Der heilige Georg und sein Martyrium - Eine Wandmalerei des 14. Jahrhunderts in der Kirche St. Nikolai zu Stralsund

Denkmal des Monats Mai 2013

Hansestadt Stralsund, St. Nikolai, Gesamtansicht nach der RestaurierungDetails anzeigen
Hansestadt Stralsund, St. Nikolai, Gesamtansicht nach der Restaurierung

Abb. 1: Hansestadt Stralsund, St. Nikolai, Gesamtansicht nach der Restaurierung

Abb. 1: Hansestadt Stralsund, St. Nikolai, Gesamtansicht nach der Restaurierung

Basierend auf einer restauratorischen Untersuchung und Konzepterstellung zur Konservierung und Restaurierung der Wandmalereidarstellung des Georgsmartyriums auf der Westwand der sechsten Kapelle von Westen im südlichen Seitenschiff der Kirche erfolgte im vergangenen Jahr die Ausführung der Konservierung und Restaurierung.

Die filigran gemalte figürliche mittelalterliche Wandmalereidarstellung aus dem 14. Jahrhundert wurde in den Jahren 1903–1906 innerhalb einer großen Restaurierungskampagne im gesamten Kircheninnenraum durch die Gebrüder Linnemann und dem Frankfurter (am Main) Maler Ballin auf der Westwand der Kapelle in Verbindung mit der Entfernung der Holzvertäfelung freigelegt, abgepaust und umfangreich überarbeitet. Im Stralsunder Stadtarchiv sind außer den Pausen farbige Aquarelle aus dieser Zeit erhalten.

Dargestellt sind Stationen des Martyriums des heiligen Georgs, das er um 305 zu Beginn der Christenverfolgung erlitten haben soll. Dank der kunsthistorischen Untersuchung zum ikonographischen Bildprogramm durch den Kunsthistoriker Detlef Witt M. A. erfolgte die Deutung und Beschreibung des Gestaltungsprogramms (Abb. 1). Der rot gefasste Malereihintergrund weist alternierend goldene Blumenornamente auf. Der obere Wandmalereiabschluss wird durch ein mit kleinen goldenen Sternen und Halbmond verziertes, gemaltes Wolkenband erreicht, auf dem sowohl im linken Bereich als auch in der Mitte Christus mit einem vergoldetem Nimbus erkennbar ist. Er bewacht somit scheinbar die gesamten Szenen. Im rechten Bildbereich ist der Empfang der Seele Georgs durch einen Engel ablesbar. Der schlecht erhaltene untere Abschluss weist ein vermutlich rotes Ornamentband mit Heiligendarstellungen auf. Die Szenen des Martyriums erstrecken sich wahrscheinlich auch über den westlichen Bereich der Südwand, der jedoch mit einer Holzvertäfelung überbaut ist. Von Süd nach West zeigen sich die Stationen Georgs ohne gemalte räumliche Trennung voneinander. Aufgrund der Aquarelle im Stadtarchiv Stralsund kann in den schlecht erhaltenen südlichen Wandbereichen die Heilung eines kranken Ochsen durch Georg vermutet werden. Des Weiteren ist eine Szene des knieenden Georgs vor einer Felslandschaft mit zum Gebet gefalteten Händen dargestellt. Die gemalte Kleidung mit detailreichem, grünblauem Waffenrock und rüstungsartigen Arm- und Beinschienen, goldenem Gürtel wird in den einzeln dargestellten Szenen weitestgehend beibehalten. Neben der Felslandschaft zeigt sich ein geöffneter Sarg mit vier emporsteigenden Toten (Abb. 2). Hinter dem Sarg ist vermutlich ein König mit Zepter abgebildet, rechts neben ihm ein mit Speer bewaffneter Knecht. Im Zentrum der Darstellung ist der Märtyrer mit nacktem Oberkörper in einem großen Kessel sichtbar, der an einem Holzgestell angebracht ist. Knechte versuchen mit Hilfe eines Blasebalgs und Wedel das Feuer anzufachen. Links neben dem Kessel steht eine Figur mit gezackter Kopfbedeckung, die eine Kelle über Georgs Kopf hält. Vermutlich handelt es sich um eine Folter mit flüssigem Blei. Der nördliche Bildbereich zeigt einen knieenden Georg in gebeugter Körperhaltung mit gesenktem Haupt und betenden Händen vor dem Henker (Abb. 3). Der Henker weist eine sehr detailreiche Kleidung mit floralem Muster auf. Links daneben lehnt ein Mann mit Zepter und Federhut, der als Richter Dacian bei der Urteilsverkündigung über Georg gedeutet wird, vor einem Laubwald.

Maltechnologisch wurde die Wandmalerei als Seccomalerei ausgeführt, wobei Bindemittelanalysen auf eine Temperatechnik hindeuten. Deren ölige Bestandteile sowie Reste von Proteinleim konnten nachgewiesen werden.

Der Erhaltungszustand der Darstellung war stark durch umfangreiche Schäden gekennzeichnet, deren Ursache auch im Vorhandensein von bauschädlichen, stark hygroskopisch wirkenden Salzen begründet liegt. Außer strukturgeschwächten Bereichen und größeren Hohlstellen im Putz zeigte sich die Malschicht überwiegend abgelöst und lag nur noch schollenartig an der Wandoberfläche. Zahlreiche Bereiche wiesen bereits Verluste der Fassung auf. Daher wurde schwerpunktartig die Festigung und Konservierung der Malschicht vorgenommen. Die Festigung erfolgte zunächst mit einem hochwertigen Hausenblasenleim vom Stör mittels eines Vernebelungssprühverfahrens, um die Bildung von schweren Tropfen zu verhindern. Die Anwendung von Störleim für die Festigung von Fassungen auf mineralisch gebundenen Trägern weicht dabei von sonst üblichen Wandmalereifestigungsmitteln ab. Die Verwendung wurde aufgrund der Ergebnisse für Klebkraft und Fließvermögen an Testflächen favorisiert und präsentiert ein überzeugendes Festigungsresultat. Durch wechselseitiges Festigen und reinigende Maßnahmen konnten auch immense Verschmutzungen der Farbschicht deutlich reduziert werden. Die Konservierung der Schäden am Putzträger und partiell auch an schadhaften Backsteinen des Mauerwerks erfolgte durch eine Strukturfestigung mit Kieselsäureester und die Hinterfüllung der Hohlstellen mittels kalkgebundenem Injektionsmörtel.

Im Zuge der zu Beginn des 20. Jahrhunderts durchgeführten Freilegung und Überarbeitung der Wandmalerei wurden zahlreiche Putzergänzungen, Retuschen und Übermalungen ausgeführt, die partiell ebenfalls aufgrund des großen Schädigungsgrades erneuert werden mussten. Grundsätzliches Ziel der Konservierung und Restaurierung war der Erhalt des überkommenen Zustandes auch mit jünger eingebrachten Ergänzungen. Mit der Retusche sollten die Fehlstellen, Rostlaufspuren, Putzergänzungen sowie auch jüngere Übermalungen und Veränderungen im Sinne einer beruhigenden Integration farbig geschlossen werden. In methodisch ablesbarer, sehr filigran und sensibel ausgeführter Strichretusche in den Fehlflächen gelang es den Restauratoren, die Ablesbarkeit der überkommenen Wandmalerei deutlich zu verbessern.

Dipl. Rest. Elke Kuhnert

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