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Landesamt für Kultur und Denkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern

Mecklenburg-Vorpommern / MV tut gut



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Horst Ende (1940-2017)

02.02.2017 - LAKD - Landesdenkmalpflege

Horst Ende, Foto: LAKD M-V/LD, A. Bötefür
Horst Ende, Foto: LAKD M-V/LD, A. Bötefür

Eine wichtige Maxime der Denkmalpflege lautet: "erklären, erklären, erklären", denn um Denkmale bewahren zu können, muss man das Verständnis für sie entwickeln. Horst Ende hatte sich diesen Grundsatz zu Eigen gemacht. Am 2. Januar 2017 ist der Kunsthistoriker und Denkmalpfleger im Alter von 76 Jahren in Schwerin verstorben.

Geboren wurde er im Dezember 1940 in Meißen. Die sächsische Stadt an der Elbe, die sehr reich an baulichen Zeugnissen vergangener Epochen ist, trug mit dazu bei, dass Horst Ende sich nach seinem Schulabschluss mit Abitur für ein Studium der Kunstgeschichte entschied. Darüber hinaus studierte er Ur- und Frühgeschichte sowie Geschichte an der Humboldt-Universität in Berlin. Nach erfolgreichem Abschluss mit dem Diplom nahm er 1964 für kurze Zeit eine Tätigkeit in der Arbeitsstelle Berlin des Instituts für Denkmalpflege auf. Seine Aufgabe bestand in der Erfassung und Bewertung von Baudenkmalen in den Bezirken Potsdam und Frankfurt/Oder, eine Arbeit, die für ihn maßgeschneidert war. Noch im selben Jahr wechselte er nach Mecklenburg, wo er in der Schweriner Arbeitsstelle des Instituts für Denkmalpflege ebenfalls Denkmale inventarisierte. Bis zu seinem altersbedingten Ausscheiden aus dem Berufsleben im Juni 2003 blieb er in dieser Einrichtung und begleitete auch ihren nach der politischen Wende vollzogenen Wandel von einem zentral geleiteten Institut zu einer Fachbehörde des Bundeslandes, dem Landesamt für Denkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern.

In Schwerin entstanden mehrere Publikationen, an denen Horst Ende mitarbeitete. 1973 erschien das Buch "Die Denkmale des Kreises Greifswald", an dem außer ihm Walter Ohle, Gerd Baier und Renate Krüger mitwirkten und das in Fachkreisen als "Greifswald-Inventar" bekannt wurde. Die Arbeit an diesem Werk, die durch eine lange Erfassungstätigkeit vor Ort und das Sammeln und Auswerten von Quellenmaterial in Archiven sowie ein umfangreiches Literaturstudium gekennzeichnet war, ist für ihn zu einer guten Schule für alle späteren Aufgaben geworden. Beteiligt war er weiterhin an der Erarbeitung von Texten für die Denkmaltopographien des Bezirkes Neubrandenburg (1982), des mecklenburgischen Teils des Bezirkes Rostock (1990) und der vorpommerschen Küstenregion mit den Hansestädten Stralsund und Greifswald sowie den Inseln Rügen und Usedom (1995). Zeitlebens hat er es bedauert, dass der Inventarband für den Kreis Ludwigslust nicht zustande kam. Horst Ende hatte dafür bereits Vorarbeiten geleistet und 1976/77 mit dem renommierten Bauernhausforscher Karl Baumgarten das Gebiet der Griesen Gegend und das Elbufer bereist, um den zur damaligen Zeit ungewöhnlich reichen Bestand an Bauernhäusern des 17.-19. Jahrhunderts, der heute weitgehend verloren ist, zu erfassen. Auch das Fehlen einer Denkmaltopographie für den Bezirk Schwerin empfand er als ständiges Desiderat.

