... Was wäre das Schloss Schwerin ohne den (Burg-) Garten und die Parklandschaft?

Denkmal des Monats April 2011

Der Burggarten Schwerin: ein Hauptwerk des Hofgärtners und Gartengestalters Theodor Klett

Situationsplan von T. Klett, 1869Details anzeigen
Situationsplan von T. Klett, 1869

Abb. 1: Situationsplan von T. Klett, 1869*

Abb. 1: Situationsplan von T. Klett, 1869*

Theodor Klett wird am 2. Dezember 1835 zum Hofgärtner befördert und ist seit diesem Zeitpunkt für das gesamte Schlossgartenrevier zuständig.

In seinem beruflichen Schaffen nimmt der ab 1843 auf der Schlossinsel neu angelegte Burggarten eine besondere Position ein. Neben der Umsetzung der vorgegebenen Gestaltungsidee und groben Entwurfsfassung war hier sein gestalterisches und gärtnerisches Geschick und detailliertes Fachwissen gefragt.

Er begnügte sich jedoch nicht mit der planungsreifen Umsetzung der vorgegebenen Entwürfe/Pläne von G. A. Demmler und P. J. Lenné, sondern hinterfragte diese in vielen Punkten und entwickelte eigene, detaillierte Gestaltungs- und Realisierungsvorschläge und lieferte somit letztendlich eine eigenständige Entwurfslösung und Planung für die neuen Gartenanlagen auf der Schlossinsel.

Nach seinem

Dafürhalten muß nicht allein die Schloßinsel sondern die ganze Umgebung des Schlosses der Großartigkeit und Schönheit derselben entsprechen, es kann sich darum nicht um Konservierung eines Kohlfeldes handeln, denn der wächst auch andern Orts.

Und darum kommen

Die Fernsichten zumal in Betracht. So steht namentlich auf dem s. g. Halse eine Reihe Spitzpappeln, die sehr störend sind.

Trotz mancher Widrigkeiten und knapper Budgetierung gelang es T. Klett den Burggarten entsprechend seinen Vorstellungen und konkreten Planungen anzulegen (Abb. 1).

Als Gestaltungsmerkmal und Besonderheit ist hervorzuheben, dass der Garten auf einer relativ kleinen Inselfläche von etwa 1,8 Hektar angelegt wurde und unter Einbeziehung ehemaliger Festungsanlagen, des Schloss- und Orangeriebaukörpers verschiedengestaltige Gartenräume in unterschiedlichen Ebenen mit einer Höhendifferenz von 12 m zwischen den Orangeriehöfen bis zur Beletage präsentiert.

Durch gestalterische Kunstfertigkeit verschmelzen dabei Architektur und Gartenarchitektur zu einem harmonischen Ganzen. Der eingeschossige, halbkreisförmig um den Hauptturm angeordnete Orangeriebau mit seinen separaten Gartenhöfen und Dachterrassen bildet das Kernstück des Burggartens. Dieser Gartenbereich wurde entsprechend der Gestaltungsidee römischer Terrassen- und Villengärten nach einem komplizierten ikonographischen Programm konzipiert und verkörpert die geordnete Natur, das Paradies. Jedes Gestaltungselement wie Brunnen, Plastik oder Beet übernimmt bei dieser Inszenierung eine Funktion und erhielt demzufolge eine bewusste Platzierung.

Stilistisch ist die Gestaltung als "Gemischter Gartenstil" anzusprechen. Charakteristisch ist, dass die gebäudenahen Bereiche bei Rückgriff auf eine formale Gestaltung intensiv gärtnerisch und bildkünstlerisch gestaltet wurden, hingegen die anderen Burggartenpartien großzügig landschaftlich strukturiert sind.

T. Kletts Hauptaugenmerk galt dabei insbesondere der weiteren gärtnerischen Ausschmückung der in unterschiedlichen Geländeebenen gestalteten separaten, teilweise durch Mauern oder Brüstungen gefassten Sondergärten und der Komplettierung der Pflanzenbestände der Orangerie.

