‚Happy End‘ auf dem Dachboden

Pommern-Chronik aus dem 16. Jh. zurück in der Landesbibliothek

Die Chronik ist in eine mittelalterliche Pergamenthandschrift eingeheftet Details anzeigen
Die Chronik ist in eine mittelalterliche Pergamenthandschrift eingeheftet
Die Chronik ist in eine mittelalterliche Pergamenthandschrift eingeheftet
Die Chronik ist in eine mittelalterliche Pergamenthandschrift eingeheftet
15.12.2017  | LB  | LAKD - Landesbibliothek

Der Landesbibliothek in Schwerin gelang ein spektakulärer Erfolg beim Auffinden von vermisstem Kulturgut. Anhand eines Sucheintrags in der Datenbank Lost Art konnte eine Handschrift aus dem 16. Jahrhundert in den Buchbestand zurückgeholt werden. Der insgesamt 7 Werke umfassende Band war in den Nachkriegstagen verlorengegangen, nachdem er im März 1944 mit anderen Kostbarkeiten in einen Salzstollen bei Staßfurt (Sachsen-Anhalt) gebracht worden war.

 

„Ein verloren gegangener Schatz ist heimgekehrt“, sagte Kulturministerin Birgit Hesse. „Die Freude in der Landesbibliothek war groß, als die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dieses historisch wichtige Werk in ihren Händen halten konnten. Das kann ich gut verstehen. Ursprünglich waren solche Auslagerungen aus Gründen des Luftschutzes erfolgt und sollten eigentlich dem Verlust vorbeugen. Ich danke den ehrlichen Findern, der Familie Blochmann aus Marl. Dank ihrer Mithilfe konnte eine Lücke im Bestand der Landesbibliothek geschlossen werden“, lobte Hesse.

 

Viele der Depots wurden bei Kriegsende aufgebrochen und teilweise geplündert. So geschah es auch mit drei Zunftladen aus Schwerin, die Handschriften und Frühdrucke aus der Mecklenburgischen Landesbibliothek (heute Landesbibliothek Mecklenburg-Vorpommern) enthielten.

 

Gleich nach dem Krieg begann die Suche nach dem verlorenen Schatz, darunter ein Fragment des Rolandsliedes aus dem 12. Jahrhundert, ein 700-jähriges Passional und das Chronicon Pomeraniae. Letzteres hatte bereits Friedrich Lisch, Mecklenburgs Universalgelehrter, in den Händen gehalten und dazu 1836 in den "Baltischen Studien" publiziert. Es handelt sich um eine Handschrift des 16. Jahrhunderts auf Papier, eingebunden in einen sog. Manuskripteinband aus Pergament.

 

Die Pommersche Chronik stellt den Hauptteil des Sammelbandes dar und endet im Jahr 1541. Hinzu kommen eine Beschreibung des Landes Stettin-Pommern, die Musterung mehrerer pommerscher Städte, eine Genealogie bis 1557 und der Herzogin Erdmuth Haus- und Hof-Ordnung. Die Jüngsten Dokumente der in deutscher Sprache verfassten Schriften sind eine Lebensgeschichte des pommerschen Herzogs Philipp und die Anordnung des Begräbnisses für Herzog Ernst Ludwig von Pommern anno 1592.

 

Nun, nach mehr als 70 Jahren der Ungewissheit, kam der Band beim Räumen eines Dachbodens wieder zum Vorschein. Der Fundort ist ein Mehrfamilienhaus in Marl in Nordrhein-Westfalen, das erst nach dem Kriege erbaut wurde und dessen Mieter oft wechselten. So bleiben die näheren Umstände für die Abwege, die die Handschrift nach 1945 nahm, im Dunkeln.

 

Um so verlässlicher erwies sich das Netzwerk, das Sammlungen in Deutschland für Fälle wie diesen eingerichtet haben. Und auch Familie Blochmann als Finder machte alles richtig. Eine Internetsuche zum Chronicon Pomeraniae führte sie punktgenau zur Landesbibliothek Mecklenburg-Vorpommern und der Telefonnummer deren Leiters. Dort gelten noch immer mehrere Dutzend Werke als kriegsbedingt vermisstes Kulturgut.

 

Pretiosen wie das eingangs genannte Rolandslied und das Passional kehrten in den 1980er Jahren nach Schwerin zurück. 2008 stoppten die Schweriner sogar eine Auktion bei Sotheby's London, als seltene Chromolithografien (einst als Geschenk des russischen Zaren für den Schweriner Hof bestimmt) dort zum Verkauf standen. Leider blieb der Rückgabeerfolg damals aus. Doch die Odyssee der Pommernchronik endete im Guten. Den besonnenen Findern wurde in der Bibliothek ein freundlicher Empfang bereitet.

 

Der Eintrag bei Lost Art kann in den kommenden Tagen gelöscht werden. http://www.lostart.de/DE/Verlust/173400

 

Die Pressemitteilung des Ministeriums für Wissenschaft, Bildung und Kultur zum Thema finden Sie unter Nr.229-17  | 15.12.2017  
https://www.regierung-mv.de/Landesregierung/bm/Presse/Aktuelle-Pressemitteilungen/?id=133951&processor=processor.sa.pressemitteilung