Familienheim und "Showroom" - Die Villa Korff in Laage

Denkmal des Monats September 2014

Laage, Lkr. Rostock, Bahnhofstraße 41, Villa Korff, Straßenansicht, 1908Details anzeigen
Laage, Lkr. Rostock, Bahnhofstraße 41, Villa Korff, Straßenansicht, 1908

Abb. 1: Laage, Lkr. Rostock, Bahnhofstraße 41, Villa Korff, Straßenansicht, 1908

Abb. 1: Laage, Lkr. Rostock, Bahnhofstraße 41, Villa Korff, Straßenansicht, 1908

Für jeden Architekten muss es ein besonderes Vergnügen sein, ein Haus nach seinen eigenen Wünschen entwerfen zu können – ohne auf die oft "lästigen" Vorstellungen fremder Bauherren eingehen zu müssen. Diese Möglichkeit hatte Paul Korff 1907 bei dem Entwurf und Bau seines Wohnhauses in seiner Heimatstadt Laage (Abb. 1).

Paul Korff (1875–1945) machte sich nach seiner Ausbildung, unter anderem bei dem bekannten Architekten Gotthilf Ludwig Möckel, mit seinem Kollegen und Schwager Alfred Krause 1899 in Rostock selbstständig. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts konnte sich das Büro A. Krause & P. Korff, später Landbaubüro Korff beziehungsweise Landbaubüro Laage, einen Namen mit dem Bau von Gutshäusern (Hasenwinkel, 1911), Villen (Villa Zeeck in Rostock, 1909) und Geschäftshäusern (Lehment in Rostock, 1914) machen. Nach der Etablierung des Architekturbüros war es Paul Korff finanziell möglich, sich ein eigenes Haus zu bauen. Das Grundstück Bahnhofstraße 41 in Laage war aufgrund der Geländesprünge kein einfacher Bauplatz für ein repräsentatives Wohnhaus des Architekten und seiner inzwischen sechsköpfigen Familie. Auf dem nach Osten hin ansteigenden Gelände mit Böschungen baute sich Paul Korff eine eingeschossige, giebelständige Villa, eingebettet in einen terrassierten Zier- und Nutzgarten (Abb. 2).

An der Nordostecke sind zwei niedrigere Seitenflügel mit Satteldächern angebaut, die im rechten Winkel zueinander stehen. Diese Flügel haben einen eigenen Zugang zu dem oberen Obstgarten. Der Haupteingang befindet sich an der nördlichen Traufseite und ist über eine Vortreppe zu erreichen. Die Straßenseite wird durch ein Zwerchhaus mit Dreiecksgiebel dominiert. An der Südwestecke verbindet eine Loggia die Straßenfassade mit der Gartenseite. An dieser Seite tritt ein flacher polygonaler Erker hervor. Zwischen Ostfassade und Flügel wurde ein moderner Wintergarten eingefügt (Abb. 3). An dieser Stelle hatte Paul Korff bereits um 1925 einen Wintergarten angefügt.

Trotz Erker und der Loggia im Südwesten macht der Baukörper mit seinen ruhigen Wand- und Dachflächen einen geschlossenen Eindruck und setzt sich damit von den historistischen Bauten des späten 19. Jahrhunderts mit ihrem oft überladenden Zierrat ab. Paul Korff greift in seinen Entwürfen auf die Bauten des 18. Jahrhunderts zurück und interpretiert die barocken Bauten modern, indem er nicht nur Formen des Jugendstils beispielsweise für Fenster und Türdrücker verwendet, sondern auch moderne Haustechnik wie Elektrizität und Zentralheizung zum Einsatz kommt.

Obwohl es sich um sein Privathaus handelt, hat Paul Korff es bereits 1908 zu Werbezwecken publiziert.(1) In dem Beitrag in der Zeitschrift "Das deutsche Landhaus" wurde besonders auf die Innengestaltung des Hauses Korff eingegangen. Damit empfahl sich Paul Korff bei seinen Auftraggebern auch als Innenarchitekt.

