Wechselvolle Geschichte: Schloss Ludwigsburg, Lkr. Ostvorpommern

Denkmal des Monats Januar 2009

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Abb. 1: Schloss 2004

Schloss 2004

Abb. 1: Schloss 2004

Es ist den pommerschen Herzögen zu verdanken, dass der kleine Ort Ludwigsburg an der Dänischen Wiek in die Geschichte einging. Unter dem Namen Darsim wurde der Ort Leibgedinge von Sophie Hedwig (1561-1631), Tochter Herzog Julius' von Braunschweig-Wolfenbüttel, und seit dem Jahre 1577 Gemahlin Herzog Ernst Ludwigs von Pommern-Wolgast. Im Ort Darsim ließ Sophie Hedwig einen fürstlichen Hof und ein Ackerwerk einrichten, welche zu des Herzogs Ehren zunächst "Ludwigs-Hoff", schließlich Ludwigsburg genannt wurden. Wohl schon in den 1580/90er Jahren wurde mit dem Bau eines repräsentativen Herrenhauses auf dem Grundriss eines lateinischen Kreuzes begonnen.

Während des Dreißigjährigen Kriegs erlosch das Herzoghaus in der männlichen Linie, damit ging Ludwigsburg einem wechselvollen Schicksal entgegen. Um 1620 sprechen Quellen von einem ruinösen Zustand des Gebäudes, gar von einem geplanten Abbruch.

Tatsächlich könnte vom herzoglichen Bau vielleicht nur das Erdgeschoss mit seinen flachen Gratgewölben und wuchtigen Rundpfeilern bis heute erhalten sein. Die Raumaufteilung zeigt eine interessante Synthese aus Torhaus und Schloss. Besucher näherten sich, anders als heute, von Nordwesten dem vermutlich mit einer Grabenanlage umgebenen Schloss. Es musste eine Tordurchfahrt mitten im längeren Kreuzarm des Schlosses passiert werden, um an dessen Rückseite den repräsentativen Eingang zu erreichen. Die Durchfahrt flankierte an einer Seite eine Wachstube, zur anderen Seite lag eine vieljochige kreuzgratgewölbte Halle mit toskanischen Rundpfeilern.

Von dieser ersten Bauphase konnten als prägendes Gestaltungselement um den ganzen Bau umlaufende Gesimsbänder nachgewiesen werden. Am Hauptbau wurden diese aus Lagen von Backsteinen und eingemauerten Dachziegeln (Biberschwanzziegel) gebildeten Gesimse im Verlauf späterer Umgestaltungen zurückgearbeitet, um eine einheitliche Fassadenoberfläche zu erhalten. Lediglich am nordöstlichen Anbau sind diese noch erhalten und vermitteln einen Eindruck von der Gestaltidee der Renaissancebaumeister. Die höhergezogene Wandscheibe des Giebels weist einen geschweiften oberen Abschluss aus, der mit Vasen bekrönt war. Vielleicht wird man sich für die vier Hauptgiebel eine ähnliche Gestalt vorstellen können. Inwieweit jedoch auch Mauerwerksteile der Obergeschosse bis ins 16. Jahrhundert zurückreichen, wird noch durch bauhistorische Untersuchungen zu untersuchen sein.

Im schwedischen Vorpommern ging das Schloss Ludwigsburg an Generalmajor Burchard Müller von der Lühne (1604-1670) über, der unter Gustav Adolf während des Dreißigjährigen Kriegs hohe Verdienste erworben hatte und dafür am 18. Dezember 1650 in den schwedischen Adelsstand erhoben worden war.

Ab 1650/51 baute der neue Eigentümer die durch den Krieg teilzerstörte Residenz wieder aus und passte das Gebäude gestalterisch dem zeitgenössischen Geschmack an. Ein neuer Dachstuhl wurde aufgesetzt und durch Veränderungen an Abmessungen und Anordnung der Fensteröffnungen die Fassaden neu geordnet. Von der sehr qualitätvollen Umgestaltung im Inneren hat sich unter anderem im ersten Obergeschoss, dem nach seiner früheren Damastbespannung benannten "Roten Zimmer", ist eine sehr qualitätvolle Stuckdecke mit Grotesken und floralen Motiven erhalten.

