Die Schäferszenen - Ein gemaltes Kleinod im Schloss Mirow und dessen Restaurierung

Denkmal des Monats Oktober 2013

Schloss Mirow, Kabinett mit Schäferszenen, Zustand 1987 nach erfolgter Teilmontage Details anzeigen
Schloss Mirow, Kabinett mit Schäferszenen, Zustand 1987 nach erfolgter Teilmontage

Abb. 1: Schloss Mirow, Kabinett mit Schäferszenen, Zustand 1987 nach erfolgter Teilmontage

Abb. 1: Schloss Mirow, Kabinett mit Schäferszenen, Zustand 1987 nach erfolgter Teilmontage

Das Schloss in Mirow (Lkr. Mecklenburgische Seenplatte) beherbergt außer einer reichen Ausstattung auch eine Vielzahl an unterschiedlichen Raum- und Wandgestaltungen wie Wandpaneele, Stoffbespannungen, Papiertapeten und aufwändig gestaltete Stuckverzierungen. Viele dieser Gestaltungselemente liegen allerdings nur noch in Fragmenten vor und müssen, sofern dies möglich ist, rekonstruiert werden, um die historische Raumwirkung wieder herstellen zu können. Einige davon sind aber auch vollständig erhalten, bedürfen jedoch einer umfangreichen konservatorischen und restauratorischen Bearbeitung. Dazu gehören außer einer Tapete mit Blumenstillleben im sogenannten Gewitterzimmer, benannt nach dem von Gewitterwolken geprägten Bildhintergrund, auch die szenischen Darstellungen von Liebespaaren in Parklandschaften, sogenannte Schäferszenen aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Sie kleiden den Raum, das nach ihnen benannte Kabinett mit Schäferszenen, umlaufend und nur von einer Ofennische unterbrochen an drei Wänden aus. Die Bilder werden von illusionistisch in Rokokomanier gemalten Rahmen eingefasst und von ebenfalls gemaltem, mit Blumen geschmücktem Schnitzwerk umgeben.

Die einzelnen Gemäldebahnen sind entsprechend den szenischen Darstellungen und schmaleren Dekorationselementen unterschiedlich breit und wurden im Original überlappend mit Leim zu einem die Wand ausfüllenden großformatigen Bild zusammengefügt. Befestigt war dieses mit Nägeln auf einer Lattenkonstruktion. Lediglich im Bereich der Türen wurden die Bilder auch innerhalb der figürlichen Darstellungen über die gesamte Länge getrennt. Den unteren Abschluss bildet ein etwa 50 cm hohes Holzpaneel.

1987 waren die Gemäldebahnen bereits partiell demontiert, während sich andere Teile davon noch auf den Lattengerüsten an den Wänden befanden (Abb. 1). Nach längerem Leerstand und Bauarbeiten musste die Tapete, die sich zu diesem Zeitpunkt in einem bedauernswerten Zustand befand, aus dem Raum geborgen werden. Sie wurde in ein Restaurierungsatelier nach Potsdam verbracht, wo sie über 20 Jahre eingelagert war und erste notwendige konservatorische Maßnahmen wie Farbschichtsicherungen und eine schonende Planierung vorhandener Beulen und Verformungen des Bildträgers durchgeführt wurden. Erst im Rahmen der Gesamtsanierung des Schlosses konnte im Jahr 2012 endlich mit der eigentlichen Restaurierung begonnen werden.

Außer der konservatorischen und restauratorischen Bearbeitung der Gemäldebahnen selbst war es das Ziel, den illusionistischen Gesamteindruck des Raumes durch eine geeignete Montage wieder herzustellen. Die Schäden an den Gemälden waren vielfältig. Der Bildträger, ein Jutegewebe, zeigte Beulen und dauerhafte Verformungen sowie eine übermäßig starke Brüchigkeit in den Randbereichen der einzelnen Bahnen, hervorgerufen durch eine starke Oxidation des Gewebes. Risse und Löcher wurden bei früheren Restaurierungen mit einer Vielzahl von Flicken unterschiedlicher Qualität und Dicke rückseitig geschlossen, welche sich partiell stark auf der Malschichtseite abzeichneten. Besonders in den Bereichen der Türklinken waren größere Verluste von Träger und Malerei zu beklagen. Die Malschicht wies eine unterschiedlich stark ausgeprägte Schädigung auf, die von einer Schollenbildung des Krakelees über Bindungsverlust zum Träger bis hin zu einer zum Teil großen Anzahl kleinteiliger Verluste reichte (Abb. 2).

Außer diesen restauratorischen und konservatorischen Herausforderungen, welche diese Schäden bedingen, war es vor allem die erneute Montage im Raum, die den Restauratoren einiges an fachlichen Kenntnissen abverlangte. Der ursprüngliche Zusammenhalt der einzelnen Bahnen, wie oben beschrieben, war nicht mehr gegeben und ließ sich aufgrund des desolaten Zustandes so auch nicht wieder verwirklichen. Nach ausführlichen Diskussionen und der Abwägung verschiedener Varianten entschied man sich schließlich für eine Doublierung der zusammenhängenden Bahnen, da diese sowohl die gegebenen konservatorischen Zwänge berücksichtigte als auch – und vor allem – die Wiederherstellung des illusionistischen Raumeindrucks gewährleisten konnte. Mit einem speziell aufgeschäumten Kreidegrund wurden die zusammenhängenden Gemäldebahnen mit einer Doublierleinwand, welche auf einem Interimsspannrahmen entsprechend vorgespannt wurde, verbunden. Für einen gleichmäßigen Druck auf die großen Flächen sorgte ein über Folientaschen angelegtes Vakuum, so dass eine durchgehende kraftschlüssige Verbindung zwischen der neuen Leinwand und dem originalen Bildträger gewährleistet werden konnte. Mit dieser Maßnahme war es möglich, in einem Arbeitsschritt die Planierung des Trägergewebes und die Fassungskonservierung durchzuführen. Nach der Reinigung von überschüssigem Kreidegrund, welcher natürlich durch das relativ offene Gewebe bildseitig auch sämtliche Fassungsfehlstellen ausfüllte (Abb. 2), erfolgte eine aufwändige Kittung der noch vorhandenen Fehlstellen und der Nahtbereiche, so dass das oben beschriebene geschlossene Erscheinungsbild erreicht werden konnte (Abb. 3). Für die umfangreiche Retusche der vielen Fehlstellen wurden die Tableaus in der Werkstatt auf ihren Interimsrahmen in der geplanten Raumanordnung aufgestellt (Abb. 4).

Nach der endgültigen Fertigstellung erfolgte dann die finale Montage auf neu angefertigten Rahmen im zugehörigen Raum des Schlosses. Die Bilder können nach der Wiedereröffnung des Schlosses, vermutlich ab Mitte des Jahres 2014, von der Öffentlichkeit wieder in ihrer alten Schönheit betrachtet werden (Abb. 5).

Frank Hösel

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