Mecklenburg-Strelitzer Parkjuwel strahlt wieder - Der Schlosspark von Hohenzieritz

Denkmal des Monats Juni 2012

Ausschnitt aus der Topografischen Karte der Preußischen Landesaufnahme, MTB Nr.: 2544 von 1884, in der aktualisierten Fassung von 1911 Details anzeigen

Abb. 1: Ausschnitt aus der Topografischen Karte der Preußischen Landesaufnahme, MTB Nr.: 2544 von 1884, in der aktualisierten Fassung von 1911

Ausschnitt aus der Topografischen Karte der Preußischen Landesaufnahme, MTB Nr.: 2544 von 1884, in der aktualisierten Fassung von 1911

Abb. 1: Ausschnitt aus der Topografischen Karte der Preußischen Landesaufnahme, MTB Nr.: 2544 von 1884, in der aktualisierten Fassung von 1911

Obwohl Parkanlagen zu jeder Jahreszeit reizvoll sind, bietet sich gerade die Sommerzeit für ausgedehnte Spaziergänge und Erkundungstouren in Parks an. Seit jüngster Vergangenheit präsentiert sich der landeseigene Schlosspark von Hohenzieritz (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte) nach umfänglicher Sanierung im Auftrag des Betriebs für Bau- und Liegenschaften Mecklenburg-Vorpommern (BBL M-V), Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten, wieder in seiner ursprünglichen, zur Geltung gebrachten Originalsubstanz und Parkstruktur.

Vorausgegangen waren umfangreiche historische Recherchen, Bestandsaufnahmen und Bestandsanalysen sowie die Erarbeitung des 1998 bestätigten denkmalpflegerischen Parkkonzeptes und in deren Folge schließlich die Entwurfs- und Genehmigungsplanung sowie konkrete Ausführungsplanung.

Der Hohenzieritzer Park gehört inzwischen zu den frühesten Beispielen originärer englischer Gartengestaltung in Deutschland und Europa und widerlegt einmal mehr die Behauptung der Rückständigkeit des Landes. 1768 gelangte das Gut Hohenzieritz in den Besitz des regierenden Landesherrn, Herzog Adolph Friedrich IV. von Mecklenburg-Strelitz, der dieses 1770 seinem jüngeren Bruder Carl II. schenkte. Eine Reise Carls II. zu Mecklenburg-Strelitz im Jahr 1771 nach England zu seiner Schwester, Königin Charlotte, begeisterte ihn für die neue Mode englischer Parkgestaltung und inspirierte ihn zur Umgestaltung und Erweiterung des vorhandenen barocken Gartens und Anlage eines englischen Landschaftsgartens in Hohenzieritz. Dafür wurde eigens der englische Gärtner Archibald Thomson engagiert und nach Hohenzieritz beordert.

Durch A. Thomson fanden somit schon frühzeitig die neuen Ideen englischer Parkgestaltung im Sinne der aufklärerischen Geisteshaltung Rousseau’s und des Gartenkünstlers Lancelot Brown mit der Hohenzieritzer Parkgestaltung in unserem Land ihren Niederschlag. Kennzeichnend sind ein umlaufender Rundweg ("belt-way") und ein äußerer Gehölzgürtel ("belt") nach Brown’scher Gestaltung, sowie der AHA-Graben als unmerkliche Parkgrenze zur Weidelandschaft und angrenzenden Endmoränenlandschaft (Abb. 1).

Durch gestalterische Kunstfertigkeit wirken in Hohenzieritz die Parkgestaltungen über die eigentlichen, aber unsichtbaren Parkgrenzen, die AHA-Mauern, weit in die Landschaft und lassen Landschaft und Park verschmelzen. Die landschaftlichen Besonderheiten der natürlichen Umgebung – das Tollensetal und die Lieps – mit Hügeln, Söllen, Wäldern und Baumgruppen und späteren Gestaltungsmaßnahmen in der Landschaft um das Gut Hohenzieritz mit Dörfern, Kirchen und beispielsweise der weithin sichtbaren Grabpyramide auf dem Tempelberg bei Penzlin im Jahr 1805 führten zur Schaffung von Szenerien und weiteren Ausformung der einmaligen Hohenzieritzer Parklandschaft.

Aufgrund seiner früh erkannten gartenkünstlerischen Wertigkeit wurde der Schlosspark 1947 unter Denkmalschutz gestellt und die umliegende Landschaft als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen (Abb. 2). Glücklicherweise haben sich über die Jahrhunderte trotz mancher Verwilderung die wesentlichen originären Bestände und Strukturen der Parkanlage bis heute erhalten und bedurften nur der befreienden, ordnerischen und pflegenden Hand des planenden Landschaftsarchitekten und ausführenden Landschaftsgärtners.

Die Planung und Maßnahmebetreuung erfolgte durch das Landschaftsarchitekturbüro Stefan Pulkenat in Gielow. Vor Realisierung der investiven Maßnahmevorhaben waren als erster Schritt die Folgen der Unterlassung der kontinuierlichen gärtnerischen Pflege zu beheben und zahlreiche Rodungen aufgrund des Schadensbildes, des entstandenen Gefahrenpotenzials oder des flächenhaften Spontanaufwuchses erforderlich. Außerdem wurden umfangreiche Parkpflege- und Instandsetzungsmaßnahmen veranlasst, insbesondere am Gewässer- und Wegesystem sowie am Gehölzbestand. Wertvolle Altbäume wurden baumpflegerisch behandelt und behutsam von bedrängendem Jungaufwuchs freigestellt. Zur Erneuerung der Parkstruktur erfolgten am Standort abgenommener oder durch Stubben nachgewiesener originaler Baumpflanzungen gehölzartenidentische Nachpflanzungen.