Als besonderes Gestaltungsmerkmal des Schlossensembles sind die räumlichen und visuellen Bezüge zwischen dem Schloss, den Innenräumen und speziell dem Gartensaal, dem Blumenzimmer, der Gartenanlage und umgebenden Seenlandschaft hervorzuheben.

In der Festschrift "Das Schloss zu Schwerin von 1869" heißt es unter anderem:

... daß der Charakter der Schlossbauten, ..., nur dann zur vollen Geltung gelangt, wenn dieselben, ihrem nothwendigen Prinzip des Malerischen getreu, von Umgebungen eingeschlossen sind, die mit ihrer ganzen Erscheinung harmonieren und gewissermaßen den Rahmen des Gemäldes bilden, welches sie darstellen. Dieser Grundsatz wurde bei dem Plane, nach welchem der Burggarten angelegt ist, wie bei der Ausführung der verschiedenen Theile überall festgehalten.

Der Burggarten

erscheint nicht als ein Garten für sich, sondern als ein nothwendiger, integrierender Theil des Ganzen. Aber auch als Garten hat derselbe Vorzüge, welche inzwischen weit über Deutschlands Grenzen hinaus, ... rühmliche Anerkennung gefunden haben. ... Mit großem Geschick ist eine ganze Reihe von Durchblicken durch Baum- und Gesträuchgruppen geschaffen, welche eines Theils nach allen seiten hin aussichten über den Spiegel des Sees bis weit in die Ferne gewähren, anderen Theils aber auch das Schloß selber wie durch einen Rahmen von frischen Grün erblicken lassen. Dies alles trägt dazu bei, dass der Burggarten weit größer erscheint als er wirklich ist. Der Gartendirektor Klett hat das Verdienst, diese wahrhaft ausgezeichnete Gartenanlage mit großer Sachkenntnis geschaffen zu haben, er hat aber auch das zweite, nicht minder anerkennswerte Verdienst, dieselbe mit gewissenhaftem Fleiße erhalten zu haben. ...

Diese Feststellung trifft ganz besonders auf die intensiv gestalteten Dachterrassen und Orangeriebereiche mit ihren wohl platzierten, auch saisonalen Pflanzungen zu, sonst hätten sie sich nicht entwickeln und in so üppiger Farben-, Formen- und Pflanzenpracht präsentieren können, wie es zahlreiche Fotografien und Beschreibungen dokumentieren (Abb. 2).

Innerhalb des Burggartens bildet der Bereich der Orangerie mit den Dachgärten, Dachterrassen und Höfen einschließlich seiner prachtvollen Ausschmückung den gestalterischen Höhepunkt und somit das Kernstück der Gesamtanlage.

Besonders beeindruckend ist der großartige landschaftliche Bezug der Schlossinsel mit den umliegenden Seen und Ufern, der sich insbesondere vom Standort der großen Freitreppe vor dem Blumenzimmer mit einem herrlichen Panorama dem Besucher darbietet.

Die erkannte Wertigkeit der städtebaulichen und gartenkünstlerischen Qualitäten der großherzoglichen Platz- und Gartenanlagen im Umfeld der Schweriner Schlossinsel führte bereits 1932 zur Unterschutzstellung der Anlagen und Ausweisung als Baudenkmale, als Zeugnisse der Gartenkunst, einschließlich späterer Aktualisierungen. Um die Erhaltung des von T. Klett mit dem Burggarten geschaffenen Gartenkunstwerkes abzusichern, wurde bereits 1983 von Georg Kiehne, Konservator in der Schweriner Arbeitsstelle des Instituts für Denkmalpflege, eine Denkmalpflegerische Zielstellung erarbeitet. Darin wurden die zu erhaltenden und instand zu setzenden originalen Bestände und Strukturen festgeschrieben. Davon ausgeklammert blieben jedoch aufgrund der damaligen, aktuellen artfremden Nutzung die Orangeriebereiche einschließlich des Peristyl- und Orangeriehofes.