Wohl spätestens seit der Mitte des 18. Jahrhunderts näherte man sich dem Schloss nicht mehr von Nordwesten durch die Tordurchfahrt im Schloss, sondern von der Ostseite her. Winkelförmig angeordnete Fachwerk-Wirtschaftsgebäude umschließen seit dem den Hof nach Norden und Osten, leiten zum südlich anschließenden ausgedehnten Gutshofareal über. Das Torgebäude ist hofseitig mit einem illusionistisch gemalten Säulenportikusmotiv versehen, das die Datierung "1742" sowie das Wappen derer Müller von der Lühne trägt.

Knapp 100 Jahre verblieb das Gut bei der Familie Müller von der Lühne, bis es um 1747 versteigert wurde und nochmals 1776, als es der schwedische Obristlieutenant Friedrich Ernst Sebastian von Klinkowström erwarb. Er entstammte der Stralsunder Familie Klinkow, die bei ihrer Erhebung in den schwedischen Adelsstand in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts den Namen Klinkowström annahm. Das nun schon fast 200 Jahre alte Haus wurde umfassend im Stil des Louis Seize renoviert, wovon jedoch heute fast nur noch die stattliche zweiflüglige Eingangstür erhalten ist. Vielleicht von der Hand des Sohnes des Hausherrn, dem später als Maler der Romantik berühmt gewordenen Friedrich August von Klinkowström (1778-1835), stammten gemalte Landschaftstapeten im "Blauen Salon" im zweiten Obergeschoss, von denen jedoch nur historische Fotos erhalten sind.

Ende des 18. Jahrhunderts wurde ein Park in spätbarocker Manier mit reizvollen Staffagebauten angelegt, die leider zum Teil noch in den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts verloren gingen.

Schon 1810 wurde Ludwigsburg erneut verkauft, diesmal an die Familie Weißenborn, die es zunächst bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs behielt. Seine heutige Gestalt erhielt das Schloss Ludwigsburg maßgeblich bei einer umfassenden Sanierung im Jahre 1860, bei der unter anderem der große Saal im ersten Obergeschoss und eine große zweiarmige Freitreppe mit Loggia am Südwestgiebel mit Blick zum Park entstanden.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs erlitt das Schloss Ludwigsburg ein trauriges Schicksal, wie so viele in Mecklenburg und Vorpommern. Es wurde zu Wohnraum für unzählige Flüchtlingsfamilien. Das nun staatseigene Gebäude verlor seine gesamte Ausstattung, von Mobiliar über Gemälde bis hin zu Wandbespannungen, Wandfassungen wurden übermalt oder mit Tapeten überklebt. Das Schloss wurde der LPG "Helles Ufer" übereignet, die es nach und nach nur noch als Küche und Veranstaltungssaal nutzte. Mangelnder Bauunterhalt führte nach und nach zu Schäden an Fassaden und Dach. Besonders die Kehlen litten unter den Küstenstürmen und bald zeigten sich Löcher in der Dachhaut, die nur unzureichend wieder geschlossen werden konnten. Die jahrzehntelange Durchfeuchtung der Decken und Wände bewirkte eine weitreichende Zerstörung der Holzbauteile, die schließlich sogar die Standfestigkeit des hochkarätigen Baudenkmals gefährdete.

Seit 1992 ist die Familie Weißenborn wieder Eigentümer des Schlosses. Erste Pläne für eine Nutzung als Hotel kamen nicht zur Umsetzung. Derzeit wird das Gebäude mit der Gutsanlage vor allem vom Förderverein "Schloss und Gutshofanlagen Ludwigsburg" e.V. genutzt, der Ausstellungen und Märkte, ebenso wie Konzerte und Lesungen veranstaltet. Parallel dazu werden seit mehreren Jahren Sicherungs- und Sanierungsarbeiten am Schloss durchgeführt, die sich nach Erneuerung der Dacheindeckung vor allem der Bekämpfung des Echten Hausschwamms zuwenden.

Langfristig soll nach Willen des Vereins in die Räume des Schlosses ein Kunst- und Kulturzentrum mit besonderer Ausrichtung auf die Zeit der Romantik einziehen, die in Ludwigsburg durch Friedrich August von Klinkowström ein herausragendes künstlerisches Zeugnis hinterlassen hatte. Die für Projektentwicklung, Restaurierung und Ausbau notwendigen Mittel dürften jedoch kaum von Verein und Eigentümerfamilie allein aufzubringen sein, weshalb trotz fast abgeschlossener Sicherung des Gebäudes die Zukunft des Schlosses durchaus noch nicht gesichert erscheint.

Sabine Schöfbeck

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