Jagdschloss Granitz, Rittersaal

Denkmal des Monats August 2013

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Abb. 1: Jagdschloss Granitz

Abb. 1: Jagdschloss Granitz

Das in der Folge des Kieler Friedens 1815 zu Preußen gekommene Rügen erlebte in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts einen wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwung, beispielsweise mit der Einrichtung des ersten Seebads der Insel bei Lauterbach, verbunden mit reger Bautätigkeit. Fürst Wilhem Malte I. zu Putbus' enger Kontakt zum preußischen Hof ließ bei der Auswahl der Planung und Ausführung fürstlicher Bauten die Wahl bevorzugt auf Berliner Architekten fallen. So stammen auch die Entwürfe für das 1838–1846 anstelle eines 1730 gebauten und 1810 abgetragenen Belvederes errichtete Jagdschloss Granitz von Johann Gottfried Steinmeyer und Karl Friedrich Schinkel (Abb. 1).

Die derzeitige umfassende, schrittweise Restaurierung und Sanierung wurde im Jahr 2008 begonnen. Erste Raumbereiche im Erdgeschoss mit neuer Dauerausstellung konnten bereits wieder für die Besucher zugänglich gemacht werden. Das museale Konzept im Jagdschloss Granitz befasst sich thematisch zum einen mit der Baugeschichte des Jagdschlosses und der aristokratischen Jagd als historischem gesellschaftlichem Ereignis. Zum anderen widmet sich die Ausstellung dem Leben und Wirken seiner fürstlichen Bewohner, zeigt dieses dabei – soweit wie möglich – anhand historischer Raumausstattungen der Mitte und der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Einer der bedeutendsten Räume des Hochparterres ist der Rittersaal (Abb. 2–3) mit seiner reich dekorierten Doppelflügeltür, repräsentativ in gerader Achse gegenüber dem Haupteingang mit Vestibül gelegen. Dennoch erreicht man ihn nur auf inszenierte Weise über den Umweg eines jeweils halben Treppenlaufes nach oben und wieder hinab. Den Eintretenden erwartet ein in seiner Stimmung an mittelalterliche Hofstuben erinnernder Saal mit halbrundem Abschluss, gestaltet mit mehrfarbigem Steinfußboden und neogotischem Dekor.

Eine erhebliche planerische Herausforderung stellte die Restaurierung des Marmorfußbodens dar. Ursprünglich bildeten, wie historische Fotos zeigen, dunkelgraue, graue und weiße sechseckige Marmorplatten ein gereihtes Blütenmotiv, welches spätestens bei der letzten eingreifenden Sanierung verlorengegangen war. Um den ursprünglich beabsichtigten und sehr raumprägenden Zustand wiederherzustellen, ergab sich nun die Notwendigkeit einer Neusortierung der Platten. Zuletzt durch falsches Material ergänzte Platten wurden nach Bestimmung der Marmorvarietät passend ergänzt, beispielsweise der dunkelgraue, fast schwarze Marmor aus einem Steinbruch in den Pyrenäen. Die Verlegung erfolgte mit schmalen Fugen, so dass ein sehr flächiger Eindruck entsteht.

Anhand eines im Museum aufbewahrten originalen Stücks wurde der gegossene Gipsstuckfries einschließlich seiner Fassung mit Holzimitation rekonstruiert. Er bildet den oberen Abschluss der braunen, velourierten Papiertapete mit neogotischem Dekor (Abb. 4). Farblich dazu passen die Vorhänge mit Querbehang, die nach Auswertung historischer Fotografien mit historischem Muster aus neu gewebtem Seidenstoff hergestellt wurden (Abb. 5). Die Decke mit neogotischen Zierleisten wurde gemäß restauratorischen Befunden in einem Hellblau mit weißen Stuckleisten gefasst. Der ebenfalls zur historischen Raumgestalt gehörende Messing-Kronleuchter konnte anhand von Fotografien und Analogien von Vergleichsobjekten rekonstruiert werden.

Ein ebenfalls nur noch durch Fotografien bekannter, ungewöhnlicher Ofen kehrte als Rekonstruktion an seinen historischen Ort zurück. Nach dem Vorbild erhaltener Exemplare wurde der Metallofen in Form einer Ritterrüstung des ausgehenden Mittelalters wiederhergestellt, jedoch als Ausstellungsstück ohne Heizfunktion (Abb. 6). Der Feuerungsraum befindet sich in einem Postament, aus dem die erwärmte Luft nach oben durch die Rüstung strömte. Der Rauchabzug führte aus dem Rücken der Rüstung zum Schornstein.

Mit der Wiederherstellung der prägenden Teile der wandfesten Ausstattung des Rittersaals steht den Besuchern des Jagdschlosses Granitz nun wieder ein wichtiger und in seiner raumkonzeptionellen Wirkung eindrucksvoller Repräsentationsraum der Familie von Putbus offen. In den nächsten Jahren sollen, insbesondere im Obergeschoss weitere restaurierte Räume einen Eindruck der Lebens- und Wohnkultur des Herrschaftshauses geben.

Sabine Schöfbeck

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