Nachruf

Klaus Hero Winands (1954-2016)

Dr. Klaus Hero Winands. Foto: LAKD M-V/LD, A. Bötefür Details anzeigen
Dr. Klaus Hero Winands. Foto: LAKD M-V/LD, A. Bötefür
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10.08.2016  | LDP  | LAKD - Landesdenkmalpflege

"Geschichte bedarf der Denkmale als Vermittler und als Anschauungsobjekte" schrieb Klaus Hero Winands 2014 in einem Beitrag der Reihe "Denkmal des Monats" auf der Homepage des Landesamtes für Kultur und Denkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern. Die Denkmalvermittlung und damit die Erhöhung der Akzeptanz der Denkmalpflege bei den Menschen im Lande waren ihm ein besonders wichtiges Anliegen, das er zeitlebens verfolgte. Im April 2016 ist Landeskonservator a.D. Dr. Klaus Hero Winands nach langer Krankheit in Hamburg verstorben.

Der aus Aachen stammende Kunsthistoriker studierte nach seinem Abitur Bau- und Kunstgeschichte, Germanistik und Romanistik an der dortigen Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule. Dort promovierte er 1987 mit einer Dissertation über den Chor und die Kapellen des Aachener Doms. Hierin offenbarte sich bereits sein besonderes Interesse am Sakralbau in seinen vielfältigen Ausprägungen.

Während des Studiums hatte er bereits zeitweise beim Domkapitel in Aachen gearbeitet. Nach seiner erfolgreichen Promotion war Dr. Winands bis zum Jahresende 1991 als wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl für Baugeschichte und Denkmalpflege der RWTH tätig.

Die politische Wende der Jahre 1989/90 in der DDR ermöglichte es ihm, in die Denkmalpflege zu wechseln, da in den neuen Bundesländern ein struktureller Neuaufbau der Fachbehörden vorgenommen wurde, wozu man entsprechendes Fachpersonal benötigte. In Mecklenburg-Vorpommern fand er neue Herausforderungen.

Seit Januar 1992 beteiligte sich Dr. Winands im Schweriner Landesamt für Denkmalpflege an der vom Bund und der VW-Stiftung geförderten Kurzerfassung des Denkmalbestandes. In dieser Zeit gelang es, die Grundlagen für eine Denkmaldatenbank zu schaffen. Dank seines technischen Verständnisses und seiner Fähigkeit, komplexe Angelegenheiten allgemeinverständlich zu erklären, war es ihm möglich, auch ältere Kollegen von der Nützlichkeit einer solchen Datenbank zu überzeugen, die sich, mehrfach erweitert und verändert, heute zu einem leistungsfähigen GIS-Programm entwickelt hat.

Im Juli 1992 erhielt er eine Festanstellung als Gebietskonservator für den vorpommerschen Landesteil. Mit der Schaffung einer Außenstelle des Landesamtes für Denkmalpflege in Stralsund, die im 1883 nach Plänen von Max Hasak errichteten ehemaligen Reichsbankgebäude untergebracht wurde, und der Bildung einer Abteilung Praktische Denkmalpflege Vorpommern im Jahre 1994, berief man Dr. Winands zu deren Leiter. Eine seiner Aufgaben war hier, die Sanierung dieses Objektes, die bis 2002 andauerte, zu begleiten.

Während seiner Zeit in Vorpommern betreute Dr. Winands die Hansestädte Greifswald und Stralsund sowie die Altkreise Rügen und Nordvorpommern auf dem Gebiet der praktischen Denkmalpflege. In diesen Jahren fanden umfassende Sanierungen an zahlreichen Baudenkmalen in dieser Region statt. Besonders wichtig waren ihm im Rahmen seiner Tätigkeit als Gebietskonservator vor allem die Monumentalanlage des unvollendet gebliebenen KdF-Seebades in Prora auf Rügen sowie die St. Marienkirche in Stralsund, deren umfassende Turmsanierung am Ende der 1990er Jahre stattfand. Im Rahmen der Entwicklung der denkmalpflegerischen Zielstellung für den Innenraum der St. Marienkirche arbeitete Dr. Winands aktiv im Gestaltungsbeirat gemeinsam mit Prof. Dr. Gottfried Kiesow, Prof. Roland Möller und Prof. Arnold Wolff mit. Der Erhalt der Stuckfassung von 1844 im hohen Chor, die auf Entwürfen von Karl Friedrich Schinkel basiert, war ihm dabei ein besonders wichtiges Anliegen. Ebenfalls zu nennen ist sein großes Engagement für den Erhalt der St. Jakobikirche in Stralsund und für ihre damals geplante Nutzung als Kulturkirche. Zudem wirkte er während seiner Tätigkeit in Vorpommern begleitend bei Forschungsprojekten der Deutschen Bundesstiftung Umwelt in der Schlosskirche Putbus und in der St. Marienkirche Barth mit. Für die Sanierung des Jagdschlosses Granitz auf Rügen gab er wichtige inhaltliche Impulse. Die Aufnahme der Hansestadt Stralsund gemeinsam mit der Hansestadt Wismar in das UNESCO-Welterbe war sein großes Anliegen. Nach der erfolgreichen Eintragung dieser Stätte in die Welterbeliste beteiligte er sich aktiv am Monitoring für den Erhalt der beiden Hansestädte.

