Das Borwinmonument im Güstrower Dom, Lkr. Rostock

Denkmal des Monats März 2014

Güstrow, Lkr. Rostock, Dom, nordöstliche Chorwand Details anzeigen

Abb. 1: Güstrow, Lkr. Rostock, Dom, nordöstliche Chorwand

Güstrow, Lkr. Rostock, Dom, nordöstliche Chorwand

Abb. 1: Güstrow, Lkr. Rostock, Dom, nordöstliche Chorwand

Der vorerst letzte große Bauabschnitt zur Restaurierung des Güstrower Doms konnte 2012 fertig gestellt werden und beinhaltete außer der Restaurierung des südlichen Seitenschiffs im Langhaus die Bearbeitung des größten der drei Wandepitaphe von Phillipp Brandin, dem Epitaph des Fürsten Heinrich Borwin II. von 1575.

Im Unterschied zum Ulrichmonument und zum Dorotheenepitaph wurde das Borwinmonument in Sandstein ausgeführt. Das monumentale Wandgrab mit reichhaltigen Verzierungen ist das östlichste der drei Epitaphe und zeigt über der Liegefigur des Fürsten den Stammbaum des mecklenburgischen Fürstenhauses, die von einer monumentalen Säulenarchitektur eingefasst werden. Die Säulen und Postamente sind reich verziert mit bildplastischen Elementen und Rollwerk. Auf dem Architrav mit einem imposanten Gesims, das von den Säulen und zusätzlichen Konsolen getragen wird, befinden sich die Steinfiguren der Caritas und der Justitia (Abb. 1–4).

Analog zu den umfangreichen Untersuchungen im Zuge der Konservierung und Restaurierung des Ulrichmonuments und des Dorotheenepitaphs erfolgten auch am Borwinmonument eine detaillierte Bewertung der Schäden sowie die Analyse des historischen Erscheinungsbildes. Im Gegensatz zu den überwiegend materialsichtigen Wandgräbern des Herzogs Ulrich und der Dorothea von Dänemark erhielt das Borwinmonument unter Phillipp Brandin eine polychrome Farbfassung mit Teilvergoldungen des Zierrats, des Stammbaumgeästes und der Schriftzüge sowie intensiv blau unterlegter Schrifttafeln und polychrom gestalteter, floraler Ornamentzier. Durch die restauratorischen Untersuchungen konnte diese Fassung in einer Farbrekonstruktionszeichnung dokumentiert werden. Eine weitere, für das Monument maßgebliche Gestaltung wurde im Zuge der großen Umgestaltung des Innenraums im 19. Jahrhundert ausgeführt. Diese Gestaltung nimmt partiell Bezug zu den Befunden der Brandin’schen Fassung, weicht aber in wesentlichen Punkten deutlich ab und präsentiert sich insgesamt zurückhaltender. Der Sandstein wurde vollflächig mit einer öligen, dem Sandstein im Farbton ähnlichen Farbe gestrichen, wobei sich die Ornamentzier hellgelb absetzt (Abb. 5). Somit wird ein interessantes Spiel zwischen Licht und Schatten inszeniert. Die Schrifttafeln des Stammbaumes und des Architravs haben eine hellblaue Rücklage zu vergoldeten Schriftzügen und messen somit den Schriftzügen eine höhere Bedeutung bei (Abb. 6). In der denkmalfachlichen Bewertung wurde dieser Umgestaltung ein hoher Stellenwert eingeräumt.

Aufgrund der denkmalpflegerischen Zielstellung für den Innenraum zur Wiederherstellung des Erscheinungsbildes von 1868 an den Wand- und Gewölbeflächen sowie dem Erhalt der Fassung des 19.  Jahrhunderts am Altar und der direkten Korrespondenz beider Ausstattungselemente wurde auch für das Borwinmonument entschieden, seine Präsentation in der Fassung des 19. Jahrhunderts wiederherzustellen. Damit weicht das Borwinmonument in seiner heutigen Gestalt nicht nur in seiner materiellen Ausführung von den beiden weiteren Epitaphien P. Brandins ab.

Ein umfangreicheres konservatorisches Problem stellten die Arbeiten zur oberflächigen Salzreduzierung im Sockel dar. Die naturwissenschaftliche Analyse konnten zwar eine deutlich geringere Belastung bauschädlicher Salze als an der übrigen Chor-Nordwand feststellen, doch waren oberflächige Schäden bereits infolge früherer Kristallisationsprozesse und durch Kristallisationen nach der Sanierung einsetzenden Abtrocknung des Mauerwerks zu verzeichnen. Über eine Behandlung mit Salz reduzierenden Nasskompressen wurde versucht, das Salzpotenzial zu minimieren.

Während am Dorotheen- und am Ulrichepitaph immense konstruktive Probleme unter anderem durch aufgerostete Verankerungen dazu führten, dass umfangreiche statische Ertüchtigungen unter Teildemontage des Epitaphien vorgenommen werden mussten, waren die Maßnahmen zur konstruktiven Ertüchtigung hier nur in geringem Maße erforderlich. Diese Arbeiten beschränkten sich auf die konstruktive Entlastung der Konsolen des Architravgesimses und waren mit nur geringfügigen Teileingriffen am Architrav lösbar. Weitere Demontagen waren im Zuge der Konservierung am Borwinmonument nicht erforderlich, so dass die Bearbeitung in situ erfolgen konnte.

Dipl.-Rest. Elke Kuhnert

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