Die Restaurierung des Apostelfrieses an der Rostocker Marienkirche

Denkmal des Monats April 2012

Detail des Apostelfrieses aus mittelalterlichen, glasierten Tonfiguren nach der Restaurierung. In den Zwickeln über der kleeblattartigen Blendarchitektur sind Propheten als Halbfiguren dargestelltDetails anzeigen
Detail des Apostelfrieses aus mittelalterlichen, glasierten Tonfiguren nach der Restaurierung. In den Zwickeln über der kleeblattartigen Blendarchitektur sind Propheten als Halbfiguren dargestellt

Abb. 1: Detail des Apostelfrieses aus mittelalterlichen, glasierten Tonfiguren nach der Restaurierung. In den Zwickeln über der kleeblattartigen Blendarchitektur sind Propheten als Halbfiguren dargestellt

Abb. 1: Detail des Apostelfrieses aus mittelalterlichen, glasierten Tonfiguren nach der Restaurierung. In den Zwickeln über der kleeblattartigen Blendarchitektur sind Propheten als Halbfiguren dargestellt

An der Westseite der Rostocker Marienkirche befindet sich im zweiten Obergeschoss innerhalb einer kleeblattbogigen Blendarchitektur der sogenannte Apostelfries. Die glasierten Tonfiguren stammen vermutlich aus dem 13. Jahrhundert und sind von unbekannter Herkunft (Abb. 1). Dargestellt sind Christus und die Apostel sowie in den Zwickeln Halbfiguren von Propheten. Die aus meist zwei Teilen durch eine farbige Mörtelfuge zusammengesetzten Tonfiguren besitzen glasierte Gewänder, die Inkarnatbereiche jedoch sind unglasiert (Abb. 2–4). Ihre Herstellung ist wahrscheinlich vergleichbar mit der von glasierten Form- und Backsteinen. Durch die Herstellung bedingte Pressrisse sind deutlich ablesbar.

Ihr Erhaltungszustand ist trotz der sehr exponierten Lage am Westwerk insgesamt als sehr gut einzuschätzen. Schäden im Gefüge und an den Tonfiguren selbst wurden im Zuge der letzten Restaurierung 2010 kaum lokalisiert. Die unglasierten Bereiche wiesen eine dunkle, fast schwarze Verkrustung der Oberfläche durch Vergipsung auf. An einigen Kanten gab es mechanische Beschädigungen, jedoch wurde trotz der starken Bewitterung keine strukturelle Entfestigung an den Figuren festgestellt. Die konservatorischen Problemstellungen konzentrierten sich im Wesentlichen auf die sandende und abschalende Verputzung der Rücklagen und die weiteren Mörtelbereiche.

Der Fries wurde bereits mehrfach in den vergangenen Jahrhunderten bearbeitet. Vermutlich auf die Sanierung des ausgehenden 19. Jahrhunderts geht eine Bearbeitung des Frieses zurück, wo die Figuren sämtlich mit einem schwarzen Teeranstrich versehen wurden. Wahrscheinlich strebte man eine Vereinheitlichung des Gesamtbildes an. Es ist davon auszugehen, dass auch damals bereits eine dunkle Verkrustung der unglasierten Inkarnate existierte und die Verschwärzung möglicherweise nicht entsprechend eingeordnet werden konnte. Auch die Verfugungen innerhalb der Blendarchitektur und der Figuren wurden geschwärzt. Von einer ursprünglichen Einfärbung dieser Fugen ist ebenfalls auszugehen, da sich helle Fugen auch von Ferne deutlich abgezeichnet hätten. Ein signifikanter Befund für die ursprüngliche Gestaltung der Putze konnte jedoch nicht nachgewiesen werden, auch wenn Befunde des vermutlich ursprünglichen Mörtels erhalten sind.

Die Konservierung und Restaurierung, die während der umfangreichen Turmsanierung am Apostelfries durchgeführt wurde, galt vorrangig der Reparatur von Fehlstellen sowie der Sicherung und Bearbeitung der Mörtel und Putze. Aufgrund der starken Schädigung musste der Putz in den Rücklagen bereichsweise abgenommen werden. Die gesamten Rücklagen wurden mit Kalkmörtel neu verputzt, jedoch unter weitestgehendem Erhalt und Festigung der verschiedenen historischen Putze und Mörtel. Auch zur Abnahme der Gipskrusten und des Teeranstrichs auf den Tonelementen bestand eine konservatorische Notwendigkeit. Hierzu erfolgten verschiedene Tests zur Substanz schonenden Entfernung der Krusten; wobei auch die Reinigung mit Laser getestet wurde. Die Behandlung mit Heißdampf führte aber zu einer deutlichen und ebenso schonenden Reduzierung der Krusten und wurde deshalb für die weitere Bearbeitung favorisiert. Das Reinigungsergebnis in den Inkarnatbereichen ist zufriedenstellend. Auf den glasierten Bereichen musste die Abnahme des Teers sogar weitgehend mechanisch erfolgen, eine in allen Bereichen rückstandsfreie Entfernung war nicht möglich. Auch auf den noch immer intakten Fugen und Mörtelplomben der letzten großen Reparaturphase vor mehr als 100 Jahren wurde aufgrund der Authentizität und der schonenden Bearbeitung auf eine Entfernung des Teers verzichtet. Die Bearbeitungsgeschichte am Objekt selbst blieb so ablesbar und die Reparaturen beschränkten sich auf die Bereiche, die aufgrund der Schäden eine konservatorische Erneuerung erforderten. Im Hinblick auf die starke Bewitterung und zur Vermeidung von eindringender Feuchte wurden kleinere Risse und Ausbrüche behutsam mit Kalkmörtel geschlossen und durch Pigmentlasuren an den überkommenen Bestand und die jeweilige Umgebung farbig angepasst.

Insgesamt präsentieren sich die Figuren nahezu archaisch in einem homogen wirkenden Kontext und ästhetisch beruhigtem Erscheinungsbild. Durch die erneuerten, hellen Putzrücklagen ist ihre Ablesbarkeit wesentlich verbessert. Die Differenzierung der Inkarnate und der glasierten Gewänder ist nunmehr auch von Ferne erlebbar. Der Apostelfries tritt nach der abgeschlossenen Turmsanierung wieder besonders ins Augenmerk und ziert als ein maßgebliches und beeindruckendes Gestaltungselement das monumentale Westwerk der Rostocker Marienkirche.

Elke Kuhnert

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