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Landesamt für Kultur und Denkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern

Mecklenburg-Vorpommern / MV tut gut


Auf dem "Scharmützel" – die Kirche zur Heiligen Dreifaltigkeit in Ferdinandshof

Denkmal des Monats Februar 2017

Abb. 1. Ferdinandshof, Lkr. Vorpommern-Greifswald, Kirche, Südansicht, 2004.
Abb. 1. Ferdinandshof, Lkr. Vorpommern-Greifswald, Kirche, Südansicht, 2004.

Als der aus Holstein stammende Glasmacher Johann Jürgen Gundelach im Jahre 1705 mit der schwedischen Regierung in Stettin einen Kontrakt zur Errichtung von Glashütten auf dem "Scharmützel", einer Erhebung in der westlichen Ueckermünder Heide, schloss und 1707 mit der Glasproduktion begann, ahnte er wohl noch nicht, dass diese bereits wenige Jahre später durch kriegerische Auseinandersetzungen wieder zum Erliegen kommen sollte. Erst ab 1719 begannen erneute Verhandlungen, nun aber mit der Brandenburgisch-Preußischen Regierung zur Forstsetzung des Glashüttenbetriebes. Auch die Errichtung einer Kapelle wurde J. J. Gundelach 1722 bewilligt. Er selbst schrieb darüber eine Chronik "Zur Nachricht denen Nachkommen, wegen Stiftung und Erbauung der Capelle im Scharmützel, welche der Heilgen Dreyfaltigkeit gewidmet ist …" (Gundelach, Johann-Jürgen, Hollatus, Chronik von 1706 an – der Gemeinde Scharmützel-Ferdinandshof mit Register von 1727-1759).

Die Kapelle, deren Bau 1725 beendet und die am 25. August 1726 geweiht wurde, war ein Zentralbau auf oktogonalem Grundriss aus Feldsteinmauerwerk, vermutlich auch damals bereits mit dem heute noch bestehenden, gedrungenen Dachreiter aus Fachwerk und einer geschwungenen Haube. Der Chronik ist zu entnehmen, dass ein Altar, eine Kanzel, Gestühl und ein Taufengel in einer Lübecker Werkstatt angefertigt wurden. Auch Emporen werden zu dieser Zeit bereits errichtet worden sein. Die Taufschale aus mundgeblasenem Grünglas stammt aus der Erbauungszeit der Kapelle. Im Jahr 1754 erfolgte ihre bauliche Erweiterung nach Osten hin. Der ursprüngliche Zentralbau der Kapelle wurde so zu einem längs gerichteten, vierachsigen Kirchenbau mit dreiseitigem westlichem Abschluss und Glockenturm im Westen, denn die fünf Seiten des Oktaeders sowie der Dachreiter wurden in den Neubau integriert (Abb. 1). Im Inneren wurden die Emporen nach Osten hin erweitert und Patronats- und Pfarrlogen zu beiden Seiten des Kanzelaltars errichtet (Abb. 2). Der Fußboden wurde durchgehend in Ziegelpflaster gelegt. Der so entstandene Bau erhielt einen die gesamte Kirche neu umfassenden Außenputz und eine architektonische Gestaltung durch Eckrustika und Faschen um Fenster und die Eingangstür und eine kleine bauliche Erweiterung als Sarghalle im Südwesten. Ein historisches Foto zeigt die Kirche noch mit dieser Putzgestaltung, bevor in den 1980er Jahren der gesamte Außenputz entfernt, ein Zementputz aufgebracht und farblich in einem Weiss-Gelbocker gefasst wurde (Abb. 3). Dabei wurden die Faschen und die Eckrustika vergröbert wiederhergestellt.

Der Zementputz führte in den Folgejahren zu schweren Durchfeuchtungsschäden am Mauerwerk und besonders am Innenputz, sodass 2013 entschieden wurde, den Außenputz insgesamt und den Innenputz bis zur Höhe der Fensterbrüstungen abzunehmen (Abb. 4). Nach der Putzentfernung wurden noch einmal die beiden Bauphasen der Kirche deutlich. Die übrig gebliebenen fünf Seiten des ursprünglichen achtseitigen Zentralbaus waren in Feldstein errichtet (Abb. 5), die bauliche Erweiterung von 1754 in Ziegelmauerwerk (Abb. 6).

