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Landesamt für Kultur und Denkmalpflege: Entdecke Mecklenburg-Vorpommern



Meisterprüfung für Maurer und Zimmerleute

Handschrift der Meisterprüfung<br>Seite 1 und 2
Handschrift der Meisterprüfung
Seite 1 und 2

Handschrift der Meisterprüfung<br>Seite 3 und 4
Handschrift der Meisterprüfung
Seite 3 und 4

Handschrift der Meisterprüfung<br>Seite 5 und 6
Handschrift der Meisterprüfung
Seite 5 und 6

Handschrift der Meisterprüfung<br>Seite 7 und 8
Handschrift der Meisterprüfung
Seite 7 und 8

Handschrift der Meisterprüfung<br>Seite 9 und 10
Handschrift der Meisterprüfung
Seite 9 und 10

Beschreibung:
Handschriftliche Abschrift einer Tagesordnung der Innung Bauhütte,
Sitzung der Prüfungskommission am 26. September 1888 (Windenstraße 48, nachmittags 3 Uhr).
11 Seiten in Sütterlin verfasst.

LHAS, 5.12-3/1 Mecklenburg-Schwerinsches Ministerium des Inneren (1849-1945), 12798.

Transkription:
entfällt

Inhaltliche Erläuterung:
Die ersten beiden Punkte der Tagesordnung beinhalten die Namen der Prüflinge (Gustav Mecklenburg, C. Braun, F. Schönemann) bzw. den Namen desjenigen (F. Schönemann), der den Antrag zur Prüfung aus Zeitmangel zurückzieht.
Der Prüfungskandidat C. Braun soll, da er keinen Lehrbrief mitbringen konnte, noch in praktischen Aufgaben befragt werden.
Der Prüfling Mecklenburg soll aufgrund mangelhafter Zeugnisse noch Zeichnungen anfertigen.
Auf Seite 2 wird beschrieben, dass ein Kollege der Prüfungskommission dem Prüfling Mecklenburg die Aufgaben stellt und wie die Zensierung erfolgt. Mecklenburg erreichte die Durchschnittszensur (3, 09) und wurde zur Aufnahme empfohlen. Den Abschluss von Seite 2 bilden die Unterschriften der Mitglieder der Prüfungskommission.
Auf Seite 3ff. wird Aufgabe 1 gestellt. Für die Zeichnungen dieser Aufgabe hat der Prüfling sechs Wochen Zeit. Die angefertigten und abgestempelten Zeichnungen und Skizzen sind beim Vorsitzenden der Prüfungskommission einzureichen.
Seite 5 endet mit der Datierung (Braunschweig, den 1. August 1888) und einer Unterschrift.
Auf Seite 6 bis Seite 9 folgen die weiteren Prüfungsfragen.

Frage 1: Härte zweier T-Träger, die einen Balkon stützen sollen.

Frage 2: Wie muss eine 100 m lange und 2,50 m hohe Mauer konstruiert sein? Beim Bau können Pfeiler angeordnet werden und die Lösung ist durch eine Rechnung nachzuweisen.

In Frage 3 sollen Gründe dafür oder dagegen angeben werden, ob es statthaft ist, ein Rohr mit einem Querschnitt von 0,20 m in einen Herd und Ofen zu leiten.

Frage 4: Wie muss die Fundamentierung der Mauer aus Aufgabe 2 beschaffen sein, die nun an einem Graben steht? Eine nebenstehende Skizze liefert dem Prüfling alle notwendigen Fakten und Zahlen.
Der zweite Teil der Aufgabe 4 fragt nach der Fundamentierung der Mauer auf festem Boden. Es wird der Hinweis gegeben, dass nicht zuviel Material verwendet werden darf, damit die Mauer nicht zu teuer wird.

Frage 5: Wie wird unter Wasser mit Beton fundamentiert? Skizze erforderlich.

Frage 6: Wie darf bei einem Pfeiler die geringste Härte im Verhältnis zu seiner Höhe beschaffen sein? Die Größe der Belastung muss hier nicht in einer Rechnung gezeigt werden.

In Frage 7 wollen die Prüfer wissen, wie stark ein aus Backsteinen gemauerter Pfeiler sein muss, der 1,00 m hoch ist und ein Kranzgewölbe zu tragen hat.

Frage 8: Wie soll ein Haus gestützt werden, wenn an dessen Giebel ein Neubau angebaut werden soll? Dabei wird der Hinweis gegeben, dass die Wände aus Fachwerk bestehen und das Haus keinen Keller hat. Das neue Haus dagegen soll ganz unterkellert werden.

