Weisdin - ein Herrenhaus, würdig eines Herzogs

Denkmal des Monats September 2012

Weisdin, Lkr. Mecklenburgische Seenplatte, Herrenhaus um 1920 Details anzeigen

Abb. 1: Weisdin, Lkr. Mecklenburgische Seenplatte, Herrenhaus um 1920

Weisdin, Lkr. Mecklenburgische Seenplatte, Herrenhaus um 1920

Abb. 1: Weisdin, Lkr. Mecklenburgische Seenplatte, Herrenhaus um 1920

Die Ehre für die Erbauung des stattlichen barocken Herrenhauses von Weisdin zwischen Neustrelitz und Neubrandenburg gebührt Gotthard Friedrich Karl von Peckatel, der den Gutshof mit Kirche und Herrenhaus 1749 nach einem Brand neu errichten ließ. Das am leicht erhöhten nördlichen Ufer des Mittelsees gelegene Herrenhaus richtet seine rückwärtige Fassade gegen die Reste eines gegenüber am südlichen Seeufer auf einer Anhöhe gelegenen frühneuzeitlichen Vorgängerbaus, auf dem wohl schon die Familie von Peckatel ansässig war. Der stattliche zweigeschossige Putzbau mit einem übergiebelten Mittelrisalit auf der Hofseite (Abb. 1) verwies mit seinem reichen Fassadendekor und seiner hohen Ausstattungsqualität der Innenräume auf die Prosperität der Bauherren. Von dieser sind bis heute die repräsentative zweiarmige, dreiläufige Treppe mit reich ornamental verziertem Geländer sowie Rokoko-Stuckaturen in den Räumen des Obergeschosses erhalten, die zu den qualitätvollsten des Landes gehören.

Da der Gutsherr jedoch ohne männliche Erben war, endete im Jahre 1761 eine Jahrhundertelange Tradition des Eigentums der Familie von Peckatel aus Weisdin mit einem Verkauf an Herzog Adolph Friedrich IV., der 1753 noch nicht einmal 15-jährig die Regentschaft im strelitzschen Landesteil von Mecklenburg übernommen hatte. Der Landesherr übernahm Weisdin in seinen privaten Besitz und soll es als Lustschloss vielfach aufgesucht haben. Er erweiterte die Anlage 1772 um ein Sommerhaus auf einer Insel im Mittelsee, das jedoch nur wenige Jahre bestand. Noch zu Lebzeiten des Herzogs wurde das Gut verpachtet. Der Pächter wohnte zunächst in einem eigens für diesen Zweck errichteten Haus, später auch im Schloss. Nach der Auflösung des Herzogtums blieb Weisdin weiterhin eine Domäne, nun des Freistaats Mecklenburg-Strelitz.

1951 wurde das seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs von Flüchtlingen bewohnte Haus in die Liste der denkmalpflegerisch bedeutendsten Herrenhäuser Mecklenburgs aufgenommen, die damals lediglich 21 Objekte umfasste. Auch diese Würdigung des geschichtlich wie kunsthistorisch hochrangigen Baudenkmals konnte leider nicht verhindern, dass wohl in den 1980er Jahren die barocken Putze samt ihrer Gestalt einer radikalen Fassadenerneuerung zum Opfer fielen. Von der bauzeitlichen Fassadengestaltung blieb allein das landesherrliche Wappen mit der Devise des englischen Hosenbandordens "Honi soit qui mal y pense" (aus dem Altfranzösischen wörtlich: "Beschämt sei, wer schlecht darüber denkt"), dessen Träger Herzog Adolph Friedrich IV. seit 1764 gewesen war.

Nachdem sich eine in den 1990er Jahren ausgeführte, nicht denkmalgerechte Fassadensanierung (Abb. 2) schon wenige Jahre später als schadhaft erwies, bot sich die Chance zu einer Aufwertung der äußeren Erscheinung in Anlehnung an die historische Gestalt. Diese ist durch Fotos des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts aus dem Archiv des Landesamts für Kultur und Denkmalpflege (LAKD) detailliert nachvollziehbar und diente als Grundlage für die Wiederherstellung. In enger Zusammenarbeit zwischen LAKD und Bauherrn entstand so ein Konzept, das eine Rekonstruktion der prägenden Architekturglieder vorsah, so dass die Gesamtwirkung im Wesentlichen wieder jener der Erbauungszeit entsprechen würde. Einige filigrane Dekore im Bereich des Mittelrisalits mit Dreiecksgiebel, die dessen besonderer repräsentativer Hervorhebung dienten, wurden jedoch bewusst im Sinne der Neuherstellung der Fassadenoberflächen nicht wiederhergestellt. Nach der 2010/11 baulich mit finanzieller Unterstützung durch das Förderprogramm zur Erhaltung von Denkmalen im ländlichen Raum aus Mitteln des europäischen Landwirtschaftsfonds (ELER) umgesetzten Konzeption erhielt der landes- und kunsthistorisch hochbedeutende Bau eine diesem Wert angemessene qualitätvolle Gestalt zurück (Abb. 3).

Wie ursprünglich zur Mitte des 18. Jahrhunderts angelegt, erhebt sich nun wieder über einem glatten Sockel ein durch kräftige horizontale Nutungen gegliedertes Erdgeschoss. Das Obergeschoss zeigt, seiner Funktion als Piano Nobile gemäß, eine weitaus elegantere Architektur mit flach hervortretenden Faschen, Spiegel und Eckquaderungen. Den oberen Abschluss bilden ein kräftiges Traufgesims und der steile Dreiecksgiebel, der weit in das mächtige Walmdach eingreift. Die nach Befund wiederhergestellte hellockrige Fassung auf dem Kalkputz lässt nun auch wieder eher den städtebaulichen Zusammenhang mit der zeitgleich errichteten und gleichartig gefassten achteckigen Kirche am nördlichen Ende des Gutshofes ablesen, der leider durch die Bundesstraße B 96 zerschnitten ist.

Sabine Schöfbeck

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