Ein Relikt des 18. Jahrhunderts: Das Wohnhaus in der Grünstraße 17 in Pasewalk, Lkr. Uecker-Randow

Denkmal des Monats Januar 2008

Pasewalk, das abgebrannte Stallgebäude Details anzeigen

Abb. 1. Pasewalk, das abgebrannte Stallgebäude

Pasewalk, das abgebrannte Stallgebäude

Abb. 1. Pasewalk, das abgebrannte Stallgebäude

Nach einer Ordre des preußischen Königs Friedrich Wilhelm I. vom 27. August 1724 sollten in Pasewalk 100 neue Häuser errichtet werden, da die Stadt durch den Dreißigjährigen Krieg, den Schwedisch-Polnischen Erbfolgekrieg und den Nordischen Krieg nahezu vollständig ihre Bebauung verloren hatte.

Wie viele von den 100 Häusern tatsächlich gebaut wurden, ist heute nicht bekannt, aber bis 1945 prägten die zweigeschossigen Fachwerkhäuser das Stadtbild. Durch die großen Kriegszerstörungen im Zweiten Weltkrieg blieben jedoch nur einige wenige Häuser des 18. Jahrhunderts – vor allem in der Grünstraße und der Großen Kirchenstraße – erhalten. Diese sind heute von Verfall und Vandalismus in ihrer Existenz bedroht. Wie akut die Bedrohung ist, zeigt das Beispiel Grünstraße 17: Durch Brandstiftung wurde im Februar 2007 das zur Grünstraße 17 gehörende Stallgebäude an der Bergstraße vollständig zerstört. Kleine Brandstellen beweisen, dass die "Feuerteufel" auch in dem Wohnhaus selbst ihr Unwesen getrieben haben – glücklicherweise ohne Erfolg! So hat dieses Gebäude hoffentlich noch eine Überlebenschance.

Auf den ersten Blick wirkt das zweigeschossige Fachwerkgebäude mit nachträglich aufgebrachtem Putz eher unscheinbar. Das Gebäude wurde um die Mitte des 18. Jahrhunderts als repräsentatives, fachwerksichtiges Traufenhaus von sieben Achsen errichtet. Die mittlere Eingangsachse wird bereits in der Fachwerkkonstruktion durch einen flachen, risalitartigen Vorsprung betont. Das ursprünglich mit Biberschwanzziegeln gedeckte Satteldach hat an der Giebelseite zur Bergstraße einen Krüppelwalm; das Dach ist heute mit Betonsteinen gedeckt.

Trotz einiger baulicher Veränderungen im 19. Jahrhundert wie der massiven Erneuerung der Fassade im Erdgeschoss, dem Ersatz der ursprünglichen Haustür durch eine neue, des Treppengeländers sowie von Teilen des Dachstuhls hat sich im Inneren die originale Raumstruktur mit den Innentüren einschließlich der Türbänder, der 33 cm breiten Fußbodendielen und der vier Herdstellen, zwei in jedem Geschoss, erhalten.

Die beiden Etagen zeigen den für das 18. Jahrhundert in Preußen typischen Grundriss mit einem durchgehenden Mittelflur, von dem aus eine einläufige Treppe in das Obergeschoss führt. Bei dem Wohnhaus Grünstraße 17 findet sich noch die Originaltreppe mit gerolltem Antrittspfosten – allerdings wurden die ursprünglichen Brettbaluster entfernt.

Die Wohnungsgrundrisse sind symmetrisch angelegt. Straßenseitig befinden sich jeweils eine Stube und eine Kammer, während an der Rückseite die Küchen mit den ehemals offenen Herdstellen liegen. Eine Fundgrube für jeden Restaurator und Bauforscher sind die verschiedenen Raumfassungen, die sich teilweise bis zur Erstfassung im 18. Jahrhundert zurückverfolgen lassen.

Das Wohnhaus Grünstraße 17 gehört zu den wenigen überlieferten Zeugnissen des preußischen Wiederaufbaus Pasewalks im 18. Jahrhundert. Durch die ungewöhnlich unverfälscht überlieferte Struktur im Inneren ist das Gebäude in besonderem Maße geeignet, die Lebensverhältnisse der Zeit zu dokumentieren.

Für das Haus wird ein Liebhaber gesucht, denn der Erhalt dieses unersetzlichen Zeugnisses Pasewalker Stadtgeschichte ist eine Sicherung und Sanierung ist dringend geboten.

Elke Onnen

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