Die Sanierung der Querhausportale der St. Marienkirche in Rostock

Denkmal des Monats Juli 2015

Abb. 1. Hansestadt Rostock, Sankt Marien, Nordportal, 2012 Details anzeigen

Abb. 1. Hansestadt Rostock, Sankt Marien, Nordportal, 2012

Abb. 1. Hansestadt Rostock, Sankt Marien, Nordportal, 2012

Abb. 1. Hansestadt Rostock, Sankt Marien, Nordportal, 2012

Im Rahmen des Forschungsprojektes der Deutschen Bundesstiftung Umwelt "Sanierung der umweltgeschädigten frühgotischen Kalksteinportale der Rostocker St. Marienkirche" war es möglich, die imposanten Portale detailliert zu untersuchen, ein tragfähiges Konservierungskonzept zu erarbeiten und dessen Umsetzung zu realisieren.

Die mittelalterlichen Kalksteinportale des Querhauses heben sich als repräsentative Bauzier deutlich von der die Marienkirche dominierenden Backsteinarchitektur im Äußeren ab. Die Portale der Westfassade und des Chorumgangs wurden ebenfalls in Backstein gefertigt, so dass das Süd- und das Nordportal sowie die Blattkapitelle der beiden Westportale eine gesonderte Gestaltung aufweisen.

Nach der Errichtung des großen Querhauses der Marienkirche wurden die Kalksteinportale vermutlich bereits in Sekundärverwendung eingebaut. Inwieweit sie bereits Bestandteil eines Vorgängerbaus waren, konnte bislang nicht geklärt werden. In ihrer Gestaltung und im Steinmaterial weisen das Nord- und das Südportal aber auch wesentliche Unterschiede auf. Während das Nordportal (Abb. 1) reich an ornamentalem Schmuck mit aufwendigen Blattwerkdekorationen ist und überwiegend die Verwendung eines hellbeigen Crinoidenkalkstein als Bildhauermaterial nachgewiesen wurde, zeigt das Südportal (Abb. 2) in seinen Abtreppungen mit Wülsten und Kehlen kaum weitere Ornamentzier. Es besteht aus einem grau-blauen Peloidenkalkstein mit sehr dichtem Gefüge. Beide Kalksteinvarietäten kommen vermutlich von der Insel Gotland.

Am Nordportal konnten während der Untersuchung und Bearbeitung noch historische Fassungsreste lokalisiert werden. An den Blattwerkdekorationen wurden Reste einer grünlichen Schlämme sowie Befunde einer Rotfassung (Abb. 3) an den Portalgewänden festgestellt, deren Erhalt besonderes Augenmerk galt. Die Unterschiede beider Portale wurden auch in der Verwendung von Fugenmörteln deutlich. Am Nordportal sind noch originale Gipsmörtel erhalten, die partiell zum Steinersatz Verwendung fanden. Wahrscheinlich sind bei dem mittelalterlichen Neueinbau des Portals ins Querhaus bereits umfangreichere, mechanische Schäden und Fehlstellen aufgetreten. Nach der Versetzung zeigten sich offensichtlich zum Teil umfangreiche Fehlflächen. Am Südportal sind die Gipsmörtel nur in geringem Maße vorhanden. Hier überwiegt ein kalkgebundener Mörtel, der sich in seinen Eigenschaften deutlich vom Gipsmörtel des Nordportals unterscheidet.

Beide Portale wiesen eine umfassende Beschichtung mit einer zementhaltigen Schlämme auf, die wahrscheinlich im Rahmen jüngerer Reparaturphasen ausgeführt und über die gesamten Kalksteinflächen in großer Schichtstärke aufgetragen wurde (Abb. 4). Ihre detaillierte Bewertung ergab, dass sie extrem hart war, partiell bereits hohl lag und aufgrund ihrer Durchsetzung mit zahlreichen Rissen und Fehlstellen das Eindringen von Wasser in den Naturstein ermöglichte. An vorhandenen Abplatzungen war der Kalkstein stark geschädigt. Zudem konnten in diesen Beschichtungen hohe Konzentrationen von bauschädlichen Salzen nachgewiesen werden, die für die Entscheidung zur Abnahme der Zementschlämme mit ausschlaggebend waren.

Im Rahmen des DBU-Projektes erfolgte die Abnahme der zementhaltigen Altbeschichtung zur Vermeidung eines großen Wassereintrags nach verschiedenen Versuchen und deren wissenschaftlicher Bewertung mit einem trockenen Verfahren. Versuche der Reinigung mit Laser brachten nicht das gewünschte Resultat. Im Ergebnis verschiedener Tests wurden die Flächen sehr behutsam und aufwendig überwiegend mit einem Mikropartikelstrahlverfahren (Rotosoft Futuro 101) unter Verwendung verschiedener Strahlmittel gereinigt (Abb. 5). Starke Betonantragungen wurden zuvor durch eine mechanische Ausdünnung mit Druckluftmeißeln und Druckluftmikromeißeln zurückgearbeitet.