Handschrift der Meisterprüfung für Maurer und Zimmerleute Seite 11
Handschrift der Meisterprüfung
Seite 11

Frage 9 will wissen, welche Maßnahmen man ergreifen muss, wenn sich bei der Herstellung von Grundmauern der Boden als nicht tragfähig erweist, sich jedoch 3,00 m tief guter Baugrund befindet. Zwei Antwortmöglichkeiten werden vorgegeben.

Frage 10: Über ein Gebäude soll ein Dachbinder konstruiert werden, die eine Seite des Hauses ist durch eine Wand erhöht und das Dach soll ein Satteldach gleicher Neigung werden.

Frage 11: Es ist die im Projekt vorgesehene Säule, welche im Laden die oberen Wände zu tragen hat, zu berechnen.

Bei Frage 12 sollen die verschiedenen Arten von Schichtungen bei Dachstühlen angegeben und durch Skizzen erläutert werden, unter der Angabe der Ursachen bezüglich der Anwendung.
Seite 10 gibt darüber Auskunft, dass das Protokoll durch die eigenhändige Unterschrift bestätigt wird. Herr Gustav Mecklenburg ist somit berechtigt, sich mit seinem ordnungsgemäßen Meisterbrief der Innung Braunschweig als Meister niederzulassen.
Zum Schluss wird die Mitgliedschaft der Innung aufgeführt. Den Abschluss bilden das Siegel der Baugewerken-Innung Braunschweig und zwei Unterschriften.

Auf Seite 11 werden die Unterschriften der vorhergehenden Seite beglaubigt und mit einem Stempel der H-R-L-Polizei-Direktion zu Braunschweig versehen.

Diese Meisterprüfung ist ein gutes Beispiel für den Unterricht. Diese Schriftstücke sind auch im LHAS relativ selten zu finden. Des Weiteren bekommen die Schüler einen Eindruck von den Anforderungen im Maurergewerbe in der damaligen Zeit.

Vorschläge zur Verwendung im Schulunterricht:
Die vorliegende Quelle kann in der 8. Klasse Verbundene Haupt- und Realschule, Haupt-, Realschule und Gymnasium/integrierte Gesamtschule, in der 12./13. Klasse Gymnasium und in der Berufsschule (Bautechnik) Verwendung finden.

Die Meisterprüfung zum Maurer aus dem Jahre 1888 kann im Geschichtsunterricht verwendet werden und dient vor allem dazu, den Unterricht mit Quellenmaterial zu bereichern. Gerade im Fach Geschichte wird Wert darauf gelegt, Kompetenzen auszubilden. Mit Quellenarbeit wird dabei in erster Linie die Methodenkompetenz gefördert.
Die vorliegende Quelle ist ein Zeugnis des späten 19. Jh. und dient der Thematisierung der Regionalgeschichte im Allgemeinen und der Sozialgeschichte der Handwerker im Besonderen. Den Schülern1 wird so ein Einblick in das Leben von Handwerkern im 19. Jh. verschafft.
Dabei wird einmal eine andere Seite der Geschichte behandelt, da sich der Geschichtsunterricht in der Regel vor allem durch politische Themen auszeichnet.
Es kann ein Vergleich mit heutigen Prüfungsaufgaben gezogen werden, so dass die Schüler einen Einblick in die Anforderungen bekommen, die damals und heute an das Handwerk gestellt wurden. Von daher eignet sich diese Quelle eventuell auch für die Verwendung im Unterricht an Berufsschulen, wo die Aufgaben der Meisterprüfung behandelt und auch gerechnet werden können.
In jedem Fall ist diese Quelle geeignet, um im Unterricht eine Bezug zur Gegenwart herzustellen.
Ferner dient die saubere Abschrift auch als Leseübung des Sütterlins. Die Schüler bekommen einen Eindruck davon, wie ihre Großeltern schreiben gelernt haben, dass das Schriftbild sich über die Jahre hinweg verändert und sie können sich daran versuchen, die Quelle zu lesen.
Schlussendlich wird das Erschließen einer Quelle als wesentlicher Bestandteil in der Ausbildung der Methodenkompetenz geübt.
Die Quelle kann als Vorbereitung für einen Besuch im Archiv und den Schülern als Anregung dienen, eigene Forschungen zu betreiben (z.B. "Jugend forscht").


1 Aufgrund der besseren Lesbarkeit des Textes wird nicht extra zwischen Schülern und Schülerinnen unterschieden, sondern nur die männliche Form verwendet.


Ergänzend: Abbildung der Baugewerkeschule in Neustadt-Glewe

Die einzelnen Seiten der Meisterprüfung als Download für den Unterricht:


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