Reizvolles bau- und gartenkünstlerisches Ensemble: Die Parkanlage Hasenwinkel

Denkmal des Monats Februar 2010

Hasenwinkel, obere östliche Gartenterrasse Details anzeigen

Hasenwinkel, obere östliche Gartenterrasse

Hasenwinkel, obere östliche Gartenterrasse

Hasenwinkel, obere östliche Gartenterrasse

Das am Bibower See in Hasenwinkel (Lkr. Nordwest­mecklen­burg) gelegene äußerst reizvolle bau- und gartenkünstlerische Ensemble von Herrenhaus und Park entstand in seiner heutigen Ausformung Anfang des 20. Jahrhunderts und zählt damit zu den jüngeren baukünstlerischen Zeugnissen des Landes. Das Herrenhaus wurde in den Jahren 1911/12 errichtet und der dazugehörige Park 1912–1914 nach Entwurfsvorlage Mecklenburger Architekten und Landschaftsarchitekten aus dem Landbaubüro Laage, namentlich von Architekt Paul Korff und Gartenarchitekt Richard Habich angelegt. Die praktische Umsetzung der Parkgestaltung und spätere Pflege der neuen Anlagen erfolgte maßgeblich durch den von 1910–1922 in Hasenwinkel tätigen Schlossobergärtner Willy Kuhn (1880–1973), dessen überlieferten Aufzeichnungen wertvolle Informationen zu verdanken sind.

Auch ist durch einen zeitgenössischen Beitrag in der Zeitschrift "Die Gartenkunst" vom März 1918 des damaligen Frankfurter Gartendirektors Carl Heicke mit dem Titel: "Von mecklenburgischen Landsitzen." zweifelsfrei die Autorenschaft und Gestaltungsabsicht des Mecklenburger Gartenarchitekten Richard Habich durch den überlieferten Entwurfsplan für die Parkanlage in Hasenwinkel nachgewiesen.

Die Parkanlage ist stilistisch als Gestaltung der reformierten Gartenkunst anzusprechen. Entsprechend der Architekturauffassung dieser Zeit bilden Haus und Garten eine untrennbare künstlerische Einheit. Der Wohnraum wird durch architektonisch gefasste, auf das Gebäude bezogene Gartenräume in den Außenraum erweitert. Raumbildende Funktion haben bauliche oder vegetabile Gestaltungselemente.

Das Herrenhaus wird nördlich und südlich von einer klar strukturierten Gartenanlage umgeben, die in östlicher Richtung in eine Parkanlage übergeht und in den straßenzugewandten Seiten an der L 031 durch einen filigranen Zaun mit figürlichen Schmuckreliefs und Vasen begrenzt wird.

Die Einbeziehung und partielle architektonische Überformung einer im landschaftlichen Stil gestalteten Vorgängeranlage zu einer funktionalen und gestalterischen Einheit mit dem neuen Herrenhaus und Schaffung architekturbezogener, regelmäßiger Gartenräume sind als Charakteristika anzusprechen. Zur Gestaltung des unmittelbaren Herrenhausumfeldes wurden neobarocke Stilelemente angewendet, die die Architektursprache des Bauwerkes unterstreichen und unter anderem durch konstruktive Bauteile wie beispielsweise Balustraden, Stützmauern, Treppenanlagen und Einfriedungen ihre Weiterführung im Freiraum finden.

Die im südlichen Bereich dem Gebäude vorgelagerte Parterrefläche mit Wasserbecken greift auf formale Gestaltungsprinzipien und Proportionen zurück und führt im Kernbereich des Gartens zur künstlerischen Überhöhung des Herrenhauses mit seiner breit gelagerten Gartenfassade und den seitlich durch Balustraden begrenzten, oberen Gartenterrassen. Wegbegleitende Baumreihen fassen das Gartenparterre beidseitig kulissenartig ein. Infolge der Wiederholung dieses Gestaltungsmotivs durch jeweils eine Reihe aus niedrigeren Formschnitt-Eiben und die dadurch bewirkte Höhenstaffelung entsteht die gewünschte räumliche Tiefe und Weite dieses Gartenraumes.

Im rückwärtigen nördlichen Teil wird von R. Habich unter Ausnutzung der natürlichen Geländesituation des leicht zum Bach abfallenden Geländehanges eine Achse mittels Freitreppe vor dem natürlichen Waldrand ausgebildet.

An diesen streng symmetrisch und formal gehaltenen, klar gegliederten Mittelteil im nördlichen und südlichen Herrenhausbereich schließen sich östlich durch Wegeachsen verbunden die landschaftlich gestalteten älteren Parkteile an, deren markante Bestände und Strukturen, insbesondere die Topographie Berücksichtigung finden und geschickt künstlerisch ausgeformt werden. Mit leicht geschwungen verlaufenden Wegen, Baum- und Gehölzgruppen, einer natürlich wirkenden Landschaftssituation mit Teich und Bachlauf sowie Wiesenflächen wird ein fast nahtloser Übergang zu den vorhandenen Wald- und Wiesenbeständen hergestellt.

