Bäuerliche Baukunst vor den Toren Schwerins - Das Hallenhaus Zu den Eichen 7 in Pampow

Denkmal des Monats August 2011

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Abb. 1: Pampow, Lkr. Ludwigslust, Zu den Eichen 7, Hallenhaus vor der Dachsanierung

Pampow, Lkr. Ludwigslust, Zu den Eichen 7, Hallenhaus vor der Dachsanierung

Abb. 1: Pampow, Lkr. Ludwigslust, Zu den Eichen 7, Hallenhaus vor der Dachsanierung

Das zweiständrige Fachwerkhallenhaus Zu den Eichen 7 in Pampow, ursprünglich die Hufe VIII (Abb. 1), zählt zu den besonders gut erhaltenen Beispielen des ländlichen Bauens im näheren Umkreis von Schwerin, was bereits Karl Baumgarten dazu bewog, es in seinem 1970 erschienenen Standardwerk "Hallenhäuser in Mecklenburg" zu beschreiben und zeichnerisch dazustellen. Er charakterisiert den sechs Fach langen Kernbau als Mischform zwischen Durchfahrthaus und Fletthaus, wie sie für das mittlere Mecklenburg sehr verbreitet ist. Entsprechend einem Durchfahrthaus besitzt das Hallenhaus am Wohngiebel eine Toröffnung, die das Herausführen von Pferd und Wagen aus der Diele ermöglicht, ohne innerhalb der Diele wenden oder rückwärts fahren zu müssen. Abgesehen von einer einseitigen Lucht, dem traditionellen Sommerwohnraum auf der Diele, hatte der Ursprungsbau jedoch auch eine quer gelegene Stube, die für Fletthäuser typisch ist. Aus der Lucht entwickelte sich im späteren 18. Jahrhundert eine Herdstelle für einen Alterteiler. Nach und nach wurden mehr Wohnräume geschaffen, indem Stallbereiche zu Kammern umgewandelt wurden. In der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde daher das Gebäude um drei Fach verlängert, um wieder mehr Stallfläche zu besitzen. Die Durchfahrt an der hinteren Giebelseite wurde geschlossen und die Diele verengt, wie dies bei der Mehrzahl der älteren Hallenhäuser geschah (Abb. 2).

Aufgrund von Merkmalen der Verzimmerung, wie beispielsweise der Verblattung von Streben am Rähm, nahm K. Baumgarten ein Erbauungsdatum des Kernbaus in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts an. Im Rahmen der Reparatur des Dachstuhls des Kerngefüges wurde eine Absicherung der gefügekundlich-stilistischen Datierung K. Baumgartens durch eine moderne naturwissenschaftliche Methode, die Dendrochronologie, möglich. Diese stützt sich auf die Analyse des typischen, klimabedingten Wuchsmusters der Jahresringe. Soweit der letzte vor der Fällung des Baumes gewachsene Jahrring vorhanden ist, gelingt damit eine jahrgenaue Datierung des Gebäudes, welches aus diesen Hölzern errichtet wurde. Die durch die untere Denkmalschutzbehörde des Landkreises Ludwigslust getragene dendrochronologische Untersuchung am Hallenhaus in Pampow ergab eine Datierung auf 1702d für den Kernbau. Das einheimische Eichenholz ist demnach vollständig im Winter 1702/03 eingeschlagen und mit größter Wahrscheinlichkeit sofort saftfrisch im Verlauf des Jahres 1703 verarbeitet worden. Der Umbau des 19. Jahrhunderts, der die heutige Binnenstruktur bestimmt, erfolgte in Kiefernholz und wurde hier nicht untersucht (Abb. 3).

Nach längerem Ausbleiben von dringend notwendigen Sicherungs- und Sanierungsmaßnahmen gelang nach einem Eigentümerwechsel die Wende im Hinblick auf die langfristigen Erhaltungschancen des bedeutenden Baudenkmals. Im Jahr 2008 erfolgten die Reparatur des Dachstuhls sowie die Erneuerung der Rohreindeckung, die aus Mitteln der unteren Denkmalschutzbehörde des Landkreises Ludwigslust gefördert wurden. Im darauffolgenden Jahr konnten die Fachwerkaußenhülle und die Fenster entsprechend dem historischen Vorbild repariert werden. Die Farbgebung wurde anhand der nachgewiesenen Farbfassung wiederhergestellt. Für die Maßnahme wurden im Rahmen des Förderprogrammes zur Erhaltung von Denkmalen im ländlichen Raum Fördermittel des europäischen Landwirtschaftsfonds (ELER) zur Verfügung gestellt. Die durch einen regionalen Zimmereibetrieb ausgeführten Arbeiten sind fachgerecht in hoher Qualität durchgeführt worden und können als beispielgebend bezeichnet werden. Außer der Beibehaltung der Wohnnutzung ist perspektivisch geplant, im Stallteil einen Ausstellungsbereich zum ländlichen Wohnen und Wirtschaften einzurichten. Das öffentliche Engagement für den Erhalt ländlicher Bauten, die über Jahrhunderte die Kulturlandschaft Mecklenburg-Vorpommerns wesentlich geprägt haben und nun zunehmend verschwinden, sollte auch zukünftig Verpflichtung angesichts des hohen privaten Engagements der Bauherren sein (Abb. 4).

Jan Schirmer / Sabine Schöfbeck

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