Ein wieder entdecktes mittelalterliches Tafelbild in der Rostocker St. Marienkirche

Denkmal des Monats Juli 2012

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Abb.1: Gesamtaufnahme vor Beginn der Restaurierung mit ersten Sicherungspapieren und übermalten Randbereichen

Gesamtaufnahme vor Beginn der Restaurierung mit ersten Sicherungspapieren und übermalten Randbereichen

Abb.1: Gesamtaufnahme vor Beginn der Restaurierung mit ersten Sicherungspapieren und übermalten Randbereichen

Seit kurzem kann man in der Marienkirche zu Rostock wieder ein Kleinod mittelalterlicher Tafelmalerei bewundern, welches so seit der Mitte des 18. Jahrhunderts nicht mehr zu erleben war. Mit Unterstützung des Ortskuratoriums Rostock der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und dem Förderverein Stiftung St. Marien zu Rostock e.V. konnte die Tafelmalerei 2011 umfassend restauriert werden. Dabei handelt es sich um ein Fragment einer größeren Tafel, vermutlich um den Rest einer Hochaltarpredella, deren genaue Herkunft nicht bekannt ist und nur vermutet werden kann. Wie viele mittelalterliche Altäre wurde wohl auch dieses, zu diesem Gemälde gehörige Retabel im 18. Jahrhundert dem Zeitgeschmack geopfert und durch einen Barockaltar ersetzt.

Das Bild wurde im Jahr 2003 von dem Bauleiter der Marienkirche entdeckt, und zwar in Form einer Abdeckung auf einem Schrank in der südwestlichen, sogenannten Mann’schen Kapelle. Sichtbar war allerdings lediglich das aufgenagelte barocke Leinwandbild mit einer Abendmahlsdarstellung, umgeben von einem einfachen Schmuckrahmen, welcher direkt auf die Vorderseite der Tafel genagelt worden war (Abb. 1). Auch an anderen Altären in Mecklenburg, speziell auf deren Predellen, fanden sich bereits solche barocken Vorsatzbilder aus Leinwand und trugen, wie an den Altären in St. Georgen zu Wismar oder dem Altar der Dorfkirche Gischow, dazu bei, dass die originalen Malereien oft besser erhalten blieben als die Tafelmalereien der Flügel.

Auf diese Art zu einem eigenständigen Gemälde "umgewidmet" gehörte das Tafelbild wohl bereits im 19. Jahrhundert zum Bestand des Altertummuseums Rostock, da es auch in dem 1896 erschienenen Standardwerk "Die Kunst- und Geschichts-Denkmäler des Großherzogthums Mecklenburg-Schwerin" von Friedrich Schlie, nicht aufgeführt wird. Von hier ist es im Rahmen einer größeren Rückgabeaktion von kirchlichen Leihgaben in den 1930er Jahren in die Marienkirche gelangt und mit den Jahren vergessen worden.

Nach der bereits 2003 erfolgten Abnahme des aufgenagelten Leinwandbildes kam eine in großen Teilen erhaltene Schmerzensmann-Darstellung zum Vorschein. Die künstlerische Qualität und die Umsetzung bestimmter Details erinnern stark an die Tafelmalereien der mittelalterlichen Altäre aus St. Johannis in Malchin und aus St. Georgen in Wismar, während die Komposition der der verlorenen Predella aus der St. Nikolai-Kirche in Rostock ähnelt, wobei die vorliegende Malerei allerdings wesentlich detailreicher ausgeführt wurde. Christus als zentrale Figur ist umgeben von den Arma Christi und zwei Heiligenfiguren des Alten Testaments. Wie auch auf der Nikolai-Predella zeigen diese die beiden biblischen Könige David und Salomon.

Der Zustand vor Beginn der Restaurierung war trotz der in weiten Teilen erhaltenen Malerei besorgniserregend. Die Malschicht wies einen großflächigen Bindungsverlust zum Träger auf, was sich in großen Hohlstellen und dachförmig aufstehender Malschicht äußerte. Über die beiden zum Teil offenen Brettfugen zeigten sich fast über die gesamte Breite der Tafel großflächige Verluste bis auf den Träger, wodurch aber auch mittelalterliche Pergamentbeklebungen mit einer sichtbaren Beschriftung zu erkennen waren.

Auch an kleineren Fehlstellen innerhalb der Malerei, welche sich nur bis auf den Kreidegrund erstreckten, konnten interessante Beobachtungen zum maltechnischen Aufbau gemacht werden, da hier zum Teil die mit dem Pinsel minutiös ausgeführte, rotbraun lavierte Unterzeichnung sichtbar ist.

Innerhalb des direkt auf die Tafel genagelten Schmuckrahmens waren die Randbereiche entsprechend der äußeren Form des barocken Leinwandbildes zum Größenausgleich mit einer braunen Holzimitation und schwarzer Farbe übermalt worden, was auch die Kopfpartien der beiden Heiligenfiguren verdeckte.

Als besonders störend und konservatorisch bedenklich erwies sich ein spannungsreicher Überzug auf den vergoldeten Bereichen, welcher sich erstaunlicherweise auch unter dem abgenommenen Schmuckrahmen fortsetzte und eine frühe Bearbeitung (Restaurierung) vermuten lässt. Dieser im Labor als Kasein identifizierte Anstrich rollte sich und die darunterliegende originale Blattmetallauflage kleinteilig auf und führte so auch zu Verlusten innerhalb der Vergoldungen.

Die Maßnahmen hatten das rein konservatorische Ziel, die Malereien und den Träger in dem fragmentarischen Zustand zu bewahren, ohne dass größere restauratorische Eingriffe diesen Charakter verfälschen sollten. So wurden Fehlstellen lediglich dort geschlossen, wo es konservatorisch unbedingt erforderlich war. Größere Fehlbereiche blieben bewusst holzsichtig. Der fragmentarische Charakter sollte sich auch in der Präsentation innerhalb der Kirche widerspiegeln, so dass die Tafel bewusst keinen Schmuckrahmen erhielt (Abb. 2).

Frank Hösel

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