Ab 1984 waren Schloss und Burggarten dem Staatlichen Museum Schwerin, Kunstsammlungen, Schlösser und Gärten, zugeordnet. Durch die Gründung eines eigenen Fachbereiches für Parks und Gärten im Jahre 1986 ergaben sich neue Möglichkeiten und auch Weichenstellungen für die Schlösser und Gärten im Rahmen zu erarbeitender hauseigener Nutzungs- und Sanierungskonzepte sowie langfristiger fachlicher Zielstellungen. Aufgrund der bis in die 1930er Jahre nachgewiesenen Nutzung der Orangerie entsprechend ihrer gärtnerischen Zweckbestimmung und existenten Gartengestaltung mit intensiven Schmuckpflanzungen sowie Topf- und Kübelpflanzen entwickelte die damals zuständige Leiterin für den Fachbereich Parks und Gärten 1987 die Idee der Wiederinbetriebnahme und Nutzung der Orangerie einschließlich Wiederherstellung der gärtnerischen Anlagen der Orangeriehöfe und Dachterrassen als langfristiges Konzept und als Ergänzung und Fortschreibung der bisherigen Denkmalpflegerischen Zielstellung für den Burggarten.

Erfreulicherweise konnte diese Denkmalpflegerische Zielstellung in den 1990er Jahren durch das Büro Pulkenat weiter präzisiert, durch konkrete Ausführungsplanungen untersetzt und in Folge umgesetzt werden.

Dabei ist die Sanierung und Wiederinbetriebnahme der Orangerie als Kalthaus und die damit verbundene Restaurierung der Klett’schen Gartenanlagen und Teilrekonstruktion der Schmuckbeete und Pflanzungen auf den Dachterrassen und in den Innenhöfen als großer Gewinn für das Gartenkunstwerk und sowohl deutschland- als auch europaweit als Novum anzusehen.

T. Klett muss abgesehen von den mit der Anlage des Burggartens bewiesenen gestalterischen Qualitäten ein hohes gärtnerisches Können insbesondere in Hinblick auf Pflanzenkenntnis und -verwendung bescheinigt werden. Mit dem Burggarten ist ihm ein und wohl auch sein Meisterwerk und damit einzigartiges Gartenkunstwerk gelungen.

Inzwischen zählt der Burggarten zu den wenigen weitgehend authentisch überlieferten, einmaligen Zeugnissen und Gartenkunstwerken des Historismus in Deutschland und auch Europa.

Die Schlossinsel mit dem Burggarten bildet den Mittelpunkt und gestalterischen Höhepunkt der weiträumigen Schweriner Seen- und Parklandschaft. Innerhalb dieser befinden sich weitere qualitätvolle Parkanlagen, beispielsweise auf der Insel Kaninchenwerder, am Klinikum Sachsenberg, am Wendenhof, am Schloss Wiligrad und in Raben Steinfeld. Ihre wesentliche Gestaltung und Struktur beruht auf den räumlichen und visuellen Bezügen zum Schweriner Schloss und dem Schweriner See und deren imposanter Inszenierung von unterschiedlichen Stand- und Blickpunkten.

Glücklicherweise hat sich auch das räumliche Umfeld weitestgehend in der entstehungszeitlichen künstlerischen Ausformung erhalten und kaum Störungen oder gestalterische Missstände mit Ausnahme einiger partieller Verwilderungen durch Spontanaufwuchs erfahren.

Gemeinsames Anliegen muss es sein, die beabsichtigte und realisierte Gestaltungsidee und weiträumigen Bezüge zu bewahren und durch gezielte gärtnerische Pflege zu erhalten, beziehungsweise wieder herauszuarbeiten und herzustellen, da dies den herausragenden gartenkünstlerischen Zeugniswert konstituiert.

Dadurch kann und wird ein Mal mehr die Einmaligkeit des Schweriner Schlosses und des Burg- und Schlossgartens sowie der Parklandschaft herausgestellt, was auch in Hinblick auf die Diskussion und Bewerbung um die Aufnahme in die Liste als Weltkulturerbe von Bedeutung ist.

Birgid Holz


Aus: A. Stüler/E. Prosch/H. Willebrand, Das Schloss zu Schwerin [= Festschrift]. Berlin 1869. (Stadtarchiv Schwerin)

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