Aufgrund der erkannten baukünstlerischen Qualität von Herrenhaus, Garten- und Parkanlage in Hasenwinkel erfolgte bereits 1983 die Unterschutzstellung und Ausweisung des bestehenden Ensembles als Denkmal. Zur entsprechenden Berücksichtigung des Zeugniswertes und Absicherung der Erhaltung bei perspektivischen Nutzungs- und baulichen Erweiterungsabsichten wurde 1985 die Erarbeitung einer denkmalpflegerischen Zielstellung veranlasst, die auch Aussagen zu Maßnahmen in der Garten- und Parkanlage beinhaltete.

Ab 1990 konnten aufgrund des Eigentümerwechsels der Liegenschaft an Nordmetall, Verband der Metall- und Elektro- Industrie e. V. und deren Nutzungsabsicht, ein Bildungswerk der freien Wirtschaft M.-V. aufzubauen, auch erste Parkpflegemaßnahmen realisiert und weitere perspektivisch notwendige Sanierungsvorhaben auf den Weg gebracht werden.

Unter Wahrung der ursprünglichen Gestaltungsabsicht und Erhaltung der überlieferten Garten- und Parkstrukturen konnte für die gewünschte bauliche Erweiterung im ehemaligen, westlichen Küchengartenbereich ein geeigneter Standort für ein Bettenhaus gefunden werden.

Erste Sanierungsmaßnahmen vollzogen sich bis Mitte der 1990er Jahre an den unmittelbar mit dem Herrenhaus verbundenen Architekturteilen wie Treppenanlagen, Stützmauern, Balustraden und Terrassen. Im rückwärtigen, nördlichen Gartenteil konnte in einer Böschung unter einer Erdaufschüttung von durchschnittlich 0,60–0,80 m die ursprüngliche Freitreppenanlage entdeckt und freigelegt werden.

Die Terrassen erhielten nach Auswertung fotografischer Vorlagen wieder eine formale Gestaltung und die übrigen, nördlich gelegenen Vegetationsflächen eine Bepflanzung mit Hecken und Formschnittbäumen als architektonische Gartenfassung. Somit konnte die für die Wirkung des Herrenhauses wesentliche, ursprüngliche Raumstruktur und Proportion der Gartenanlage zurückgewonnen und wiederhergestellt werden.

Für die folgenden weiteren Parksanierungsvorhaben in den seitlichen, landschaftlichen Gartenpartien lieferte der Abgleich der Bestandssituation mit dem Gartenentwurf von R. Habich wesentliche Erkenntnisse.

Schwerpunkt der Maßnahmen bildete die Erhaltung und Herausarbeitung originaler Bestände und Parkraumstrukturen. Aufgrund der kriegs- und nachkriegsbedingten Unterlassung beziehungsweise Einstellung der kontinuierlichen fachgärtnerischen Pflege lag das Hauptaugenmerk auf der Beseitigung des die originalen Parkgehölze bedrängenden und die Parkstruktur und -proportionen nachhaltig beeinträchtigenden Spontanaufwuchses. Außerdem gab es umfangreiche Gehölzpflegemaßnahmen an den originalen Beständen, regenerierende Verjüngungsschnitte sowie Formschnittmaßnahmen und gezielte Nachpflanzungen an ehemaligen, durch Stubben nachgewiesenen Gehölzstandorten.

Durch die Rodungsmaßnahmen konnte die nachweislich ursprüngliche Parkstruktur mit den feinen Bodenmodellierungen, dem Gewässer- und Wegesystem, großen freien Binnenräumen, dem Wechselspiel von intensiv gestalteten Gartenräumen und Parkpartien, freien Wiesenflächen, Gehölzkulissen, waldartigen Partien und großen Parksichten wiederhergestellt und damit die Besonderheit der gartenkünstlerischen Gestaltung im Bestand gesichert werden. Auch gelang es, das Gewässersystem als wichtiges Gestaltungselement der Parkanlage herauszuarbeiten, Gräben, Durchlässe und Wasserflächen funktionstüchtig herzustellen und damit wieder erlebbar werden zu lassen.

Weitere umfangreiche Maßnahmen galten dem zwischen straßenseitiger Toranlage und Herrenhaus eingespannten Parterre. Hier ging es vordergründig um die Herausarbeitung und Wiederherstellung der in der Art eines Bowlinggreen gestalteten Geländesituation sowie der baulichen Anlagen mit Instandsetzung der Treppen, Mauerwangen und des Wasserbeckens. Inzwischen konnte auch in diesen Bereichen das ursprüngliche Raumgefüge durch gezielte gärtnerische Pflege herausgearbeitet und durch Neupflanzungen an nachgewiesenen originalen Baumstandorten wiederhergestellt werden.

Insgesamt kann eingeschätzt werden, dass mit den bis zum Frühjahr 2009 realisierten Sanierungsmaßnahmen am Herrenhaus, der Garten- und Parkanlage in Hasenwinkel originale Substanz und Struktur herausgearbeitet und somit die gestalterische Besonderheit und künstlerische Einheit des Gesamtkunstwerks gesichert und beispielhaft instand gesetzt wurde.

Birgid Holz

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