Das Haus der Kultur und Bildung in Neubrandenburg

Denkmal des Monats Oktober 2008

Haus der Bildung und Kultur, NeubrandenburgDetails anzeigen
Haus der Bildung und Kultur, Neubrandenburg

Abb.1: Haus der Bildung und Kultur, Neubrandenburg

Abb.1: Haus der Bildung und Kultur, Neubrandenburg

Die in der Mitte des 13. Jahrhunderts gegründete Stadt Neubrandenburg ist zum Ende des Zweiten Weltkriegs weitgehend zerstört worden. Zu mehr als vier Fünfteln wurde die Altstadt innerhalb der erhaltenen Stadtmauer vernichtet.

In den folgenden Jahren wurden mehrere Planungen für die Wiedererrichtung der Stadt entwickelt. Von 1952 bis zum Anfang der 1960er Jahre erfolge dann der Neuaufbau der Innenstadt. Das mittelalterliche Straßenraster wurde bei Verbreiterung der Straßenräume im Wesentlichen beibehalten. Die Formensprache der Blockrandbebauung bediente sich verschiedener Historismen.

Da auch das Rathaus und das herzogliche Palais auf dem Markt den Zerstörungen zum Opfer gefallen waren, gehörte zu den Wiederaufbauplanungen stets auch eine Bebauung des Zentrums.

Das zwischen 1963 und 1965 nach dem Entwurf der Architektin Iris Dullin-Grund auf der Nordseite des Marktes errichtete Haus der Kultur und Bildung markiert einen Bruch in der herrschenden Architekturauffassung. Die Abkehr von der Ideologie der nationalen Tradition steht im Zusammenhang mit der aus ökonomischen Gründen beginnenden Industrialisierung des Bauwesens, die später zum Typenbau führte, der dann über Jahrzehnte das Baugeschehen in der DDR prägte.

Das Haus der Kultur und Bildung aber fußt auf einem individuellen Entwurf, und es ist ein bedeutsames Zeugnis der Architektur der frühen 1960er Jahre, das internationalen Vergleichen standhält und für Mecklenburg-Vorpommern einzigartig ist (Abb. 1).

Der aus vier um einen Hof gruppierten Flügeln unterschiedlicher Kubatur bestehende Stahlbetonskelettbau fügt sich zusammen mit dem von einer Stahlkonstruktion mit Vorhangfassaden gebildeten Turm zu einer räumlichen Komposition von ausgewogener Spannung. Die Funktion führt zur Form: Hinter der zum Markt hin großflächig verglasten Fassade befinden sich Foyer und Festhalle. Die Bibliothek öffnet sich mit einem durchgehenden Fensterband zur Stargarder Straße. Der Saalbau ist fensterlos.

Im Jahre 2005 führte die Eigentümerin, die Neubrandenburger Wohnungsgesellschaft mbH NEUWOGES, einen Realisierungswettbewerb durch, dessen Aufgabe in der Erweiterung und im Umbau zu einem Medien- und Veranstaltungszentrum bestand. Der 1. Preisträger, das Architekturbüro Jäger+Jäger, hat die Bauantragsunterlagen erarbeitet.

Das neue Nutzungsprogramm wird zu erheblichen Veränderungen des Denkmals führen. Der Büroflügel im Norden ist bereits abgerissen. Der architektonisch und akustisch gleichermaßen überzeugende Saal mit ansteigendem Parkett, Holztäfelung und Rabbitzdecke wird nicht erhalten (Abb. 2). Stattdessen soll der Hof mit einem neuen Saaltrakt überbaut werden, der den bisherigen an Höhe überragt. Die Ansichten von Westen, Norden und Osten sollen verändert werden. Inwieweit auch die zum Markt weisende Hauptansicht durch ein Kragdach mit Stützen verändert werden wird, ist noch nicht entschieden. Diese Absicht wird nicht mit Nutzungsnotwendigkeiten, sondern ästhetisch begründet.

Für die Denkmalpflege erfreulich ist die beabsichtigte Erhaltung des Foyers (Abb. 3).

Wolfgang Kröber

Denkmal des Monats Oktober 2008

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