Neues Dach auf altem Schloss - Dachsanierung am Schloss Kummerow

Denkmal des Monats Februar 2015

Kummerow, Lkr. Mecklenburgische Seenplatte, Hoffassade des SchlossesDetails anzeigen
Kummerow, Lkr. Mecklenburgische Seenplatte, Hoffassade des Schlosses

Abb. 1. Kummerow, Lkr. Mecklenburgische Seenplatte, Hoffassade des Schlosses

Abb. 1. Kummerow, Lkr. Mecklenburgische Seenplatte, Hoffassade des Schlosses

Die barocke Schlossanlage Kummerow liegt am östlichen Ufer des Kummerower Sees im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte. Von der Landstraße von Malchin kommend erreicht man die Anlage über eine leicht bergab führende Allee, die eine eindrucksvolle, repräsentativ inszenierte Zufahrt zum barocken Gutshof bietet. In Anlehnung an die Form des Cour d’honneur liegt das Corps de logis an der Nordseite, flankiert von großen Wirtschaftsgebäuden. Der barocke Schlossbau besteht aus einem zweigeschossigen Mittelteil mit hohem Mansardkrüppelwalmdach an den sich an den Stirnseiten eingeschossige Galeriebauten anschließen, die von zweigeschossigen Eckpavillons mit Mansarddächern begrenzt werden (Abb. 1-2).

Hinter dem 1733 für den preußischen Landrat Axel Albrecht von Maltzahn und seine Familie fertiggestellten Schloss befand sich eine barocke Parkanlage, die zum See heranführt. Diese wurde wohl zwischen 1830 und 1845 im Geschmack der Zeit landschaftlich nach Plänen von Peter Joseph Lenné überformt. Dabei blieb die barocke Mittelachse erhalten, wurde aber landschaftlich umgestaltet. Die Blickachsen zum See wurden durch Gehölzpflanzungen gerahmt, die eine geschwungene Raumkante bilden. Geschwungene Wege führten zum Schloss und zurück.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Haus von Flüchtlingen bewohnt. In den folgenden Jahrzehnten befanden sich im Schloss eine Konsumverkaufsstelle mit Gastwirtschaft, Bürgermeisterei, Schule, Kindergarten, Kulturraum, FDJ-Raum, aber auch Wohnungen. 1985 plante die Deutsche Post, das Schloss für das Kombinat des Fernmeldewesens als Schulungs- und Erholungsstätte auszubauen.

Im Zuge der letzten baulichen Maßnahmen in den 1980er Jahren wurde die Dachdeckung aus Biberschwanzziegeln entfernt und durch Betonsteine ersetzt. Die barocken Gaubenfronten aus massivem Eichenholz wurden abgenommen, jedoch (zumindest teilweise) im Hause eingelagert. Zu weiteren Sanierungen kam es in der Folge nicht, so dass das Haus weiter verfiel. Auch nach der politischen Wende, nun in privater Eigentümerschaft, blieb das Haus ungenutzt und dringend erforderliche Sanierungsmaßnahmen blieben aus (Abb. 3-4).

Nach mehrfachem Wechsel der Eigentümer und Konzepte, aber ohne Instandsetzungen, befand sich das Schloss 2013 in einem akut gefährdeten Zustand. Durch jahrelang unterbliebene Reparaturen und Instandhaltungen waren gravierende Schäden an Dachhaut, Dachentwässerung, Fenstern und Türen sowie am Außenputz eingetreten. Die Betondachziegel waren großflächig undicht geworden, so dass das Dachtragwerk und darunterliegende Decken durchfeuchtet wurden. Ein erheblicher Befall von tierischen und pflanzlichen Schädlingen, auch Echtem Hausschwamm, bedrohte das Dachtragwerk aus Eichen- und Kiefernholz von 1730 sowie die Stuckdecken des 18. Jahrhunderts. Durch die Schäden an den Balkenköpfen und Sparrenfüßen war auch die Anbindung des tief profilierten Traufgesimses zum Tragwerk in großen Abschnitten verloren gegangen, so dass dringendster Sicherungsbedarf bestand.

Im Jahr 2012 wurde die KWI Grundbesitz GmbH Eigentümer des Denkmals. Im darauffolgen Jahr konnte endlich mit den ersten Schritten einer denkmalgerechten Sanierung des wertvollen Herrenhauses begonnen werden. Schwerpunkt der ersten Bauabschnitte war dabei die äußere Hülle, im 1. Bauabschnitt die Sanierung der Dächer. Das Dachtragwerk der Mansarddächer auf Haupthaus, Pavillons und Verbindern entstand im Zuge der Errichtung des Schlosses in den 1730er Jahren aus Kiefern- und Eichenholz. Um die Eingriffe in das umgebende Mauerwerk, besonders auch das profilierte Traufgesims, und die wertvollen Stuckdecken so gering wie möglich zu halten, wurden durch die Planung individuelle Lösungen bei der statischen Sanierung der tragenden Holzbauteile entwickelt. Außer der traditionellen Reparatur durch Austausch geschädigter Teile in gleicher Art mit neuem Holz wurden auch additive Ertüchtigungen des Tragwerks vorgenommen. Sie sind zimmermannsmäßig ausgeführt, lassen sich jedoch als moderne Zutat neben dem historischen Tragwerk ablesen.