Nach Abschluss der Sanierungsarbeiten am Schloss, den Kavaliersgebäuden, dem Kastellanhaus, den Monumenten und dem Luisentempel konnten auch die Park- und Platzflächen denkmalgerecht wiederhergestellt werden. Dazu gehörten unter anderem die Sanierung des Schlossplatzes, die Neuanlage eines Besucherparkplatzes und die Sperrung der Mittelachse der Flächen zwischen Dorfstraße und Schloss für den Fahrverkehr als einvernehmliche Lösung mit der Gemeinde. Die Zufahrt zum Schloss und zu den privaten Anliegergrundstücken erfolgt nun über die bereits vorhandenen, außermittigen, seitlichen Erschließungsstraßen. Dadurch wurde es möglich, die mittige Asphaltstraße einschließlich der Gehweganlagen und der riegelartigen Heckenpflanzungen zu beseitigen und die ursprüngliche parkartige Gestaltung der Flächen und Wegeverbindung zwischen der Dorfstraße und dem Schloss mit den Bereichen an der Schlosskirche wieder herauszuarbeiten und herzustellen.

Im Bereich zwischen Schlossplatz und Wegeanbindung zur Schlosskirche kam beim Rückbau der Straße mit behutsamem Abtragen der Asphalt- und Unterbauschichten und Auskoffern des neuen Wegebettes partiell die ursprüngliche Pflasterung mit großen unregelmäßigen Feldsteinen, die auf die Anlagezeit im 18. Jahrhundert zu datieren ist, zum Vorschein (Abb. 3).

Aufgrund der Tiefenlage des vorgefundenen historischen Weges im Verhältnis zur Höhenlage des Anschlussgeländes und des Schlossplatzes sowie der vorgefundenen Oberflächenbeschaffenheit und Unebenheit für die geplante Nutzung als Fußgängerweg wurde festgelegt, den Befund zu dokumentieren, im Bestand zu belassen und als Unterbau für den neuen Wegeaufbau einer wassergebundenen Wegedecke zu nutzen.

Im Rahmen der Sanierungsarbeiten am Quellteich im Park wurden durch die mit den Arbeiten beauftragte Baufirma Anschütz aus Neustrelitz teilweise unter Wurzeln und Humusschichten die steinernen Einfassungen des Teiches, der Überlauf, die Kaskade, die Abflussrinne am Fuß der Kaskade sowie eine Wassertreppe am Einlauf in den Wiesenteich fast unversehrt vorgefunden und im Bestand gesichert und auch hinsichtlich der Wasserführung funktionstüchtig wieder hergestellt. Dadurch wurde das für Parkgestaltungen wichtige Element Wasser in der Parkanlage Hohenzieritz sichtbar herausgearbeitet und durch das Plätschern und Rauschen ähnlich einem Gebirgsbach wieder hörbar zur Geltung gebracht (Abb. 4).

Eine weitere Maßnahme betraf die Sicherung und Instandsetzung der umlaufenden Gartenmauern, die teilweise freistehend oder als AHA-Mauer ausgebildet sind, mit einer Länge von 1,9 km einschließlich der Eingangsmauern, Gartenpforten und Tore (Abb. 5).

Unterhalb des vom Schloss rückwärtig abfallenden Parkareals befindet sich eine AHA-Gartenmauer, die den Park für das Auge nicht wahrnehmbar unmerklich zur Weide abgrenzt (Abb. 6). Bei der AHA-Gartenmauer gab es unterschiedliche Schadensbilder. Teilweise waren Bereiche im Wurzelwerk und Erdreich verschüttet, andere im Bestand oder abschnittsweise nicht mehr vorhanden, gestört oder defekt, wieder andere aber in recht gutem Zustand. Die Umsetzung der Sanierungsplanung stellte eine enorme Herausforderung für den Baubetrieb dar, waren doch große Findlingssteine nach alter Handwerkstechnik zu spalten und zu setzen. Das Ergebnis überzeugte letztendlich auch manche Zweifler und Kritiker und dient nun als sehr gutes Beispiel und Referenzobjekt der Firma Garten- und Landschaftsgestaltung Pawlak aus Ueckermünde.

Außer den umfänglichen Sicherungs-, Instandsetzungs- und Wiederherstellungsarbeiten an den baulichen und vegetabilen Beständen der Parkanlage konnten die Standorte der ehemaligen Weinlaube und der Rosenlaube durch neue Laubenkonstruktionen in schlichter zeitgemäßer Ausführung besetzt und die Flächen entsprechend gärtnerisch ausgeschmückt werden. Zahlreiche Bänke laden nunmehr an attraktiven Parkstandorten in Lauben, unter Bäumen oder auch im Freien zum Verweilen und Genießen der Parklandschaft ein.

Durch den BBL M-V, Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten, wurde eine Präsentation zur Geschichte des Hohenzieritzer Schlossparks erarbeitet und im sanierten Kastellanhaus als Dauerausstellung eingerichtet. Damit steht den Besuchern zu dem bisherigen Angebot im Schloss mit der Luisengedenkstätte und der Naturparkverwaltung nun eine umfassend sanierte Park- und Schlossanlage mit einer ansprechenden Ausstellung, einem Café, einem Shop und entsprechender Infrastruktur als zusätzliches touristisches Angebot für einen längeren Aufenthalt zur Verfügung.

Birgid Holz

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