Die Haupträume des Erdgeschosses werden von der zentralen Diele erschlossen (Abb. 4). Im Süden befand sich das Garten- und Damenzimmer, heute ein Wohnzimmer. Die Westseite mit der Loggia nimmt das Herrenzimmer ein. Die Wirtschafträume lagen in den beiden Seitenflügeln, die über eine Dachterrasse direkt von dem oberen Garten aus zugänglich waren.

Im Inneren ist nicht nur der Grundriss fast unverändert erhalten, überkommen sind auch große Teile der baugebundenen Ausstattung. Die Wandfassungen – vor allem in der Diele, dem Herrenzimmer sowie an der Südseite im Damenzimmer und Gartenzimmer – haben trotz (oder wegen) Übermalungen 100 Jahre überstanden. Das überaus reiche Wanddekor konnte nach vorhergehenden Untersuchungen wieder restauriert und – wo es notwendig war – rekonstruiert werden.(2)

Großbürgerliche Villen verfügten im 19. Jahrhundert und Anfang des 20. Jahrhunderts über ein bestimmtes Raumprogramm. Dazu gehörte unzweifelhaft eine möglichst über zwei Geschosse reichende Eingangshalle, die Diele mit einer Treppe, die zu einer Galerie führte, von welcher die Räume des Obergeschosses erschlossen wurden.

Solche Eingangshallen befinden sich in den meisten von Paul Korff entworfenen Villen und Gutshäusern, hier sind sie in der Regel holzvertäfelt. Auch die Villa Korff besitzt eine solche zweigeschossige Halle beziehungsweise Diele, obwohl die Maße hier eher bescheiden sind (Abb. 5). Die Besonderheit an den Wandfassungen im Hause Korff ist jedoch der plastische Kammstuck, der sich auch im Herrenzimmer und an den Türlaibungen des Damenzimmers findet.

Historische Aufnahmen zeigen die Diele mit einem umlaufenden, floralen Wandfries unterhalb der Decke (Abb. 6), für eine Rekonstruktion ergab sich kein ausreichender Befund. In dem heute ungestalteten Wandabschnitt oberhalb des Kamins befand sich ursprünglich ein kleiner Erker mit einem Fenster, durch das man vom Elternschlafzimmer in die Halle blicken konnte. Erhalten blieb die große Leuchte, ursprünglich eine Gasleuchte, die heute elektrifiziert ist (Abb. 7). Im Obergeschoss setzen sich die Niveausprünge fort. Hier befanden sich die Schlafzimmer, es ist jedoch keine nennenswerte Ausstattung überliefert.

Blickfang in der Diele war der Kamin mit Ziegelverblendern, der sich jedoch nicht mittig unter dem Relief, das einen bacchantischen Zug darstellt, befand, sondern rechts davon. Ein Pendant auf der linken Seite bildete ein Holzschrank. Diese symmetrische Gestaltung wurde durch die beiden Spiegel verstärkt. Um die achsiale Ausrichtung wiederherzustellen, sind an ihre Stelle an beiden Seiten Nischen getreten, die noch mit Einbauschränken gefüllt werden sollen. Anstelle des mittigen Sitzplatzes suggeriert nun eine leere Nische, die mit einem aufgeputzten Flechtwerk ausgestattet ist, den Standort eines Kamins (Abb. 8–9).

"Die Kamingestaltung spielt überhaupt im Charakter der Diele und Halle eine wesentliche Rolle. […] Abgesehen von der rein ästhetischen und dekorativen Wirkung, die durch wohlbedachten Wechsel von schwerem Metall in wertvollen Treibtechniken mit Marmor und Fliesenkeramik hervorgerufen wird und das Raumbild stark beeinflußt, ist der gemütliche Reiz einer Kaminecke oder eines lauschigen Kaminsitzplatzes ausschlaggebend gewesen für die jetzt wieder erfreulicherweise stark in Erscheinung tretende Verwendung des Kamins im Innenraum."(3)

Dieser Materialmix fand sich in der Villa Korff nicht nur an dem Hallenkamin, sondern auch am Kamin des Damenzimmers. Hier werden Ziegelverblender, Marmor und Holz verwendet: Eine hölzerne Sitzbank verband den Kamin mit den Stuckrahmungen an der benachbarten Türlaibung (Abb. 10).

