150-jähriges Bestehen des Burggartens auf der Schlossinsel Schwerin

Denkmal des Monats November 2007

Orangerie InnenhofDetails anzeigen
Orangerie Innenhof

Orangerie Innenhof

Orangerie Innenhof

Der Schweriner Burggarten ist Bestandteil des Bauensembles und Gesamtkunstwerkes Schloss und Orangerie auf der südöstlich der Altstadt vorgelagerten Schlossinsel und ein deutschland- sowie europaweit herausragendes Zeugnis der Gartenkunst.

Dieses Gartenkunstwerk ist maßgeblich dem Wirken des Königlich Preußischen Gartendirektors Peter Joseph Lenné und des Großherzoglich Mecklenburgischen Gartendirektors Theodor Klett zu verdanken. Sie gestalteten auf einer relativ kleinen Inselfläche von rund 1,8 Hektar unter Einbeziehung ehemaliger Festungsanlagen sowie des Schloss- und Orangeriebaukörpers ein Gartenparadies mit verschiedenen Teilgärten in unterschiedlichen Ebenen. Diese erstrecken sich von den Orangeriehöfen bis zur Beletage in einer Höhendifferenz von 12 m. Durch gestalterische Kunstfertigkeit verschmelzen in einzigartiger Weise Architektur und Gartenarchitektur zu einem harmonischen Ganzen.

Blickachsen, Wegeführungen und Aussichtspunkte beziehen sich auf Gebäudeteile, Statuen, Pflanzungen und die umgebende Seenlandschaft.
Der eingeschossige, halbkreisförmig um den Hauptturm angeordnete Orangeriebau mit seinen separaten Gartenhöfen und Gartendachterrassen bildet das Kernstück des Burggartens. Diese Gartenbereiche wurden entsprechend der Gestaltungsidee römischer Terrassen- und Villengärten nach einem komplizierten ikonologischen Programm konzipiert und verkörpern die geordnete Natur, das Paradies. Jedes Gestaltungselement wie Brunnen, Plastik oder Beet übernimmt bei dieser Inszenierung eine Funktion und erhielt demzufolge eine bewusste Platzierung.

Mit Einweihung des Schlossneubaues, am 26. Mai 1857, waren auch die Gartenanlagen zu einem gewissen Abschluss gebracht und fanden sowohl am Hof als auch im In- und Ausland viel Beachtung und Bewunderung. Großherzog Friedrich Franz II. nahm im Rahmen der Einweihungsfeier Ehrungen der am Schlossneubau Beteiligten vor und würdigte ausdrücklich auch die gartenkünstlerischen Leistungen von Peter Joseph Lenné sowie von Theodor Klett mit entsprechenden Auszeichnungen.

In verschiedenen zeitgenössischen Gartenzeitungen und Aufsätzen wurde über die prachtvollen, neuen Anlagen auf der Schlossinsel berichtet.
Charakteristikum des Burggartens ist, dass die gebäudenahen Bereiche bei Rückgriff auf eine formale Gestaltung intensiv gärtnerisch und bildkünstlerisch gestaltet und die anderen, insbesondere ufernahen Gartenpartien landschaftlich strukturiert sind und die umgebende Seenlandschaft einbeziehen.

Die hochwertige gartenarchitektonische Qualität der überlieferten originalen Substanz und Grundstruktur des Burggartens führte bereits in den 1970er Jahren zur Einstufung und Ausweisung als Gartendenkmal, das heißt als gartenkünstlerisches Zeitdokument des Historismus. Seit dieser Zeit gibt es Bemühungen der Erhaltung und Instandsetzung der Schlossinsel mit ihren Gartenanlagen.

Mit dem Situationsplan des Burggartens und Grundriss des Hauptgeschosses des Schlosses, Gebäude- und Gartenschnitten, Zeichnungen, Lithografien sowie Beschreibungen in der Festschrift: Das Schloss zu Schwerin von A. Stüler, E. Prosch, H. Willebrand, Berlin Verlag von Ernst & Korn (Gropius’sche Buch- und Kunsthandlung) 1869, ist der bis 1869 realisierte Orangeriebau einschließlich seiner Gartenanlagen genau dokumentiert.

Daneben untersetzt ein Aufsatz von F. U. Römisch – 1862 in der Hamburger Gartenzeitung erschienen – durch eine detaillierte Beschreibung der einzelnen Gartenbereiche mit Angaben zu Pflanzstandorten, Gehölz- und Pflanzenarten sowie -sorten weiter den Situationsplan und liefert den Beweis für die tatsächlich realisierte Gestaltung und pflanzliche Ausschmückung. Somit lagen außer der aktuellen Bestandsdokumentation und Bestandsanalyse aussagefähige historische Unterlagen für die denkmalgerechte Instandsetzung und Wiederherstellung vor und bildeten die Grundlage für alle Restaurierungsmaßnahmen.

Nach der grundlegenden Entscheidung des Finanzausschusses im Jahr 1994 zur Sicherung und Sanierung der Orangeriebereiche konnte dieses Großprojekt/Vorhaben auf den Weg gebracht und somit die 1987 vom damaligen Bereich "Parks und Gärten beim Staatlichen Museum Schwerin" entwickelte Idee und denkmalpflegerische Zielsetzung zur Wiederinbetriebnahme als Orangerie im Sinne der ursprünglichen Zweckbestimmung und Wiederherstellung des Burggartens umgesetzt werden.

In diesem Zusammenhang konnten nunmehr auch die zur Orangerie gehörenden Gartenbereiche mit den Dachterrassen und Orangeriehöfen mit ihrer kriegs- und nutzungsbedingt verloren gegangenen reichen vegetabilen und skulpturalen Ausstattung wiederhergestellt und im Rahmen der feierlichen Einweihung und Inbetriebnahme der Orangerie als Pflanzenkonservierhaus (Pflanzenüberwinterungsquartier) im Sommer 2001 der Öffentlichkeit übergeben werden.

Somit präsentieren sich auch die Gartenanlagen auf der Schlossinsel im Jahr des diesjährigen 150-jährigen Schlossjubiläums wieder in ihrer nachgewiesenen Gestaltung und prachtvollen Ausschmückung und fanden im Rahmen der Festveranstaltungen entsprechende Würdigung und Anerkennung.

Birgid Holz

Denkmal des Monats November 2007

 150-jähriges Bestehen des Burggartens auf der Schlossinsel Schwerin

Denkmalschutz­behörden

Ihre Ansprechpartner in den Landkreisen, kreisfreien und großen kreisangeh..

Untere Denkmalschutzbehörden

UNESCO-Welterbe-Bewerbung

"Residenzensemble Schwerin - Kulturlandschaft des romantischen Historismus"

www.welterbe-bewerbung-schwerin.de

Rechtsvorschriften

Hier finden Sie die Rechtsvorschriften der Landesdenkmalpflege.

Rechtsvorschriften