Angeregt durch seine damalige Kollegin Renate Krüger hat Horst Ende eine fast unüberschaubare Anzahl an Aufsätzen und Pressebeiträgen zu den verschiedensten Themen aus den Bereichen Denkmalschutz und Denkmalpflege publiziert. Zu diesem reichen Œuvre gehören auch mehrere Broschüren und Bücher, die sich schwerpunktmäßig der Sakralarchitektur in Mecklenburg-Vorpommern widmen. In der von dem Dresdner Kunsthistoriker und Denkmalpfleger Fritz Löffler herausgegebenen Reihe "Das christliche Denkmal" erschienen beispielsweise Arbeiten von Horst Ende über die Kirchen in Parchim, die Marienkirche in Anklam oder die Nikolaikirche in Wismar. Die Evangelische Verlagsanstalt Berlin verlegte den Band "Dorfkirchen in Mecklenburg", der in zehn Jahren, von 1975 bis 1985, vier Auflagen erlebte. Immerhin noch zwei Auflagen gab es von den im selben Verlag erschienenen Büchern "Stadtkirchen in Mecklenburg" und "Kirchen in und um Schwerin". 2005 kam beim Deutschen Kunstverlag der Große DKV-Kunstführer "Der Schweriner Dom" heraus, den er mit der Fotografin Jutta Brüdern erarbeitet hatte.

Bei all seinen Veröffentlichungen war es ihm besonders wichtig, wissenschaftlichen Ansprüchen zu genügen, aber dennoch auch den interessierten Laien von der Materie zu begeistern. Dies gelang ihm nicht nur bei seinen Publikationen, sondern auch bei unzähligen Vorträgen, Führungen und Exkursionen. Dabei wirkte er nie belehrend. Stattdessen erläuterte er bereitwillig kunstwissenschaftliche Zusammenhänge in einer für jedermann verständlichen Art und Weise.

In seinem beruflichen Alltag wirkte er bei der Betreuung namhafter Restaurierungsleistungen mit. Gemeinsam mit dem Architekten und späteren Landeskonservator Dieter Zander und dem Leiter des Restaurierungsateliers, Johannes Voss, war er ab 1974 an der Restaurierung des Thronsaals im Schweriner Schloss beteiligt, die unter einem immensen Zeitdruck ausgeführt werden musste. Hinzu kam, dass die mit der Restaurierung beauftragten Firmen zuvor kaum denkmalpflegerische Erfahrungen im Umgang mit historischer Substanz sammeln konnten, was eine zusätzliche Herausforderung war. Die Wiederherstellung der Ahnengalerie und der Schlössergalerie, zwei weitere bedeutende Räume, folgten. Die von ihm durchgeführte Betreuung legte gleichzeitig den Grundstein für die Beschäftigung Horst Endes mit dem Schweriner Schloss sowie der Architektur und der bildenden Kunst des Historismus, die in Aufsätzen und Broschüren zu diesem Thema mündeten.

Hervorzuheben ist auch seine Mitwirkung an der denkmalgerechten Instandsetzung der Klausur des Klosters zum Heiligen Kreuz in Rostock ab 1976. Der historische Bestand einerseits und die vom Kulturhistorischen Museum vorgetragenen Nutzungswünsche andererseits zeigten die Möglichkeiten und Grenzen der denkmalpflegerischen Arbeit deutlich auf.

Nach der politischen Wende und der Bildung des Landesamtes für Denkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern bekam Horst Ende neue Aufgaben. Er wurde Leiter der Abteilung Forschung und Dokumentation und war zudem Stellvertreter des Landeskonservators. Fachlich hatte er die Denkmalinventarisation in sechs Landkreisen und kreisfreien Städten zu betreuen. Darüber hinaus nahm er die Konzeption und die Redaktion der amtseigenen Zeitschrift "Denkmalschutz und Denkmalpflege in Mecklenburg-Vorpommern" wahr und war Mitglied in mehreren Fachgremien.

Öffentlichkeitsarbeit, die damit verbundene Sensibilisierung der Menschen für das kulturelle Erbe und den Gedanken der Denkmalpflege waren ihm stets wichtige Anliegen. Sein schier unerschöpfliches Wissen und seine profunde Kenntnis nicht nur der heimischen Kulturlandschaft ließen ihn zu einer geachteten und für die Belange der Denkmalpflege sehr wichtigen Persönlichkeit im nordöstlichen Bundesland werden. Sein Rat und seine fachliche Meinung wurden von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Landesamtes sowie von den Kolleginnen und Kollegen anderer Ämter und Behörden gleichermaßen geschätzt. Seine offene Art wirkte verbindend. Horst Ende war kein Mann von Gegnerschaft, fürchtete fachliche Debatten jedoch nicht. Für Probleme hielt er stets sachdienliche Lösungen bereit und scheute sich auch nicht, bei deren Bewältigung tatkräftig mit anzupacken. Ihm ging es immer um die Sache, weshalb er sich nicht hinter mitunter von Dritten aufgetürmte Grenzen von Hierarchien und Zuständigkeiten zurückzog, sondern auch in den Niederungen des Verwaltens mit anpackte, wenn es notwendig war.