Persönlich ist seine Amtszeit in Stralsund, die 2004 endete, eng verbunden mit einer vertrauensvollen Zusammenarbeit mit den Unteren Denkmalschutzbehörden in den Landkreisen und kreisfreien Städten. Ebenso war seine Leitung der Außenstelle, in der außer ihm eine Sekretärin und drei weitere wissenschaftliche Mitarbeiter tätig waren, geprägt von einem angenehmen und persönlich warmherzigen, freundschaftlichen Arbeitsklima.

Aufgrund von strukturellen Veränderungen übernahm er 2004 die Leitung der Abteilung Inventarisation in Schwerin. 2006 wurde er Leiter des Dezernats Bau- und Kunstdenkmalpflege im neu geschaffenen Landesamt für Kultur und Denkmalpflege, in dem auch das Landesamt für Denkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern aufging und mit dem Landesamt für Bodendenkmalpflege nunmehr die Abteilung Archäologie und Denkmalpflege bildete. 2011 berief ihn der Minister für Bildung, Wissenschaft und Kultur Mecklenburg-Vorpommerns, Henry Tesch, zum Landeskonservator. Bis Ende 2010 hatte Ewa Prync-Pommerencke dieses Amt inne, die dann in den Ruhestand verabschiedet worden war. Die entstandene Lücke hatte er seitdem bereits kommissarisch gefüllt.

Der praktischen Denkmalpflege treu bleibend, übernahm er die denkmalfachliche Betreuung der Klöster im Lande. Einen Schwerpunkt bildete dabei das Kloster Dargun. Die um die Mitte des 13. Jahrhunderts entstandene Klosterkirche war 1945 ausgebrannt. Seit den 1990er Jahren erfolgten erste Sicherungsmaßnahmen, bei denen von Anfang an die Gewährleistung der Standfestigkeit der Ruine im Focus stand In enger Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Kultur und Denkmalpflege und hier insbesondere mit Dr. Winands gelang es, den Bau wieder soweit herzurichten, daß eine Nutzung möglich wurde. Aufgeschlossen stimmte er dem Entwurf zu, beim Einbau der aus Segelelementen bestehenden Akustikdecke die Struktur der verlorengegangenen Kreuzrippengewölbe des Kirchenraums aufzunehmen. Damit ist nun die Nutzung des Raumes für verschiedene Zwecke möglich und erfüllt die Forderung der Denkmalpflege, Denkmale zu nutzen, was wesentlich zu deren Erhaltung beiträgt.

Großen Wert legte Dr. Winands auf die Ausrichtung der Landesdenkmalpflege als wissenschaftliche Fachbehörde. So konnten in seiner Zeit als Landeskonservator zwei sehr erfolgreiche Fachtagungen ausgerichtet werden. Im November 2011 fand in Wismar eine Tagung mit dem Thema "Neue Forschungsergebnisse zu historischen Bürgerhäusern in Mecklenburg-Vorpommern" statt. Einer großen Resonanz konnte sich auch die im März 2014 gemeinsam mit dem Caspar-David-Friedrich-Institut der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald veranstaltete Tagung "Historische Befunduntersuchungen an Kirchen Mecklenburg-Vorpommerns" erfreuen. Mit der diesjährigen Tagung "Alles Platte oder was? Architektur im Norden der DDR als kulturelles Erbe" ist eine Verstetigung der von ihm ins Leben gerufenen Fachtagungen eingetreten, seine Initiative ist zu einer nachhaltigen Einrichtung geworden.