Aufgrund der stattlichen Größe wird die Erscheinung von Schloss Kummerow wesentlich von seinen Dachflächen geprägt. Entsprechend große Bedeutung und Wirkung kommt der neuen Dacheindeckung zu. Die Betondachsteine der 1980er Jahre wurden beseitigt und eine Biberkronendeckung mit Segmentschnitt aufgebracht, wie sie durch historische Fotos und Funde von einzelnen Ziegeln im Haus nachweisbar ist. Um das historischen Erscheinungsbild möglichst getreu wiederherzustellen, wurde besonderes Augenmerk auf das zu verwendende Material gelegt. Typisch für Dach- und Mauerziegel mindestens bis zum ausgehenden 19. Jahrhundert ist deren große Spannbreite an Farbigkeiten, die sich sowohl aus der Art der Tonvorbereitung als auch aus dem Brand in Feldbrandöfen ergeben. Es sind hell- und mittelrote, ebenso wie sehr dunkle Ziegel anzutreffen. Die Oberflächen der handgestrichenen, oft über 20 mm starken Biber sind mit Rillen für den Wasserablauf versehen. Mit diesen Eigenschaften unterscheiden sich historische Ziegel erheblich von modernen industriell hergestellten Steinen. Letztere werden aus vollkommen gleichmäßig durchgearbeitetem Ton gefertigt und unter gleichbleibenden Bedingungen gebrannt. Das so hergestellte Material besitzt nicht die gleiche individuelle Farb- und Gestaltwirkung wie die historischen Ziegel.

Der Bauherr entschied sich gerade in Hinblick auf die oben genannte kaum neu herzustellende optische Qualität des historischen Materials für eine Eindeckung mit historischen, wiederverwendeten Bibern als Oberdeckern mit neuen Ziegeln gleicher Dimensionen als Unterdeckern. Die neuen Unterdecker sind bei der Kronendeckung nur zu einem sehr kleinen Teil sichtbar, bieten aber den Vorteil, in moderner Technik verschraubt oder genagelt werden zu können. Angesichts der windexponierten Lage am Seeufer und der Größe des Daches ist dies vorteilhaft (Abb. 5-6).

Außer den Frontispizen sind die barocken Gauben das prägende dekorative Element der Dachflächen. Ihrer Wiederherstellung in möglichst getreuer Form und Anordnung wurde daher von Anfang an große Aufmerksamkeit zugemessen. Bei der eingehenden Analyse der eingelagerten jedoch stark verwitterten Gaubenfronten wurde die Form zeichnerisch erfasst und außer den gestalterischen auch die technisch-konstruktiven Details aufgenommen. Gerade aus der handwerklichen Erfahrung des Tischlers heraus konnten dabei Details erkannt und in ihrer Funktion eingeordnet werden. Es zeigte sich dabei, dass durch geschickt gestaltete Bauteilanschlüsse ein guter konstruktiver Holzschutz bewirkt werden konnte. Dieser dürfte dazu beigetragen haben, dass trotz fehlender Pflege die Gaubenfronten zumindest teilweise 250 Jahre auf dem Dach überstanden haben (Abb. 7).

Die Gauben wurden detailgetreu im historischen Material Eichenholz wiederhergestellt. Um eine gleichbleibende Materialqualität zu erhalten, wurde auf verleimte Schichten von Eichenvollholz zurückgegriffen. Verschiedene komplizierte geometrische Formen mussten dabei aufwändig per Hand ausgearbeitet werden, wodurch die neuen Bauteile nicht industriell gefertigt wirken, sondern das handwerkliche Können widerspiegeln (Abb. 8).

Im Ergebnis zeigt sich heute das Herrenhaus wieder mit einer Dachgestalt, die durch die Verwendung historischer Dachziegel und Wiederherstellung der Gauben bestimmt ist. Die gravierenden Schäden am Dach wurden handwerklich qualitätvoll beseitigt und der langfristige Erhalt sichergestellt. Das Baudenkmal von nationalem Rang hat durch die Sanierung des Haupthausdaches damit bereits wieder den repräsentativen Charakter zurückgewonnen, der seinem architektonischen Anspruch gerecht wird. Dies konnte gelingen, da die Dachgestalt sich der gealterten Fassade in angemessener, patinierter Form zuordnet und diese nicht durch neuwertige Erscheinung übertönt. Der Charakter des Baus der 1730er Jahre mit seinen Altersspuren wird so eindrucksvoll herausgearbeitet (Abb. 9-11).

Ziel der laufenden Sanierung ist die substanzschonende Reparatur und Ergänzung der Außenhülle sowie der Innenräume des Herrenhauses unter Berücksichtigung der Veränderungen bis zum frühen 20. Jahrhundert mit behutsamer punktueller Anpassung an moderne Nutzungen. Geplant ist eine Nutzung für kulturelle Zwecke.

Sabine Schöfbeck

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