Die Außenrestaurierung der ehemaligen Gutskirche zu Rothenklempenow im Landkreis Vorpommern-Greifswald

Denkmal des Monats Dezember 2014

Rothenklempenow, Lkr. Vorpommern-Greifswald, Kirche von Südosten Details anzeigen

Abb. 1: Rothenklempenow, Lkr. Vorpommern-Greifswald, Kirche von Südosten

Rothenklempenow, Lkr. Vorpommern-Greifswald, Kirche von Südosten

Abb. 1: Rothenklempenow, Lkr. Vorpommern-Greifswald, Kirche von Südosten

Das Dorf Rothenklempenow besitzt ein besonders elegantes und wohlproportioniertes Kirchengebäude, dessen Äußeres in den letzten zwei Jahren auch mit Hilfe von Fördermitteln des Landes aufwendig restauriert werden konnte (Abb. 1).

Rothenklempenow war seit dem 13. Jahrhundert im Besitz der Familie von Eickstett. Von einer ehemaligen mittelalterlichen Burganlage existiert heute nur noch der sogenannte Fangelturm, ein runder Turm aus Backstein, bei dem es sich wohl um den ehemaligen Bergfried der Burg handelt. 1760 begann der Neubau des Gutshauses in Fachwerkbauweise. Diverse Nebengebäude (Torhaus, Brennerei, Dampfmahlmühle, Scheunen, Kuh-, Pferde-, Schaf- sowie Kutschpferdestall) aus dem 19. Jahrhundert sowie eine Parkanlage runden die Gutsanlage ab.

Doch die zwischen 1733 und 1738 in Ziegelmauerwerk errichtete und verputzte Kirche ist der eigentliche gestalterische Höhepunkt des Ortes, denn sie bietet eine besondere architektonische Qualität. Gequaderte Lisenen im Bereich des Turmes (Abb. 2), Pilaster im Eingangsbereich, Faschen und Spiegel in den Fensterachsen und horizontale Gesimse gliedern den Bau. Über dem Portal prangt eine reich verzierte Wappenkartusche, welche die Wappen und Namen der Patronatsherren Gerhard von Eickstett & Dorothea von Viereck zeigt. Den Turm schließt eine durchbrochene Haube ab. Von Besonderheit ist auch das barocke Dachwerk mit liegendem Stuhl und Kreuzstreben, die bis in die Fußpunkte der barocken, den Innenraum überspannenden Tonne reichen und so eine konstruktive Einheit von Dach und Decke bilden (Abb. 3–4).

Im Inneren setzt sich diese hohe baukünstlerische Qualität fort, indem ein symmetrisch proportioniertes Kastengestühl (Abb. 5), die ehemalige wappenbekrönte Patronatsloge (Abb. 6) und ein großer, plastisch reich verzierter Kanzelaltar (Abb. 7) vorzufinden sind.

Die Kirche erhielt zuletzt in den 1980er Jahren einen Zementaußenputz, der zu einer starken Vergröberung und Verunklärung der Architektur führte und typische Feuchteschäden am Mauerwerk hervorrief. Nach der notwendigen Abnahme des gesamten Putzes unter Begleitung eines Restaurators wurde deutlich, dass viele architektonische Elemente, wie beispielsweise die Spiegel unter den Fenstern und verschiedene horizontale Profilierungen durch den Zementputz überdeckt waren. Die denkmalpflegerische Zielstellung wurde nun gemäß dieser deutlichen Befunde während der Arbeiten präzisiert und entschieden, die barocke Architektur- und Formensprache gemäß restauratorisch und bauhistorisch ermittelter Befunde insgesamt wiederherzustellen. Dabei wurde nach der Putzabname zunächst das Ziegelmauerwerk ausgebessert. Die für das architektonische achsiale Erscheinungsbild der Kirche wichtigen, unter den Fenstern liegenden Spiegel wurden wieder freigelegt. Anschließend wurde ein Kalkputz nach denkmalpflegerischer Vorgabe aufgetragen (Abb. 8). Die bauhistorisch ermittelten Architekturteile konnten so wiederhergestellt werden.

Besondere Sorgfalt erforderte die Restaurierung der Wappenkartusche der Patronatsfamilien von Eickstett und von Viereck über dem Eingangsportal, die im Gegensatz zur übrigen Architekturgliederung aus Sandsteinplatten besteht. Der Sandstein selbst war substanziell in gutem Zustand, jedoch die Zierrate der Wappen, die teilweise auch aus Putzstuck bestehen und durch Wassereinwirkung stark geschädigt und verkrustet waren, mussten durch den Restaurator aufwendig konserviert und die Fehlstellen in den Schadensbereichen vorsichtig ergänzt werden (Abb. 9–10). Anschließend erhielt der gesamte Außenbau eine hellockerige, monochrome Farbfassung, die auf dem restauratorischen Untersuchungsergebnis basiert.

Die Fenster, die wohl in den 1920er Jahren eine Stahlkonstruktion erhielten, waren so korrodiert, dass sie nicht erhalten werden konnten. Auch eine originalgetreue Wiederherstellung dieser Konstruktion war produktionsbedingt nicht mehr möglich. So wurde entschieden, die Fenster im Einklang mit der Wiederherstellung des äußeren barocken Erscheinungsbildes in Holz mit einer Bleiverglasung in Anlehnung an die Gestalt adäquater, zeitgenössischer Fensterkonstruktionen des 18. Jahrhunderts, etwa die der Ueckermünder Marienkirche, zu rekonstruieren.

Von der bis dato erhalten gebliebenen historischen Biberschwanz-Dachdoppeldeckung (Abb. 11) konnte nach Abnahme und Aussortierung ein Teil im Bereich der Turmabseiten und auf der Nordhalle wieder verwendet werden und so weiterhin bewahrt bleiben.

Im Rahmen der Sicherung konnte auch die verschlossene Gruft der Familie von Eickstett geöffnet und archäologisch untersucht werden. Dem heillosen Durcheinander einer Vielzahl von am Boden zerstreuten und von Schmutz überlagerten Knochen, Sargresten und Beschlägen nahm sich die Archäologin an, die die Fundstücke aufwendig hob, sicherte und ordnete. Die einzelnen Teile wurden sorgfältig befundet, katalogisiert und in eigens dafür hergestellten neuen Särgen bestattet. In Regalen, die man in der Gruft aufstellte, deponierte man die Sargreste und Beschläge. Die Gruft wurde anschließend wieder verschlossen.

Zukünftig bedarf der Innenraum der Kirche der restauratorischen Sicherung. Das heutige Erscheinungsbild wird von einer feinen, klassizistischen Ausmalung geprägt, die sowohl die Innenwände und die gewölbte Decke als auch die Ausstattung überfasst (Abb. 12). Denkmalpflegerisches Ziel ist es, diese letzte raumprägende und qualitativ hochwertige Fassung zu erhalten.

Jens Amelung

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