Eine der Hauptaufgaben des Landesamtes für Kultur und Denkmalpflege ist die Inventarisierung archäologischer Denkmale, von denen jedes Jahr mehrere hundert neu entdeckt werden. Das geschieht auf sehr unterschiedliche Weise. Die meisten Fundmeldungen gehen auf die Tätigkeit der ehrenamtlichen Bodendenkmalpfleger zurück, die im Auftrag des Landes Mecklenburg-Vorpommern gezielt nach Spuren menschlicher Besiedlung suchen und dazu Ackerflächen, Wiesen und Wälder begehen. Ein kleinerer Teil der Neuentdeckungen beruht auf der Auswertung historischer Quellen wie Karten oder Beschreibungen. Schließlich werden auch bei Baumaßnahmen immer wieder archäologische Denkmale entdeckt und gemeldet.
Mit diesen "klassischen" Methoden sind allerdings nicht alle archäologischen Denkmale aufzuspüren. Vor allem die großflächigen Siedlungen und Befestigungen entziehen sich diesem Zugang. Um sie aufzufinden und ihre Struktur zu erkennen, bedarf es einer anderen Perspektive, die vor allem die Luftbildarchäologie bieten kann (Abb. 1–2).
Die Methode wurde in den 1930er Jahren in England entwickelt. Sie beruht darauf, dass sich Veränderungen in der Bodenbeschaffenheit oder im Relief, die durch menschliche Tätigkeit entstanden sind, auch nach Jahrhunderten oder Jahrtausenden noch auf das Erscheinungsbild der Erdoberfläche auswirken.
Der bessere Überblick aus der Luft war schon faszinierend, bevor es die technischen Möglichkeiten dazu gab. Die Kartographen vergangener Jahrhunderte verwendeten nicht ohne Grund gern die "Vogelperspektive", die auch dort Zusammenhänge erkennen ließ, wo aus der Sicht des Fußgängers nur ein Häuser- und Straßengewirr zu sehen war. Später wurden Kameras an Ballons befestigt, vom Boden ausgelöst und lieferten so die ersten wirklichen Luftbilder. Die Ausgräber des 19. Jahrhunderts erkannten und nutzten die Vorteile dieser Technik, um sich einen Überblick über die ausgegrabenen Strukturen zu verschaffen und diese zugleich für die Nachwelt zu dokumentieren. Luftbildarchäologie im heutigen Sinne, die auf die Entdeckung neuer Fundstellen abzielt, war damit nur sehr eingeschränkt möglich. Sie blieb dem Zeitalter der leistungsfähigen Fluggeräte und der Kameras mit kurzen Verschlusszeiten vorbehalten.
In Mecklenburg-Vorpommern wird Luftbildarchäologie seit Beginn der 1990er Jahre gezielt und kontinuierlich betrieben. Zur primären Aufgabe, neue archäologische Denkmale zu finden, kam die nicht minder wichtige Aufgabe, den Bestand bekannter Bodendenkmale zu überprüfen und negative Veränderungen zu erkennen (Abb. 3–4).
Von beträchtlichem Erkenntniswert sind heute auch historische Luftaufnahmen. Sie wurden zwar nicht zu den eben genannten Zwecken angefertigt, haben aber – nach den Zerstörungen des 20. Jahrhunderts – heute teilweise erheblichen dokumentarischen Wert, vor allem, was die Siedlungsstrukturen des Mittelalters und der frühen Neuzeit betrifft, wie sie in Dörfern, Städten und Gutsanlagen noch vorhanden waren.
Die Luftbildarchäologie ist heute aus guten Gründen als unentbehrliches und wirksames Hilfsmittel von Forschung und Denkmalpflege etabliert. Ergänzt um andere Methoden wie beispielsweise die exakte, kleinräumige Höhenvermessung oder geophysikalische Untersuchungsmethoden kann sie tief greifende Erkenntnisse über ein archäologisches Denkmal liefern, ohne dass dieses – beispielsweise durch eine Ausgrabung – in seiner Substanz beeinträchtigt werden muss.