Lernen und Lehren im Kloster. Seit zehn Jahren belebt die Hochschule für Musik und Theater die Altstadt von Rostock

Denkmal des Monats November 2011

Hansestadt Rostock, HMT, Westflügel und Neubau, von WestenDetails anzeigen
Hansestadt Rostock, HMT, Westflügel und Neubau, von Westen

Abb. 1: Hansestadt Rostock, HMT, Westflügel und Neubau, von Westen

Abb. 1: Hansestadt Rostock, HMT, Westflügel und Neubau, von Westen

Im Jahr 2001 bezog die die Hochschule für Musik und Theater in Rostock, kurz HMT, ihr neues Domizil im ehemaligen Katharinenkloster in der östlichen Altstadt. Damit waren nicht nur die schwierigen räumlichen Verhältnisse der 1994 gegründeten und auf eine längere Vorgeschichte zurück blickenden Institution überwunden. Es bestand zudem die Hoffnung, dass man damit für das in seinem Bestand gefährdete ehemalige Kloster der Franziskaner eine angemessene Nutzung gefunden habe und dass für die östliche Altstadt, geprägt von Leerstand und Verfall, ein geeigneter Anziehungspunkt gefunden sei.

Um es vorweg zu nehmen: Erfüllt wurden sowohl die Erwartungen, die aus denkmalpflegerischer Sicht an den Erhalt der im Mittelalter errichteten Anlage gestellt wurden als auch diejenigen hinsichtlich der allgemeinen Entwicklung im Gebiet des ältesten Teils der Hansestadt. Dieses hatte lange im Schatten der westlichen Altstadt gestanden.

Die Rostocker Bürgerschaft hatte sich seit 1995 um eine Ansiedlung der HMT im ehemaligen Katharinenkloster bemüht. Die Landesregierung hingegen favorisierte aus Kostengründen zu dieser Zeit einen Neubau in der Vorstadt auf dem Kasernengelände an der Ulmenstraße. Erst die Zusage der Stadt Rostock, ihren Anteil an den Gesamtkosten auf 30 Millionen DM zu erhöhen und das Grundstück zu einem symbolischen Preis zur Verfügung zu stellen, machte den Weg frei für das Projekt in der östlichen Altstadt. Aufgrund der jahrzehntelangen Vernachlässigung des historischen Klosterkomplexes waren von den Gesamtkosten in Höhe von 60 Millionen DM mehr als 10 % für dringend notwendige Sicherungsmaßnahmen des Bestandes und für Nachgründungsarbeiten eingeplant worden. Nach vier Jahren konnten die Planungs- und Baumaßnahmen abgeschlossen werden.

Heute besuchen 550 Studierende aus 42 Nationen die Hochschule in ungewohntem Ambiente. 250 künstlerische Vorstellungen finden jährlich unter Beteiligung von Lehrenden und Studierenden statt und sorgen dafür, dass die Hochschule in Stadt und Region präsent ist. Seit Jahren findet am Vorabend zum Tag des offenen Denkmals das sogenannte Wandelkonzert in der Hochschule statt, in diesem Jahr zugunsten der Sanierung der Rostocker Marienkirche. Die östliche Altstadt hat sich auch dank der Ansiedlung der HMT zu einem attraktiven Wohn- und Arbeitsort entwickelt.

Der Klosterkomplex, der nach Sanierung und Hinzufügen von Neubauten nun die Heimat der Hochschule ist, liegt an der zur Warnow weisenden Nordseite der östlichen Altstadt und hat seit dem zweiten Drittel des 13. Jahrhunderts eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Hervorzuheben ist der große Stadtbrand von 1677, der die Kirche zerstörte, die später lediglich im Bereich des Chores wieder aufgebaut wurde. Das Langhaus des Baues verblieb als Ruine mit Westwand und getrepptem Laubwerkportal. Die Klausurgebäude nördlich der Kirche entgingen dieser Zerstörung. Sie gruppieren sich zum einen um den älteren und größeren Klosterhof und zum anderen um den, wiederum nördlich anschließenden, kleineren und schlichten Beihof. Aus dem Bestand stechen die Kreuzgänge und die großen, mit Mittelsäulen ausgestatteten Säle in West- und Ostflügel hervor. Die Kreuzrippengewölbe weisen teils figürlich und teils schlicht kubisch gestaltete Kalk- und Gipskonsolen auf. Nach der Reformation diente die Anlage unter anderem als Armen- und Waisenhaus sowie als Zucht- und Werkhaus. Bis 1991 war im Chor auf mehreren Geschossen ein Alters- und Pflegeheim untergebracht.

Nach einem Entwurf des Architekturbüros Braun & Voigt und Partner, Frankfurt am Main, das als Sieger aus einem Realisierungswettbewerb hervorgegangen war, begannen 1997 die Planungs- und Ausführungsarbeiten. Außer der Sanierung des Bestandes umfassten die Arbeiten insbesondere die Errichtung zweier neuer Ergänzungsbauten, die der historischen Bausubstanz in ihrer Gestaltung kontrastierend gegenüberstehen. An der Stelle des zerstörten Kirchenschiffes erhebt sich heute ein kubischer Baukörper mit Fassaden aus Glas, Metall und hellen Putzflächen. Im Anschluss an den nördlichen Beihof, der durch eine Glasüberdachung zum Foyer wurde, lädt im ehemaligen Klostergarten der neue große Konzert- und Theatersaal zu Veranstaltungen ein.

Die besondere Qualität der neuen Gestaltung besteht aus denkmalpflegerischer Sicht darin, dass die historischen Strukturen der Anlage, geprägt durch Kreuzgang, Innenhöfe sowie Säle und Zellen, in die Konzeption der neuen Nutzung übernommen wurden. Zahlreiche Durchblicke und die gestalterische Transparenz des historischen Komplexes sind erhalten. Insgesamt stellt die durchgeführte Sanierung und Erweiterung des Bestandes einen glücklichen Fall von Umnutzung dar. Eine ehemalige Klosteranlage, ursprünglich für eine Gemeinschaft von Gläubigen errichtet, ist zu einem Ort für gemeinschaftliches Lernen und Lehren geworden. Er lädt zu Konzerten und Aufführungen ein und strahlt durch seine Aktivitäten auf die Altstadt aus.

Dr. Jörg Kirchner

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