So ein Theater … Das Mecklenburgische Staatstheater - ein bedeutendes Baudenkmal

Denkmal des Monats Oktober 2010

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Landeshauptstadt Schwerin, Alter Garten mit Mecklenburgischem Staatstheater

Abb. 1: Landeshauptstadt Schwerin, Alter Garten mit Mecklenburgischem Staatstheater

Abb. 1: Landeshauptstadt Schwerin, Alter Garten mit Mecklenburgischem Staatstheater

Das nach Plänen des Oberbaurats Georg Daniel errichtete, 1886 eingeweihte ehemalige Hoftheater gehört heute zu den bedeutendsten Baudenkmalen des Landes Mecklenburg-Vorpommern. Der in sehr plastischen der italienischen Hochrenaissance entlehnten Architekturformen errichtete Bau verdankt seine dominante Stellung in der westlichen Platzwand des Alten Gartens seiner mächtigen Kubatur und der außerordentlich klaren Gestaltung der Giebelfront mit Säulenportikus, Kolossalpilastergliederung und Rustizierung der Putzfassade. Das Gebäude ist maßgeblicher Bestandteil der Platzumbauung des Alten Gartens und bildet mit dem Kollegiengebäude (Staatskanzlei), dem Alten Palais, dem Dekorationsmagazin des Theaters (Werkstattgebäude), dem Galeriegebäude des Staatlichen Museums und der Siegessäule ein wirkungsvolles städtebauliches Ensemble (Abb. 1), welches auf das gegenüberliegende Schloss bezogen ist. Das Schweriner Schloss mit seinen Gärten und das Ensemble des Alten Gartens sind ein einzigartiges unverfälschtes Beispiel der Baukunst des Historismus, Ausdruck des fürstlichen Bauwillens in vollendeter Form und würdig, in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen zu werden. Für das aufwändige Bewerbungsverfahren sind vom Landtag, von der Landesregierung und der Landeshauptstadt Schwerin bereits erste Schritte eingeleitet worden.

Die originale Substanz des Theaterbaus ist weitgehend erhalten. In der Vergangenheit wurden bereits vielseitige denkmalpflegerische Maßnahmen durchgeführt, die die Sicherung und Restaurierung dieser wertvollen Substanz zum Ziel hatten. Sie werden etappenweise fortgesetzt. Schwierig war die Erneuerung der stark korrodierten Dächer, weil bombiertes (gewölbtes/gebogenes) Wellblech nur als Sonderanfertigung mit entsprechend hohem Preis zu beschaffen war (Abb. 2). Die Dachinstandsetzung wurde deshalb auf mehrere Bauabschnitte aufgeteilt und 2000 abgeschlossen. Durch die Aufstockung des Dekorationsmagazins für die Schneiderei und den Kostümfundus, die sich bis dahin auf der Galerie der Kammerbühne befanden, und die Verlegung der Bühne in das E-Werk wurde der Weg für die denkmalgerechte Restaurierung des Konzertsaales frei, der nun als "Konzertfoyer" für vielfältige Veranstaltungen zur Verfügung steht (Abb. 3).

Große Anstrengung erforderte die in zwei Abschnitten durchgeführte komplette Erneuerung der Bühnenober- und -untermaschinerie. 2006 erhielt der Zuschauerraum eine neue Bestuhlung (Abb. 4). Die Wandelgänge im Parkett und im ersten Rang wurden restauratorisch untersucht und nach historischen Befunden neu gefasst. Drei Jahre später setzte man diese Arbeiten in den Wandelgängen des zweiten und dritten Rangs fort.

Eine große Herausforderung sowohl für die Planer als auch für die Bauhandwerker ist die gegenwärtige Sanierung der Fassaden des Theatergebäudes. Im Zuge dieser Arbeiten erhält das Theater sein ursprüngliches Erscheinungsbild weitgehend zurück. Der Fassadenputz wird ausgebessert, Natursteinelemente werden saniert und der aus Terrakotta bestehende plastische Schmuck wird gereinigt, konserviert und da, wo es nötig ist, restauriert.

Vor Beginn der Maßnahmen fand eine restauratorische Untersuchung der Fassaden statt. Dabei wurde festgestellt, dass das Haus ursprünglich einen Fassadenanstrich in Ocker besessen hat, den es nun zurückerhält. Bereits die ersten Entwürfe aus dem Jahr 1883 zeigen eine derartige Fassadenfarbe (Abb. 5). Speziell in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bevorzugte man kräftige und oft schwere Farben.

Es besteht in der Denkmalpflege heute allgemeiner Konsens darin, dass eine Restaurierungsmaßnahme das Ziel haben muss, die ästhetischen und historischen Werte des Denkmals zu bewahren und zu erschließen. Sie gründet sich auf die Respektierung des überlieferten Bestandes und auf authentische Dokumente. Für ein Gebäude, welches sich in der Kernzone eines Ensembles befindet, für das der Titel des Welterbes angestrebt wird, ist das besonders wichtig. Nicht zuletzt deshalb entschied man sich für die Rückgewinnung der durch wissenschaftliche Untersuchungen ermittelten ursprünglichen Farbigkeit des Hauses, um dessen eigene Wirkung und die des Platzes wieder zu komplettieren.

Nach seiner Fertigstellung wird das Theater besser im baulichen Kontext mit dem Museum und dem Dekorationsmagazin harmonieren und mit diesen Bauwerken ein noch wirkungsvolleres Pendant zum Schloss bilden (Abb. 6)

Dirk Handorf

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