Die Klosterkirche in Verchen und ihre Wandmalereien

Denkmal des Monats Mai 2008

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Abb. 1: Die Klosterkirche Verchen

Die Klosterkirche Verchen

Abb. 1: Die Klosterkirche Verchen

Das Sankt-Marien-Kloster Verchen wurde Ende des 12. Jahrhunderts als Benediktinerinnenkonvent gegründet. Ursprünglich befand es sich auf dem Klosterberg bei Altentreptow, der damals Marienberg genannt wurde, später wurde es nach Klatzow verlegt. Bereits 1245 wurde das Kloster auf dem Marienwerder bei Verchen ansässig. Der damals noch in Klatzow verbliebene Propst bekam einige Jahre später die Verchener Pfarrkirche unter seine Obhut. Die Katharinen-Kirche in Verchen wurde auch der Maria geweiht und zur Klosterkirche bestimmt. Obwohl 1269 der letzte Umzug abgeschlossen worden war, warteten die Klostergebäude noch auf ihre Fertigstellung. Der Besitz wurde in den folgenden Jahren planmäßig erweitert. Im 14. Jahrhundert besaß das Kloster vier Mühlen. Zahlreiche Kirchen waren seinem Patronatsrecht unterstellt. In der wirtschaftlichen Blütezeit betrug der Landbesitz etwa 7.000 Hektar. Dieser Grundbesitz des Klosters wurde als Lehen an den örtlichen Landadel vergeben. Die ausgedehnten Besitzungen brachten auch Konflikte mit sich. So lag man mit dem Kloster Dargun bis zur Auflösung im Streit um die Fischrechte auf dem Kummerower See und in der Peene. Auch die kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Mecklenburg, Pommern und Brandenburg bedrohten die wirtschaftliche Existenz des Konvents. Dazu gehört unter anderem die Fehde zwischen Bernd von Maltzahn und den pommerschen Herzögen von 1478–1494. Bei einem Großbrand zwischen 1560 und 1575 wurden die meisten Klostergebäude zerstört, die Kirche blieb erhalten.

Die Kirche ist ein frühgotischer Saalbau, der als Backsteinbau mit eingezogenem, sterngewölbtem Chor, einem Turm an der Nordseite und einer Vorhalle (Sakristei) im Süden errichtet wurde (Abb. 1). Von den Klausurgebäuden an der Südseite der schlichten Saalkirche ist heute nichts mehr erhalten. Drei der fünf im Mittelalter entstandenen Fenster mit Glasmalereien, die zu den ältesten in Mecklenburg-Vorpommern gehören, sind noch vorhanden. Auch der Mittelschrein des Altars von 1420 mit einer Verkündigungsszene und der Altaraufsatz (Predella) von 1500 blieben erhalten. Die Kirche weist – abgesehen von dem umfangreichen historischen Inventar – auch eine malerische Gestaltung der Wand- und Gewölbeflächen auf (Abb. 2–4). 1969 wurden im Chorraum mittelalterliche Fresken freigelegt. Die Wandmalerei im westlichen Bereich des Langhauses war in den letzten Jahrzehnten fast vollständig mit Leinwänden abgespannt, nachdem um 1900 hier erste Freilegungsversuche vorgenommen worden waren und ihre weitere Bearbeitung aus Kostengründen scheiterte. Erste Verweise auf das Vorhandensein der Wandmalereien wurden 1841 von Georg Christian Friedrich Lisch beschrieben:

Im Westen erkennt man noch die Stelle, wo der hohe Nonnenchor gestanden hat.[...] In der ganzen Höhe derselben sind die Wände mit Malerei in Wasserfarben in kleinen, quadratischen Feldern bedeckt, deren Inhalt wahrscheinlich aus einer Heiligenlegende entnommen wurde. (siehe dazu Baltische Studien, A. F., Band 7b, 1841, S. 102).

Im Rahmen einer Diplomarbeit an der FH Potsdam (2005/06; Studiengang Restaurierung) wurden die Leinwände abgenommen und die partiell freigelegten Wandmalereien untersucht. Theresa Clemens erstellte dabei einen detaillierten Untersuchungsbericht, eine Konservierungs- und Restaurierungskonzeption und legte bereits erste Musterflächen zu Möglichkeiten des weiteren Umgangs mit den Wandmalereien an.

Es handelt sich hierbei um einen umfangreichen Bilderzyklus. Besonders auffällig und prägend für die Gestaltung der mittelalterlichen Wandmalerei im Bereich des ehemaligen Nonnenchores ist das über mehrere Wände hinweg durchgehende Rahmungssystem. Durch die relativ kleinen Bildfelder ergibt sich eine sehr kleinteilige figürliche Darstellung. Die stark ausgeprägten Konturlinien und die flächige Ausmalung bewirken, dass die Malerei einen sehr grafischen Duktus erhält. Die Ausführung der Wandmalerei ist geprägt von einer hohen Malqualität. Die Verwendung von nachgewiesenen Pigmenten, wie Azurit, Malachit und Zinnober, die bereits im Mittelalter sehr teuer waren, lässt auf eine bedeutende Malschule schließen.

Auffällig ist die differenzierte Darstellung der einzelnen Figuren, die teils mit kurzen modischen Kleidern in burgundischer Hoftracht, besonders bewegter Körperhaltung und weltlichen Hüten den Figuren mit traditionellen, bodenlangen, faltenreichen Gewändern in eher statisch wirkender Haltung gegenüberstehen (Abb. 3–4). Markant für die burgundische Mode sind auch die schmalen, langen, vorn sehr spitz zulaufenden Schuhe und die eng anliegenden Beinkleider. Abgesehen von der sehr verschiedenartigen Kleidung ist die leicht birnenartige Form der Köpfe sehr auffällig.

In der Umsetzung der Wandmalerei wird eine unmittelbare Verbindung zur Tafelmalerei deutlich, der damals führenden Gattung der Malkunst. Ein Merkmal dieses Einflusses ist zum Beispiel die Darstellung von biblischen Szenen, die analog den Tafelbildern zeitgenössischer Flügelaltäre in ein Gerüst von glatten Rahmenleisten eingefügt sind, wie sie beispielsweise im Kloster Rehna, in der einschiffigen Dorfkirche in Klein-Rossau und dem Dominikanerkloster Prenzlau nachgewiesen sind. Auch die Gestaltung der Blockbücher jener Zeit weist stilistische Ähnlichkeiten auf. In der Kirche zu Altkalen, die in unmittelbarer Nähe zu Verchen auf der anderen Seite des Kummerower Sees liegt, existiert zudem eine spätmittelalterliche Malerei, deren Rahmensystem und Figuren ganz ähnliche Merkmale zeigen wie in Verchen, so dass auch hier umfangreichere Vergleiche angestellt werden können.

Es ist aus denkmalpflegerischer Sicht unbedingt wünschenswert, dass die geplanten Maßnahmen zur Konservierung und Restaurierung der "wiederentdeckten" Malereien in nächster Zeit umgesetzt werden können.

Elke Kuhnert

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