Loitz, Landkreis Demmin: Umnutzung eines Bahnhofempfangsgebäudes mit Güterboden zu einer Gaststätte und zwei Wohnungen

Denkmal des Monats Oktober 2007

Bahnhof von Loitz, Zustand 2007 (2)Details anzeigen
Bahnhof von Loitz, Zustand 2007 (2)

Bahnhof von Loitz, Zustand 2007 (2)

Bahnhof von Loitz, Zustand 2007 (2)

In der Mühlentorvorstadt in Loitz steht in heute reizvoller Lage am neu ausgebauten Peene-Hafen der in den Jahren 1905/06 errichtete Bahnhof. Er gehörte zu der seit 1905 neu erbauten Bahnstrecke Toitz/Rustow–Loitz–Greifswald, die eine Verbindung zur Bahnstrecke Berlin–Neustrelitz–Stralsund herstellte. Beim Bahnbau wurden zur Befestigung des sumpfigen Untergrundes die Reste der ehemaligen Wälle des Loitzer Schlosses abgetragen.

Der Bahnhof ist ein im Zierfachwerkstil der Jahrhundertwende errichteter Bau. Das sichtbare Fachwerk wurde mit zahlreichen Streben, die teilweise gebogen sind, verziert, geschnitzte Balkenköpfe, reizvoll versprosste Fenster und ein mit Biberschwänzen gedecktes Krüppelwalmdach mit weitem Dachüberstand sind charakteristische Elemente dieses Stils. Ähnliche Bahnhofsgebäude stehen in Wüstenfelde (Landkreis Nordvorpommern) und in Karnin (Landkreis Ostvorpommern).

Das Empfangsgebäude verfügte über einen Dienstraum, Wartesäle für die 1. und 2. Klasse, eine Gepäckannahme und den Güterschuppen mit einer Rampe. Im Obergeschoss befand sich die Wohnung des Haltestellenaufsehers. Im Laufe der Jahre erfolgten nur unwesentliche kleinere bauliche Veränderungen, so dass das Gebäude in einem guten originalen Überlieferungszustand erhalten geblieben ist.

Bis 1997 war der Loitzer Bahnhof noch als Güterbahnhof in Betrieb. Seitdem stand das Gebäude ohne Nutzung und war nur sehr notdürftig gesichert. Von einer in Hamburg lebenden gebürtigen Loitzerin auf den Bahnhof aufmerksam gemacht, entschloss sich ein in der Sanierung von historischen Gebäuden erfahrener Hamburger Architekt im Februar 2005, das Gebäude zusammen mit einem Partner zu übernehmen und zu sanieren. Die Architektur des Hauses hatte es ihm gestalterisch und funktional angetan. Ihm war sogleich klar geworden, dass die Funktionen eines Gaststättenbetriebs ohne größere Veränderungen an der Raumstruktur im Erdgeschoss unterzubringen sind sowie zwei Wohnungen ausgebaut werden können.

Die Stadt Loitz hatte das Potential der Lage an der Peene bereits erkannt und das ehemalige Bollwerk an der Peene zu einem Hafenbecken für Wasserwanderer ausgebaut sowie das Gelände zwischen dem Bahnhof und dem Speicher neu gepflastert. Das Hafenbecken ist auf den Bahnhof ausgerichtet. Das ehemalige Nebengebäude des Bahnhofs wurde auf Kosten der Stadt Loitz zu einem Toiletten- und Waschhäuschen für Wasserwanderer denkmalgerecht saniert und modern und funktional ausgestattet.

Im Juni 2006 begannen die Sanierungsarbeiten am Bahnhofsempfangsgebäude und am Güterboden in enger Abstimmung mit den Denkmalbehörden und mit viel Gespür für die denkmalwerte Substanz. Das Fachwerk und Mauerwerk wurde gereinigt und wo nötig Balken ausgewechselt. Die Fenster und Türen konnten nicht mehr aufgearbeitet werden und wurden als Holzfenster in der ursprünglichen Gliederung und Gestaltung erneuert. Aufgearbeitet werden konnten die Tore an dem Güterschuppen sowie die Metallfenster. Für eine attraktive Wohnnutzung war im Obergeschoss und im ausgebauten Dachgeschoss unterhalb der Giebel das Herunterziehen von Fenstern zu französischen Fenstern erforderlich. In der Gebäudemitte an der Rückseite wurden in den beiden Obergeschossen filigrane Balkone mit einer Holzkonstruktion und einem Metallgeländer untergebracht. An der ursprünglich geschlossenen Giebelseite des Güterschuppens entstanden neue Öffnungen, eine Tür in der Mitte und zwei Fenster.

Für die Gaststättennutzung im Erdgeschoss eignete sich die vorhandene Raumstruktur hervorragend. Im ehemaligen Durchgangsflur zu den Gleisen wurde ein Tresen untergebracht, im ehemaligen Wartesaal der 2. Klasse befindet sich ein großer Gastraum, und der Wartesaal der 1. Klasse ist ein weiterer kleinerer Gastraum. Im hinteren linken Gebäudeteil haben die Restaurantküche und die Toiletten ihren Platz gefunden. Außerdem gelangt man von dort in den ehemaligen Güterschuppen, der zunächst als Lager und Ausleihstation für Kanus und Fahrräder gedacht war, aber nun als weiterer Gaststättenraum für größere Familienfeiern ausgebaut werden soll.

Die Wohnung des ehemaligen Bahnwärters blieb in der Raumstruktur unverändert, nur die Fachwerkfüllung einer Wand wurde herausgenommen. Im Dachbereich ist eine neue Wohnung entstanden.

Am 12. Mai 2007 wurde der Bahnhof festlich eingeweiht und das Bistro eröffnet. Es konnte somit ein Baudenkmal vor dem Verfall bewahrt und einer sinnvollen Nutzung zugeführt werden. Für die Stadt Loitz stellen der Ausbau des Hafengeländes und die Sanierung und Nutzung des so genannten Wasserbahnhofs einen großen Gewinn dar.

Beatrix Dräger

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