Großartige barocke Schnitzkunst - Der Taufbaldachin von St. Nikolai in Stralsund

Denkmal des Monats März 2010

Stralsund Taufbaldachin von St. Nikolai, Gesamtaufnahme in Richtung WestenDetails anzeigen
Stralsund Taufbaldachin von St. Nikolai, Gesamtaufnahme in Richtung Westen

Abb.1: Gesamtaufnahme in Richtung Westen

Abb.1: Gesamtaufnahme in Richtung Westen

Obwohl für die Region um Stralsund künstlerisch wie kunsthistorisch von einiger Bedeutung, konnten in den vergangenen Jahren aufgrund fehlender Mittel immer nur die notwendigsten Erhaltungsmaßnahmen an dem barocken Taufbaldachin von St. Nikolai ausgeführt werden, obwohl die Fassung wie auch Teile der tragenden Holzsubstanz akut vom Verfall bedroht waren. Erst durch Mittel aus der Weltkulturerbestiftung wird es nun möglich sein, umfassende Konservierungsmaßnahmen durchführen zu lassen, bevor zu einem späteren Zeitpunkt auch eine weitergehende Restaurierung der Fassung erfolgen kann. Die große Taufe in der Nikolaikirche von Stralsund wurde von dem, im ersten Drittel des 18. Jahrhunderts wohl bedeutendsten Bildhauer der Region, Elias Kessler (um 1685–1730) und seiner Werkstatt geschaffen. 1710 gestiftet von dem Ratsherrn Nicolaus Pansow konnte es erst im Jahr 1732, also bereits nach dem Tod von Kessler in seiner Fassmalerei vollendet werden. Bis zum Jahr 1838 wird als Standort das westliche Mittelschiff benannt. Erst danach erfolgte die Umsetzung an seinen gegenwärtigen Standort im westlichen Joch der nördlichen Eingangshalle.

Es zeigt sich uns ein prunkvoller Aufbau aus Holz, umrahmt von einem umlaufenden schmiedeeisernen Gitter von hoher Qualität. Auf Eckpostamenten tragen Karyatiden in Gestalt der vier Tugenden Glaube, Liebe, Hoffnung und Geduld einen großen Baldachin mit der Krönungsfigur Johannes des Täufers. Zwischen den Tugenden sitzen die lebensgroßen Figuren der vier Evangelisten. Von dem korinthischen Gesims hängen aufwändig gestaltete, vergoldete Kränze in tiefen Bögen herab. Am Gesims selbst befinden sich die Wappen des Stifters und seiner Frau Anna Schele sowie deren beider Porträts. Auf den Gesimsecken sitzen vier große Engel mit ausgebreiteten Flügeln, welche mittig jeweils von zwei sitzenden Putti begleitet werden. Auf den die Krönungsfigur tragenden Rippen sehen wir noch vier kleinere Engelsfiguren. Der achteckige, hölzerne Tauftisch ist in seiner gesamten Formensprache den alten steinernen Taufbecken nachempfunden, jedoch aufwändig mit großen und kleinen Engelsköpfen und einem reichen Rankenwerk verziert. Der Deckel trägt unten eine Taube, auf der oberen Fläche vier Engel, umgeben von kleinen Engelsköpfen und Wolken. Auf einer Kugel sitzen ebenfalls Engelsfiguren. Das Taufgehäuse hat vermutlich seit seiner Umsetzung um 1838 vom Mittelschiff an seinen jetzigen Standort trotz seiner gewaltigen Größe nur noch sehr wenig Beachtung erfahren. So wurden auch während der im letzten Jahrhundert stattgefundenen Baumaßnahmen höchstwahrscheinlich keinerlei Schutzmaßnahmen getroffen. Die Benutzbarkeit der Taufe war durch den neuen Standort kaum noch gegeben. Bedingt durch die Umsetzung und deren technologisch bedingte Demontage sind statische Belastungen mit entsprechenden Schäden aufgetreten. Auch klimatisch wird sich diese Umsetzung in den vergangenen 180 Jahren eher ungünstig auf die Farbfassung und den Träger ausgewirkt haben.

Aufgrund der über die Zeit vorgenommenen verschiedenen Baumaßnahmen in der Kirche ist im Staub ein hoher Anteil an Kalkablagerungen enthalten. Die gesamte Fassung befindet sich in einem sehr schlechten Zustand. Große Bereiche sind bereits verloren und die noch vorhandenen Fassungsreste haben partiell jegliche Bindung zum Träger verloren und sind somit akut vom Verlust bedroht. Besonders betroffen sind dabei die Bereiche der Festons und der kleine Taufbaldachin mit dem Tauftisch. Auch die großen und kleinen Engelsfiguren auf dem Gesims haben umfangreiche Schäden, während die Architektur und die unteren Figuren neben vorhandenen Totalverlusten noch ein relativ intaktes Fassungsbild zeigen. Am Taufgehäuse kamen verschiedene Holzarten zum Einsatz. Sichtbar sind dabei Linde, Nadelholz und partiell Eiche. Viele Holzverbindungen zwischen den einzeln montierten Schnitzereien sind durch die Umsetzung 1838 in Mitleidenschaft gezogen worden, wobei es vermutlich auch zu einer veränderten Anordnung der oberen Aufbauten kam. Während im oberen Aufbau nur partiell sehr morbide Bereiche festzustellen sind, schwächen besonders im Bodenbereich Fäulnis und bereits desolate Holzteile die Stabilität und gefährden die gesamte Konstruktion, so dass dringender Handlungsbedarf besteht und seit Jahren bestand, infolgedessen bereits mehrere Figuren aus Sicherheitsgründen abgenommen werden mussten. Die jetzt geplanten konservatorischen Maßnahmen sind eine Chance, dieses großartige Stück barocker Schnitzkunst auch weiterhin für uns zu bewahren.

Frank Hösel

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