Angenommene Geschichte: die Sanierung des Gutshauses von Mölln, Landkreis Demmin

Denkmal des Monats Mai 2010

Von der Gutsanlage Mölln bei Neubrandenburg ist heute außer dem Gutshaus kaum mehr etwas erkennbar. Sämtliche Wirtschaftsgebäude und Wirtschaftsflächen sind verschwunden, der Park ist in Kleingärten aufgegangen.

Das Gut Mölln gehörte vom späten 17. Jahrhundert bis zum späten 19. Jahrhundert der Familie Schuckmann, die 1732 in den Reichsadelsstand erhoben wurde. Aus dieser Familie entstammte Friedrich von Schuckmann (1755–1834), der verschiedene hochrangige Ämter im preußischen Staat bekleidete, darunter auch das des Innenministers.

Wohl noch in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts entstand ein stattliches zweigeschossiges Gutshaus in Fachwerkbauweise. Dieses ist, erweitert um zwei massive Anbauten aus dem 19. Jahrhundert, heute noch als der südliche Teil des Gebäudes erhalten.

Seit 1908 war Ernst Walter neuer Eigentümer des Gutes und ließ außer Landarbeiterhäusern auch den nördlichen Teil des Gutshauses in neobarocken Stilformen errichten. Der zweigeschossige, massive Bau mit abgewalmtem Mansarddach bildet mit seiner querrechteckigen Grundfläche zum älteren Gutshaus einen quer gelagerten Kopfbau.

Nach dem Zweiten Weltkrieg diente das Gutshaus Flüchtlingsfamilien als neue Heimat. Von 1965–1993 wurden die Räume des jüngeren Gebäudeteils als Schule genutzt, standen danach jedoch leer, wie auch seit Ende der 1990er Jahre der ältere Gebäudeteil.

Nach vergeblichen Verkaufsbemühungen wurde im Jahre 2004 durch die Eigentümerin des Gutshauses, die Gemeinde Mölln, ein Abbruchantrag für den südlichen, älteren Teil des Gutshauses gestellt. Während für den jüngeren Kopfbau Nutzungsvorstellungen als Gemeindehaus bestanden, war die Bedeutung des sogenannten "Anbaus" als eigentlicher Ursprungsbau zunächst kaum bewusst. In darauf folgenden Gesprächen wurde jedoch bald deutlich, dass die Gemeinde durchaus gewillt war, sich ihrer Geschichte anzunehmen und Erhaltungsmaßnahmen ins Auge zu fassen.

Im Jahre 2006 konnte durch die Arbeit von Ein-Euro-Kräften unter Anleitung der "Stiftung ländliches Kulturerbe" der ältere Teil des Gutshauses von Unrat befreit werden, der sich seit dem Leerstand angesammelt hatte. Darüber hinaus wurden Einbauten der jüngsten Zeit entfernt, so dass die historischen Raumstrukturen wieder ablesbar wurden.

Nach teilweiser Abnahme des bauphysikalisch schädlichen Zementputzes der 1960er Jahre zeigte sich ein weitgehend erhaltenes Eichen-Fachwerk mit kräftigen Querschnitten. Charakteristisch ist dabei das Fehlen von diagonalen Streben. Auf der westlichen Traufseite – dem ehemaligen Gutshof zugewandt – befindet sich der nachträglich geteilte, mittig gelegene Haupteingang. Dahinter liegt eine Diele, von der eine Treppe und entlang der vorderen Hausseite Zimmerfolgen abgehen. Eine unter dem Treppenlauf befindliche Tür erschließt den hinteren Hausteil, der ursprünglich wohl Wirtschaftsräume aufnahm. Derzeit wird durch die Gemeinde nach einem tragfähigen Nutzungskonzept gesucht, durch das eine Restaurierung und Sanierung möglich würde.

Im Jahr 2009 gelang bereits die umfassende Sanierung des 1908 entstandenen Hausteils. Im Inneren entstanden Räume für Vereine, kulturelle Veranstaltungen und private Feiern, unter anderem ein großer Saal. Dabei gelang der Erhalt der historischen Stuckvouten und Holzfußböden. Die restaurierte zweiläufige Treppenanlage im Eingangsbereich, die außer neobarocken auch Jugendstilelemente zeigt, bildet dabei wie zur Erbauungszeit einen repräsentativen Auftakt.

Am Gebäudeäußeren musste die historische Fassadengliederung in den 1960er Jahren weitgehend einem einfachen Zementputz weichen. Im Rahmen der jüngsten Sanierung wurden die Gesimse und Fensterumrahmungen nach historischen Abbildungen weitgehend wiederhergestellt. Bei der notwendigen Fenstererneuerung wurde ebenfalls auf die historische Aufteilung zurückgegriffen. Mit der Wiedergewinnung der historischen Gestalt und Wirkung des Kopfbaus kann eine merkliche Aufwertung nicht nur des Gutshauses selbst, sondern auch des sehr heterogenen Umfelds erwartet werden.

Sabine Schöfbeck

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