Hinzu kamen die Veröffentlichung einer Vielzahl von Aufsätzen zu baugeschichtlichen und denkmalpflegerischen Themen und die Mitherausgeberschaft der hauseigenen Schriftenreihen "Baukunst und Denkmalpflege in Mecklenburg-Vorpommern", "Beiträge zur Kunstgeschichte und Denkmalpflege in Mecklenburg-Vorpommern", sowie des Jahrbuches "KulturERBE in Mecklenburg und Vorpommern". Die umfangreiche Promotionsschrift des Bauforschers und Architekturhistorikers Tilo Schöfbeck, "Mittelalterliche Kirchen zwischen Trave und Peene. Studien zur Entwicklung einer norddeutschen Architekturlandschaft" hat Dr. Winands ideell stark befördert und schließlich ebenfalls mit herausgegeben. Um auch mit den sogenannten neuen Medien Teile der Gesellschaft zu erreichen, entwickelte Dr. Winands für die Homepage des Landesamtes das "Denkmal des Monats", allmonatlich wechselnde, kurze, bebilderte Berichte, die auf populäre Weise Denkmale sowie deren Geschichte, Bedeutung und Restaurierung vorstellen. Diese Reihe ist bis heute sehr erfolgreich und belegt, daß die Vermittlung der Denkmale, so wie sie Dr. Winands verstand und zu seiner Angelegenheit gemacht hat, richtig ist.

Schwierig wurde für ihn indes die Gewährleistung der Erfüllung der reichhaltigen Aufgaben in der Denkmalpflege. So mußte er zur Kenntnis nehmen, daß Personal in dem von ihm geleiteten Bereich, der Landesdenkmalpflege, einzusparen war und somit wichtige Tätigkeitsfelder nicht mehr bedient werden konnten. Dazu gehörten die Fachgebiete städtebauliche Denkmalpflege und Gartendenkmalpflege, deren Stellen, nachdem die Stelleninhaber in den Ruhestand gegangen waren, wegfielen.

Großes Engagement entfaltete Dr. Winands bei der Vorbereitung der Antragstellung zur Feststellung des außergewöhnlichen universellen Wertes für das Residenzensemble Schwerin und die hochmittelalterliche Ausstattung des Doberaner Münsters, in deren Folge die Eintragung dieser Stätten in die deutsche Tentativliste als Voraussetzung für eine Bewerbung um das UNESCO-Welterbe erfolgt. Daß es nur Schwerin auf diese Liste geschafft hat und somit dem Doberaner Münster der Weg zum UNESCO-Welterbe versperrt bleibt, hat er zwar akzeptiert, war aber im Grunde von dieser Entscheidung sehr enttäuscht.

Maßgeblich war seine Arbeit in verschiedenen regionalen und nationalen Gremien wie dem Gestaltungsbeirat der Hansestadt Wismar, der Vereinigung der Landesdenkmalpfleger in der Bundesrepublik Deutschland oder der Wissenschaftlichen Vereinigung zur Fortführung des kunsttopographischen Werkes von Georg Dehio (Dehio-Vereinigung). Hier ist es seiner Beharrlichkeit zu verdanken, daß der im Jahr 2000 erschienene Mecklenburg-Vorpommern-Band überarbeitet und ergänzt werden konnte. Leider war es ihm nicht mehr vergönnt, mit der kürzlich erfolgten Vorstellung der überarbeiteten und erweiterten Neuauflage des Bandes das erfolgreiche Ende dieses Projektes zu erleben, dem er sich mit sehr viel Herzblut verschrieben hatte.

Dr. Winands war es wichtig, auf Eigentümer und Nutzer von Denkmalen einzugehen. Er half, nach Lösungen zu suchen, die den Erhalt des historischen Zeugniswertes der Denkmale mit einem Leben in den Denkmalen in Einklang bringen. Im Vordergrund stand dabei stets das Verständnis für das Denkmal, das er zu vermitteln suchte. Kollegiales Miteinander und eine gute Diskussionskultur zeichneten seinen Leitungsstil aus.

Besonders eindrucksvoll waren seine positive, lebensbejahende Einstellung und sein Optimismus, den er trotz seines langjährigen Krebsleidens nicht verlor. Es fiel ihm schwer, aus gesundheitlichen Gründen am 31.10.2014 in den vorzeitigen Ruhestand gehen zu müssen. In seinem kurzen Ruhestand beschäftigte er sich weiterhin mit denkmalpflegerischen Fragestellungen, arbeitete in der Dehio-Vereinigung weiter mit und hörte als Gasthörer Vorlesungen im Fach Religionswissenschaft an der Hamburger Universität.

Engagiertes und aufrechtes Einstehen für die Denkmale und ihre Erhaltung sowie eine sachgerechte Denkmalvermittlung – so könnte man das Vermächtnis von Dr. Klaus Hero Winands umschreiben. Es wäre in seinem Sinne, würde die Akzeptanz der Denkmalpflege bei den Menschen im Lande größer, denn nur mit Hilfe der ganzen Gesellschaft kann die Erhaltung des vielfältigen Kulturerbes gelingen. Es ist uns eine große Verpflichtung.

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"Residenzensemble Schwerin - Kulturlandschaft des romantischen Historismus"

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