Nachdem der Bau etwa 1 ½ Jahre unverputzt stehen blieb und so das Mauerwerk genügend austrocknen konnte, wurde die Kirche 2016 wieder neu mit einem Kalkputz verputzt. Bei der Gestaltung der Eckrustika und den Fensterfaschen wurde die Wiederherstellung der ursprünglichen Proportionen zur Zielstellung (Abb. 7-8). Die genauen architektonischen Maße konnten durch maßliche Übertragung zum einen aus dem historischen Foto mit der Südansicht der Kirche ermittelt werden, zum anderen wurden fehlende Architekturglieder, wie z.B. die Rahmung der Eingangstür im Norden, deren ursprüngliches Aussehen verlorengegangen war, in Analogie an vergleichbare Architekturglieder nach Vorgaben der Denkmalpflege und in Umsetzung durch den Architekten wieder hergestellt (Abb. 9-10). Auch die ursprüngliche Farbigkeit in Gelbocker hatte sich im Bereich der Eingangstür auf einem Putzrest erhalten, sodass auch die nun wiederhergestellte Außenfarbigkeit als weitgehend originalgetreu angesehen werden kann (Abb. 11).

Im Inneren wurde ebenfalls ein Kalkputz angebracht und der Innenraum farblich wieder geschlossen (Abb. 12). Besonders erfreulich ist, dass bei der Wiederaufstellung des Gestühls nach Abschluss der Instandsetzungsmaßnahme auch der gesamte Ziegelfußboden trotz seiner jahrhundertealten "Gebrauchsspuren" in Form partieller Abtretungen erhalten bleiben konnte.

Die Kirche auf dem Scharmützel in Ferdinandshof erhielt auf diese Weise weitgehend ihr überliefertes originales äußeres Erscheinungsbild aus dem Jahre 1754 in Verbindung mit der original erhalten Innenausstattung aus dieser Zeit zurück (Abb. 12-15).

Jens Amelung

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Denkmal des Monats Februar 2017

01.02.2017

Auf dem "Scharmützel" – die Kirche zur Heiligen Dreifaltigkeit in Ferdinandshof

interner Link (neues Fenster): Bild vergrößern: Abb. 1. Ferdinandshof, Lkr. Vorpommern-Greifswald, Kirche, Südansicht, 2004.
interner Link (neues Fenster): Bild vergrößern: Abb. 2. Ferdinandshof, Lkr. Vorpommern-Greifswald, Kirche, Inneres nach Westen, 2004.
interner Link (neues Fenster): Bild vergrößern: Abb. 3. Ferdinandshof, Lkr. Vorpommern-Greifswald, Kirche, Südansicht, um 1930.
interner Link (neues Fenster): Bild vergrößern: Abb. 4. Ferdinandshof, Lkr. Vorpommern-Greifswald, Kirche,  Inneres nach Osten, 2013.
interner Link (neues Fenster): Bild vergrößern: Abb. 5. Ferdinandshof, Lkr. Vorpommern-Greifswald, Kirche,  Westansicht, 2014.
interner Link (neues Fenster): Bild vergrößern: Abb. 6. Ferdinandshof, Lkr. Vorpommern-Greifswald, Kirche,  Südansicht, 2014.
interner Link (neues Fenster): Bild vergrößern: Abb. 7. Ferdinandshof, Lkr. Vorpommern-Greifswald, Kirche,  Südfassade und Fenster, Putz- und Farbprobe, 2016.
interner Link (neues Fenster): Bild vergrößern: Abb. 8. Ferdinandshof, Lkr. Vorpommern-Greifswald, Kirche,  Südfassade, Fenster, 2016.
interner Link (neues Fenster): Bild vergrößern: Abb. 9. Ferdinandshof, Lkr. Vorpommern-Greifswald, Kirche, Nordseite, Portal, Vorzustand, 2016.
interner Link (neues Fenster): Bild vergrößern: Abb. 10. Ferdinandshof, Lkr. Vorpommern-Greifswald, Kirche, Nordseite, Portal, 2016.
interner Link (neues Fenster): Bild vergrößern: Abb. 11. Ferdinandshof, Lkr. Vorpommern-Greifswald, Kirche, Nordwestansicht, 2016.
interner Link (neues Fenster): Bild vergrößern: Abb. 12. Ferdinandshof, Lkr. Vorpommern-Greifswald, Kirche, Inneres nach Osten, 2016.
interner Link (neues Fenster): Bild vergrößern: Abb. 13. Ferdinandshof, Lkr. Vorpommern-Greifswald, Kirche,  Kanzelaltar, 2004.
interner Link (neues Fenster): Bild vergrößern: Abb. 14. Ferdinandshof, Lkr. Vorpommern-Greifswald, Kirche, Taufengel, 2016.
interner Link (neues Fenster): Bild vergrößern: Abb. 15. Ferdinandshof, Lkr. Vorpommern-Greifswald, Kirche, Wetterfahne von 1724, 2004.

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