Risse, die sich überwiegend durch die Rostsprengung der Türverankerungen zeigten, erforderten eine Haftpunktverklebung durch Epoxidharz gebundene Klebmittel zur konstruktiven Sicherung mit dem Einbringen zusätzlicher Vernadelungen durch Glasfaserstäbe. Weitere Risse und aufgespaltene Steine erforderten ebenfalls eine Sicherung und Verklebung durch den Einbau von Edelstahl-Gewindestangen.

Oberflächige Schäden am Gesteinsmaterial zeigten sich bei beiden Kalksteinvarietäten durch Schalenbildungen, Aufblätterungen und der Trennung einzelner geologischer Schichten durch kleinere Risse. Am Nordportal wurden auch Absandungen und Abbröckelungen deutlich (Abb. 6). Die Unterschiede der beiden Portale erforderten individuelle Konservierungskonzepte sowie die Verwendung unterschiedlicher Konservierungsmaterialien. Ziel war es, die überkommene Substanz zu sichern und Ergänzungen auf Bereiche zu beschränken, die konservatorisch notwendig oder zur Ablesbarkeit der Architektursprache unverzichtbar sind.

Nach Abnahme der zementhaltigen Schlämme sollte die wiedererlangte Steinsichtigkeit ebenfalls beibehalten werden. Zur Festigung des hellbeigefarbenen Nordportalkalksteins kam eine strukturelle Festigung mit einem Kieselsäureester zur Anwendung, der speziell für die Verarbeitung an Kalkstein entwickelt wurde. Hohlstellen wurden nach der Auswertung verschiedener Testreihen durch die Injektion kalkgebundener Hinterfüllmörtel aufgefüllt und gesichert (Abb. 7). Durch den Zusatz von Pigmenten wurden die Mörtel zudem farblich dem Stein angepasst. Zonen mit umfangreicheren Oberflächenverlusten am Gestein, besonders Bereiche, wo die Gefahr einer erneuten Wasseransammlung bestand, bedurften einer oberflächigen Überfilzung mit einer Kalkmörtelschlämme, die farblich an den überkommenen Bestand angepasst wurde. Nach einer vollständigen Bearbeitung des Steins mit der Kalkmörtelschlämme wurde sie jedoch wieder abgerieben, so dass sie nur die Vertiefungen des Steins ausfüllt.

Die Neuverfugung des Südportals erfolgte nach Entfernung der zementgebundenen Fugenmörtel jüngerer Reparaturphasen ausschließlich mit Kalkmörtel (InNOVOcal Fugenmörtel), die Oberfläche wurde abschließend mit der Kalkmörtelschlämme (InNOVOcal Basic fein) an den Steinbestand angeglichen.

Gemäß dem historischen Bestand erfolgten die Ergänzungen am Nordportal mit differenzierten Materialien. Am hellbeigen Crinoidenkalkstein wurden die Fugen mit überkommenem Gipsmörtel wieder mit einem Hochbrand-Gips-Mörtel mit entsprechender farblicher Anpassung repariert. Im Bereich des grauen Peloidenkalksteins erfolgte die Bearbeitung analog zum Südportal unter der ausschließlichen Verwendung kalkgebundener Mörtelsysteme. Antragungen an schwächer dimensionierten Fehlstellen nahm man in der beschriebenen Materialdifferenzierung vor. Ausschlaggebend hierfür war der Befund von bauzeitlichen Antragungsmassen in einem sehr ähnlichen Material. Zur Wahrung der Authentizität des überkommenen, freigelegten Zustands der Portale beschränkten sich diese Antragungen im Wesentlichen auf konservatorisch notwendige Bereiche (Abb. 8).

Da auch Steinergänzungen in ausgewählten Fehlbereichen insbesondere am grauen Peloidenkalkstein notwendig waren, erfolgte deren Ausführung nach intensiver Materialsuche und Kennwertermittlung im Vergleich zum Original mit einem Gotland-Kalkstein vom Typ Hoburgen (Abb. 9-11). Die Rückseiten der Ergänzungen wurden in Form und Profil den Fehlstellen so angeglichen, dass damit kein weiterer Substanzverlust am Original verbunden war. Die Befestigung erfolgte durch ein verdecktes Einkleben von Glasfaserstäben mit Epoxidharz und einer anschließenden Verfugung der Anschlussbereiche.

Die Ergebnisse der Untersuchungen und Testreihen zum Konservierungskonzept wurden im Rahmen des DBU-Projektes erfolgreich in die Tat umgesetzt und so präsentieren sich die Portale nunmehr in restauriertem Zustand. In einem Kolloquium wurden die Ergebnisse öffentlich vorgestellt.

Elke Kuhnert

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