Altar und Stiftertafel - Der Altar der Klosterkirche Rühn und seine wiederholte Restaurierung

Denkmal des Monats Oktober 2016

Abb. 1. Rühn, Lkr. Rostock, Klosterkirche, Altar, Gesamtansicht, 1992 Details anzeigen

Abb. 1. Rühn, Lkr. Rostock, Klosterkirche, Altar, Gesamtansicht, 1992.

Abb. 1. Rühn, Lkr. Rostock, Klosterkirche, Altar, Gesamtansicht, 1992

Abb. 1. Rühn, Lkr. Rostock, Klosterkirche, Altar, Gesamtansicht, 1992.

Die Klosterkirche Rühn beherbergt neben anderen künstlerisch wertvollen Ausstattungsstücken wie dem barocken Grabmal der Herzogin Sophie Agnes oder der Fürstenempore und der Kanzel aus der Zeit um 1578 auch einen gemalten Flügelaltar aus eben dieser Zeit.(Abb. 1) Als Stiftung des in Güstrow residierenden Herzogs Ulrich und seiner dänischen Gemahlin Herzogin Elisabeth zitiert er die mittelalterliche Tradition eines Tryptichons mit Predella, Mittelschrein und wandelbaren Flügeln, wobei die rahmende Architektur allerdings ganz dem Zeitgeschmack des ausgehenden 16. Jahrhunderts entspricht. Während der Mittelteil mit der Abendmahlsdarstellung und der bekrönenden Kreuzigungsgruppe einen eindeutigen liturgischen Bezug hat, zeigen die Flügel mit den ganzfigurigen, knienden Stifterfiguren sowie den rückseitig gemalten Wappendarstellungen und Inschriften, die eigentliche Bestimmung dieses Werkes als eine Art Stiftertafel. Als Schöpfer kann, auch an Hand von drei Signaturen (Abb. 2) an verschiedenen Stellen der einzelnen Tafeln, eindeutig Cornelius Krommeny, der niederländische Hofmaler Herzog Ulrichs, benannt werden. Die Architektur des Altars schuf vermutlich der Güstrower Hofbildhauer Philipp Brandin.

Bei einer umfassenden Restaurierung im Jahr 1931 wurden die Tafeln demontiert und in Dresden restauriert. Erst auf Grund eines Diebstahls des rechten Flügels mit der Darstellung der Elisabeth und dessen Rückgabe im Jahr 1981 war ein erneuter restauratorischer Eingriff erforderlich, welcher sich allerdings nur auf diesen Flügel beschränkte. Bei dieser Tat wurde nicht nur der Schmuckrahmen gewaltsam zerstört (Abb. 3), um an das Tafelgemälde als Solitär zu gelangen, sondern aus dem gleichen Grund die gesamte Wappenmalerei auf der Rückseite bis auf den Träger unwiederbringlich abgehobelt (Abb. 4). Zum Ausgleich des Feuchteverhaltens der Eichenholztafel wurde die bloßliegende Rückseite im Rahmen der Restaurierung mit einer dünnen farbigen Grundierung versehen, die auch als Basis für eine angedachte Rekonstruktion der Wappendarstellung dienen sollte.

Bereits 2004 fand eine weitere Bearbeitung nun auch der anderen Tafeln statt, welche sich durch die beschränkten finanziellen Mittel allerdings auf eine konservatorische Sicherung der Malereien beschränken musste, um hier wenigstens den drohenden Malschichtverlusten durch ein den klimatisch schwierigen Verhältnissen geschuldetes, großflächiges, kleinteilig aufstehendes Krakelee, vorzubeugen. Auch hatten sich durch das starke Schwinden und Quellen des Holzträgers die Leimverbindungen des restaurierten Schmuckrahmens erneut gelöst, so dass die rechte Bildtafel abzustürzen drohte (Abb. 5).

Als Grund für dieses Dilemma, was auch zehn Jahre später erneut einen restauratorischen Eingriff dringend erforderlich machte, kann eindeutig der ungünstige Standort des Altars vor der mit einer klaren Rautenverglasung bestückten lichtdurchfluteten Ostwand des Chores benannt werden, die aufgrund des Gegenlichtes nicht nur ein ungestörtes Betrachten des Altars erschwert, sondern vor allem durch wechselnde Licht- und Temperaturverhältnisse für ein Schwanken der Holzfeuchte mit übermäßigem Quellen und Schwinden der Bildtafeln sorgt, was unweigerlich zu einem Kontaktverlust der spröden Grundierung und Malschicht untereinander und zum Träger mit allen daraus resultierenden Folgen führt. So war der Zustand neben den üblichen Verschmutzungen vor allem geprägt von Fassungslockerungen (Abb. 6), kleinteiligen, aufstehenden und sehr spröden Krakeluren, hohlliegenden, aber oberflächlich geschlossenen Fassungsbereichen und bereits vorhandenen Fassungsfehlstellen, welche zum Teil bis zur Grundierung, aber auch partiell bis auf den Träger reichten (Abb. 7). Vorderseitig zeigte sich besonders im unteren Predellenbereich Schimmelbefall (Abb. 8) und der Firnisüberzug der Gemäldetafeln war partiell krepiert, das heißt, er war kleinteilig gerissen, so dass er den Blick auf die darunter liegende Malschicht trübte (Abb. 9). Besonders in Mitleidenschaft gezogen war die noch vorhandene Wappenmalerei des linken Flügels. Als Reaktion auf die starke direkte Lichteinwirkung wirkte die Malerei ausgelaugt und die Malschichtlockerungen waren besonders ausgeprägt (Abb. 10).

