Sprache, Accesskey 1, Direkt zum Inhalt, Accesskey 2, Direkt zur Hauptnavigation, Accesskey 3

Landesamt für Kultur und Denkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern

Mecklenburg-Vorpommern / MV tut gut


Archäologische Funde im Schlossinnenhof

Abb.1: Schichtenfolge in der Innenfläche des slawischen Burgwalles. Die Flechtwerkmatten aus dem 11./12. Jahrhundert liegen etwa 1 m unter der heutigen Oberfläche, der Holzrost aus dem 10. Jahrhundert in etwa 4 m Tiefe (3-D-Fotos: C. Hartl-Reiter)
Abb.1: Schichtenfolge in der Innenfläche des slawischen Burgwalles. Die Flechtwerkmatten aus dem 11./12. Jahrhundert liegen etwa 1 m unter der heutigen Oberfläche, der Holzrost aus dem 10. Jahrhundert in etwa 4 m Tiefe (3-D-Fotos: C. Hartl-Reiter)

Abb.2: Die zerdrückte Goldperle wurde unter den Flechtwerkmatten entdeckt. Solche aufwendigen Schmuckgegenstände sind dem fürstlichen Haushalt zuzuordnen (Foto: LAKD M-V, Landesarchäologie)
Abb.2: Die zerdrückte Goldperle wurde unter den Flechtwerkmatten entdeckt. Solche aufwendigen Schmuckgegenstände sind dem fürstlichen Haushalt zuzuordnen (Foto: LAKD M-V, Landesarchäologie)

Im Innenhof des Schweriner Schlosses klafft zurzeit ein großes Loch: Künftig sollen alle Ver- und Entsorgungsleitungen in einem Tunnel unter dem Hof hindurchgeführt werden. Vorher dokumentiert ein Grabungsteam des Landesamtes für Kultur und Denkmalpflege unter der Leitung von Marlies Konze die Reste der Vorgängerbauten, die lange vor der Errichtung des heutigen Schlosses auf der Insel standen. Die archäologischen Arbeiten erstrecken sich über einen erheblichen Teil der Innenfläche des 1018 erstmals erwähnten slawischen Burgwalles. In ihm findet die jahrhundertelange Kontinuität der Schlossinsel als Herrschaftssitz, die die Bewerbung als UNESCO-Welterbe begründet, ihren Ausgangspunkt.

Die Schichtstärke des Bodendenkmals beträgt bis zu 4 m und mehr. Im bisher geöffneten Baubereich dominieren die Schichtenfolgen des 10.–12. Jahrhunderts. Im vorerst untersten Bereich, bei 4 m unter Geländeoberkante, fand sich ein doppellagiger Holzrost, der wohl zur Stabilisierung des Baugrundes für einen der ersten Burgwälle diente. Daneben wurde eine Holzkonstruktion freigelegt, die dem inneren Wallfuß zuzuordnen ist. Damit gäbe es erstmals Hinweise auf die westliche Begrenzung der Befestigung und damit auf die Gesamtgröße des Burgwalles. Bei etwa 2,5 m unter Geländeoberkante lag eine mehrlagige Steinpackung, die vermutlich als Drainage funktionierte. Etwa 1 m unter Geländeoberkante wurden die Überreste einer größeren Baustruktur aus dem 11./12. Jahrhundert dokumentiert, deren Außenwände aus Flechtwerk bestanden und die offenbar als Stall beziehungsweise Viehpferch gedient hat.

Das flächig vorhandene Schichtenpaket umfasst also die Zeit von der ersten Errichtung eines Burgwalles im 10. Jahrhundert – also noch deutlich vor der urkundlichen Ersterwähnung – bis in das 12. Jahrhundert. Die große Ausdehnung der slawischen Burg zeugt von der Bedeutung als zentralörtliches Zentrum. Die Burg wird damals der Mittelpunkt eines größeren Herrschaftsgebietes gewesen sein.

 

Tag der offenen Grabung im Schlossinnnenhof