 16 Einzelbildern Szenen aus dem Leben des heiligen Georg und des heiligen Martin sowie aus der Kindheit und der Passion Christi.

Seit den frühen 1940er Jahren ist die Geschichte des Altars geprägt von schwierigen, die Substanz bedrohenden klimatischen Verhältnissen und den daraus folgenden Bemühungen um den Erhalt und die Bewahrung des Kunstwerks. 1942 wurde der Altar allseitig eingemauert, um ihn vor möglichen Bombenangriffen zu schützen und überstand so die Kriegswirren recht gut. 1953 wurde er ausgehaust und als eines der letzten Ausstattungsstücke aus den stark beschädigten Kirchen St. Marien und St. Georgen in die weitgehend unbeschädigte St. Nikolaikirche überführt. Aber auch in dieser Kirche herrschten aufgrund vieler zerbrochener Fensterscheiben über Jahre hinweg sehr ungünstige, die Fassung und die Holzsubstanz des Altars schädigende Klimaverhältnisse, die nur allmählich behoben werden konnten. Dies erforderte immer wieder konservatorische Sicherungsmaßnahmen am Altar, die infolge der enormen Feuchtigkeitseinwirkung nur begrenzt vorhielten. So brachte auch die 1955 vorgenommene Umsetzung innerhalb der Nikolaikirche keine Abhilfe und es wurde darüber nachgedacht, den Altar und andere Kunstwerke in die Kirche nach Neubukow zu verbringen, was allerdings am Widerstand der Kirchgemeinde scheiterte.

1955 – 1956 kam es zu umfassenden Übermalungen sowohl der Figuren als auch der Malereien durch den Doberaner Kirchenmaler Henningsen. Diese haben sich letztendlich in künstlerischer und konservatorischer Hinsicht als nicht haltbar erwiesen und mussten bei der abschließenden Restaurierung mühsam wieder entfernt werden. Mitte der 1960er Jahre nahmen sich Restauratoren vom damaligen Institut für Denkmalpflege der Pflege und Wartung dieser schwierigen Substanz an und verhüteten schlimmeres. 1980 wurde der Altar in das südliche Querhaus umgesetzt. Nun herrschten einigermaßen stabile Verhältnissen, so dass mit einer umfassenderen Restaurierung des gesamten Bestandes begonnen werden konnte, die sich mit häufigen Unterbrechungen bis ins Jahr 2007 erstrecken sollte.

Ziel der Restaurierung war der Erhalt der qualitativ hochwertigen Fassung der Figuren und der Architektur aus den Jahren 1882/84 sowie die Sicherung und Restaurierung der zum Teil fragmentarisch erhaltenen originalen Tafelmalereien. Abgesehen von den oben genannten großflächigen Übermalungen mit sehr hartnäckigen, direkt auf die Vergoldungen aufgetragenen Bronzierungen, war es vor allem ein umfassender Bindemittelabbau der zu erhaltenden Fassung, dem die Restauratoren entgegenwirken mussten. Bis in die frühen 1990er Jahre wurden diese Arbeiten nur von Mitarbeitern des Instituts für Denkmalpflege – unter Mitwirkung von Studenten und Praktikanten – durchgeführt; während dieser Zeit wurden die Tafelmalereien der äußeren Malflügel und der Predella sowie Teile der Architektur gesichert und restauriert. Erst nach dem Fall der Mauer und dem Beginn des Wiederaufbaus der Kirche St. Georgen war es mit der finanziellen Unterstützung des Förderkreises St. Georgen e.V. möglich, die Arbeiten zu forcieren. Mehrere Restauratorengruppen haben so unter der Koordination des ehemaligen Landesamtes für Denkmalpflege in einzelnen Jahresscheiben sämtliche Figuren, die gesamte Architektur und letztendlich auch die Tafelmalereien konservatorisch und restauratorisch bearbeitet.

In diesem Jahr werden diese langwierigen Arbeiten ihren Abschluss finden, so dass wir dieses monumentale Polyptychon wieder in seiner ganzen Pracht erleben können. Unklar ist allerdings, wann der Altar an seinen ursprünglichen Platz – nämlich nach St. Georgen – zurückkehren wird und damit Kunstwerk und Raum wieder als eine Einheit erlebbar werden.

Frank Hösel

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