Dank der großzügigen Unterstützung der Ostdeutschen Sparkassenstiftung konnte 2015 noch einmal eine umfassende Konservierung und Restaurierung des Kunstwerkes mit dem Ziel in Angriff genommen werden, ein auf den Erfahrungen der vergangenen Arbeiten aufbauendes und im Rahmen des Möglichen dauerhafteres Ergebnis zu erreichen. Dazu sollte vor allem außer der restauratorischen Aufwertung der Farbfassung eine Lösung für einen Schutz vor einer übermäßigen Licht- und Wärmebelastung der Holztafeln gefunden werden.

Zur Bearbeitung wurden die Flügel demontiert. Da sich die Flügel – jedenfalls in neuerer Zeit – nicht vollständig schließen ließen, wurde erst bei der Demontage ein interessantes konstruktives Detail deutlich: Um ein vollständiges Schließen überhaupt zu ermöglichen, mussten sich im Rahmen der hier vorhandenen Aufhängung nicht nur die mittels Scharnieren an den Säulen aufgehängten Tafeln bewegen, sondern nach 90 Grad auch die drehbar gelagerten Säulen, speziell die Säulenschäfte selbst. Da durch ein leichtes Kippen der Gesamtkonstruktion die Säulen leicht verklemmt waren, war es wichtig, durch Bearbeiten der unteren und oberen Abschlussflächen der kannelierten Säulenschäfte die vollständige Drehung wieder zu ermöglichen. Während und nach der Reinigung der Oberflächen erfolgte die Festigung und Niederlegung der Malschicht mit Hausenblasenleim über Japanpapiere mit dem Heizspachtel. Der Schimmelbefall wurde ohne Einsatz von Fungiziden lediglich mit Isopropanol abgenommen. Zur Sicherheit setzte man dann beim Einbringen des Hausenblasenleims in den gefährdeten Bereichen ein Konservierungsmittel zu. Der teilweise blinde Firnisüberzug wurde in mehreren Arbeitschritten vollständig mit verschiedenen Lösemittelgemischen abgenommen und die Tafeln erhielten nach Beendigung aller Arbeiten einen dünnen matten Überzug aus Dammarharz, gelöst in Terpentin.

Wie erwartet, zeigten sich nach der Abnahme des Firnis neben den bereits sichtbaren Fehlstellen und Retuschen weitere Fehlbereiche und Kittungen, welche partiell belassen werden konnten, aber zum Teil auch aus konservatorischen Gründen entfernt werden mussten (Abb. 11). Alle vorhandenen Fehlstellen wurden abschließend mit einem Kreidegrundkitt geschlossen und farblich mit Gouache- und Ölfarben integriert (Abb.  12-14).

Abschließend sollte ein rückseitiger Lichtschutz dafür sorgen, dass die Belastung der empfindlichen Materialien durch Licht- und Wärmestrahlung auf ein Minimum reduziert wird. Verschiedene Möglichkeiten, wie Vorhänge direkt vor den Fenstern oder aufgeklebte UV-Schutzfolien wurden diskutiert und verworfen. Man entschied sich letztlich für eine rückseitig mit Abstand direkt am Altar angebrachte, leichte Rahmenkonstruktion, wie sie in ähnlicher Form bereits beim mittelalterlichen Marienaltar der St. Johanniskirche in Malchin zur Anwendung gekommen ist. Dabei wurde ein großer Rahmen für die Mitteltafel und zwei nach hinten klappbare Seitenrahmen mit einem Verdunklungsstoff bespannt, wobei der Abstand zu den Holztafeln dafür sorgt, dass sich kein Wärmestau bilden kann (Abb. 15). Die Konstruktion ist leicht und kann auch ohne Werkzeug zu Kontrollzwecken problemlos entfernt werden. Bei einer Wandlung der Flügel ist es möglich, die Seitenrahmen nach hinten zu klappen und sie so aus dem Blickfeld der Betrachter verschwinden zu lassen. Da mit dieser Lösung das oben erwähnte Gegenlicht nicht vermindert werden konnte, sollte es eine dezente Beleuchtung ermöglichen, die Betrachtung dieses nun wieder in seiner alten Schönheit erstrahlenden Kunstwerkes ungestört zu genießen. Ausgeführt wurden die Arbeiten unter der Leitung der Diplomrestauratoren Katrin Lau und Heiko Brandner.

Frank Hösel

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