Das westlich gelegene Herrenzimmer (Abb. 11–12) hat eine gewölbte Decke. Als Stütze dient scheinbar eine Granitsäule, die in Wirklichkeit eine Betonsäule mit granitimitierendem Anstrich ist. Auch hier findet sich die auffällige plastische Wandfassung, die an Flechtwerk erinnert. Aufgrund des Geländesprungs liegt das Herrenzimmer tiefer als die übrigen Räume – hat aber eine erhöhte Bücherecke. In einer zeitgenössischen Publikation wird die Einrichtung des Herrenzimmers beschrieben, zum Teil mit Angaben der Hersteller:

"Dies Zimmer, als Wichtigstes im Hause, liegt fünf Stufen tiefer als die Halle und alle übrigen Wohnräume (Terrainverhältnisse). […] Eine Bücherei liegt drei Stufen erhöht. Regale mit Rolläden und Aktenschränken sind in Wandnischen eingebaut. Das Tonnengewölbe ist lichtgrau und gelblich getupft, im Erker ist eine Holzbalkendecke, an den Wänden Holzverkleidung, rotgebeizte Kiefer. Die Fenster rote Tuchgardinen und seidenartige Vorhänge, graubraun mit Rot. Graublauer Delmenhorster Korkbelag und ebensolcher Wollteppich aus den Dresdener Werkstätten."(4)

In den Publikationen wird auch die Inneneinrichtung des Hauses mit den teilweise von Paul Korff entworfenen Möbeln – wie das Buffet im Gartenzimmer – hervorgehoben. Von diesen Möbelstücken sind leider keine erhalten geblieben. Paul Korff ließ die Möbel und auch andere Arbeiten in und an seinem Haus von den lokalen Handwerkern ausführen. Mit diesen arbeitete er auch bei anderen Projekten zusammen, er empfahl sie zudem seinen Bauherren.

Die beiden Räume an der Südseite, das Gartenzimmer mit Erker und das Damenzimmer, bilden nach einem bereits früh erfolgten Abbruch der Trennwand einen großen Wohnraum. Bei der Sanierung wurde die ursprüngliche Decke des Gartenzimmers mit der fast unversehrt erhaltenen bauzeitlichen Malerei entdeckt. Die Putzfelder zwischen den bemalten Holzbalken ziert an jeder Längsseite ein Fries aus alternierenden Eichhörnchen und Kranichen in einem Blattwerk (Abb. 13–14).

Die qualitativ sehr hochwertigen Wand- und Deckenfassungen in den beschriebenen Räumen können dank der engagierten Eigentümer Sabine und Andreas Pieper, der sensiblen Planung der Architektin Gabriele Schuldt, der fachgerechten Restaurierung und Rekonstruktion durch Fred Kluth und dem Stukkateur Siegfried Thiede sowie finanzieller Unterstützung durch das Förderprogramm ELER wieder in altem Glanz erstrahlen. Die Ergänzung moderner Elemente wie zum Beispiel Lichtschalter oder Treppenbeleuchtung wurde elegant zurückhaltend ausgeführt. Paul Korff hätte sich gegen diese Modernisierungen bestimmt nicht gewehrt!

Elke Onnen


Anmerkungen

(1) [kein Vorname] Kauffmann, Paul Korff. – Das Deutsche Landhaus, 1908 Heft 5/6, S. 489–521.

(2) Restauratorische Voruntersuchung: Das Wohnhaus des Architekten Paul Korff Bahnhofstraße 41 in Laage. Restauratorenteam Fred Kluth & Jörg Schröder. Neu Mistorf, Rostock 2011.

(3) Friedrich Dietert, Die Raumgestaltung der Diele. – Wohnungskunst, 8. Jahrgang 1916, Februar, S. 49–62 (hier S. 53).

(4) Erich Haenel/Heinrich Tscharmann, Die Wohnung der Neuzeit, S. 225. Leipzig 1908.

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