Nachdem die Direktion des Landesamtes im November 2002 vakant geworden war, übernahm er kurzzeitig die Leitung des Hauses. Es war nicht sein erklärtes Ziel, in eine solche Führungsposition zu gelangen, sondern vielmehr sein Verantwortungsbewusstsein, das er gegenüber den Denkmalen im Lande hatte.

2003 schied er aus Altersgründen aus dem aktiven Dienst aus, blieb aber dem Landesamt für Denkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern und nachmaligen Landesamt für Kultur und Denkmalpflege bis zu seinem Tode treu. In oft aufopferungsvoller ehrenamtlicher Tätigkeit ließ er dem Amt jedwede Hilfe zukommen, stand den Kolleginnen und Kollegen weiterhin uneigennützig mit Rat und Tat zu Seite und half mit, die Arbeitsabläufe effizienter zu gestalten. Nicht hoch genug kann seine eifrige Unterstützung geschätzt werden, als es darum ging, den Aktenbestand der etwa 30.000 Denkmale aus herkömmlichen Ordnern in Mappen umzulagern, um damit ein tragfähiges Archivierungssystem zu schaffen. Unter seiner Regie ordneten Schülerinnen und Schüler, die ein freiwilliges soziales Jahr in der Denkmalpflege absolvierten, über mehrere Jahre die Plansammlung der Landesdenkmalpflege, erfassten und beschrieben die Pläne und legten eine Datenbank an. Für die vom Landesamt kuratierte Ausstellung anlässlich des 200. Geburtstages des großherzoglich-schwerinschen Hofbaumeisters Georg Adolph Demmler im Jahre 2004 wirkte er an der Konzeption mit und inventarisierte sämtliche in den Museen und Archiven der Landeshauptstadt vorhandenen Pläne und Zeichnungen des Architekten. Ebenso engagiert arbeitete er an der Ausstellung zur Theaterbaugeschichte mit, die im Vorfeld der umfangreichen Sanierungsarbeiten im Mecklenburgischen Staatstheater 2006 in den Foyers des Hauses gezeigt wurde.

Mehrere Beiträge lieferte er für das Jahrbuch der Landesdenkmalpflege "KulturERBE in Mecklenburg und Vorpommern" und für das Biographische Lexikon für Mecklenburg, das in der Reihe "Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Mecklenburg" erscheint. Als unverzichtbarer Berater mit fundiertem Wissen erwies er sich abermals bei der kürzlich erfolgten Überarbeitung des Handbuchs der deutschen Kunstdenkmäler, Mecklenburg-Vorpommern (Dehio). Seine reichen Kenntnisse ließ er auch vielen Vereinen zugutekommen. So war er gern gesehener Referent und Exkursionsleiter beispielsweise beim Verein für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde, in der Arbeitsgemeinschaft für Mecklenburgische Kirchengeschichte oder im Verein für katholische Kirchengeschichte in Mecklenburg. Letzterer ernannte ihn zum "Wissenschaftlichen Beirat".

Mit Horst Ende verlor die Landesdenkmalpflege in Mecklenburg-Vorpommern eine zentrale Persönlichkeit und einen allseits geschätzten Repräsentanten, der den Gedanken von Denkmalschutz und Denkmalpflege wirkungsvoll vertrat und als Multiplikator wirkte. Mit seinem Tod entstand eine große Lücke, die nicht leicht zu schließen sein wird. Sein Credo war es, durch das uneingeschränkte Erklären in vielfältiger Form Verständnis für die Denkmalpflege zu gewinnen. Dies ist Ansporn und Verpflichtung.