Beschreibung:
Im Damenbad von Ahrendsee, jetzt Kühlungsborn, ca. 1904, Nr. 24
LHAS, 13.2.1/1 Postkartensammlung, Städte und Gemeinden von Mecklenburg, (1904), Nr. 24.
Im Familienbad von Warnemünde ca. 1928 , Nr. 52.
LHAS, 13.2.1/1 Postkartensammlung, Städte und Gemeinden von Mecklenburg, (1907), Nr. 52.
Strandleben in Warnemünde ca. 1907, Nr. 53.
LHAS, 13.2.1/1 Postkartensammlung, Städte und Gemeinden von Mecklenburg, (1928), Nr. 53.
Transkription:
entfällt
Inhaltliche Erläuterung:
Alle drei Postkarten enthalten als Motiv das Strandleben in unterschiedlichen Ostseebädern Mecklenburgs zu verschiedenen Zeiten.
Die Postkarte der Signatur 53 (1907) zeigt einen nicht weiter ausgewiesenen Strandabschnitt Warnemündes, während auf der Karte aus dem Jahre 1904
(Signatur 24) ein Damenbad im Ostseebad Arendsee (heute Kühlungsborn) abgebildet ist.
Auf der dritten Postkarte, aus dem Jahr 1928, wurde das Familienbad in Warnemünde als Motiv gewählt.
Auf allen ist der Wandel der Bademoden und damit auch der Wandel der moralischen Ansichten in der Bevölkerung sehr gut zu erkennen.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren Frauen in ihren Alltagskleidern am Strand, ohne dabei in Badebekleidung ins Wasser zu gehen. Frauen,
die baden wollten, hatten dabei immer noch sehr viel Stoff am Körper, so dass das Baden eher umständlich gewesen sein dürfte. Die beiden Postkarten
aus den Jahren 1904 und 1907 dokumentieren damit zwei alltägliche Szenen an einem Strand.
Für Frauen galten, im Gegensatz zu Männern und Kindern, viele Vorschriften, damit die Moralgrundsätze und Sittlichkeitsvorschriften nicht verletzt wurden.
Zuviel nackte Haut in der Öffentlichkeit zu zeigen, galt als unschicklich. Damit auch Frauen baden gehen konnten, wurden spezielle Damenbäder,
neben Herren- und Familienbädern, eingerichtet.
Die Bademode der Frau bestand zu Beginn des 20. Jahrhunderts aus einem Leibchen, einer Art Unterhose und Strümpfen.
Ab 1900 wurden die Badekleider kürzer und schwarze Strümpfe kamen in Mode. Oft wurden neben den Badekleidern auch Badehauben getragen, um die Frisuren
vor dem Wasserkontakt zu schützen.
1903 kamen die ersten Badeanzüge aus Wolle oder Baumwolle auf den Markt, sie wurden jedoch erst in den 1920er Jahren populär. Die wenigen Frauen,
die sich bereits 1900 trauten mit einem Badeanzug am Strand zu erscheinen, liefen oftmals Gefahr verhaftet zu werden. Für Männer ergaben sich keinerlei
solcher Probleme.
Wegen der immer noch schweren Badebekleidung der Frau, war Schwimmen oft nicht möglich, so dass die Frauen mehr durchs Wasser wateten und sich an den
Seilen (s. Postkarte Nr. 24) vorwärts zogen. Daneben hatten die Seile die Funktion des Schutzes vor dem Ertrinken. Anfang des 20. Jh. konnten nicht
sehr viele Menschen schwimmen.
Insgesamt gesehen waren vermutlich (wohlhabende) Frauen der Stadtbevölkerung am meisten von den strengen Vorschriften betroffen. Auf dem Land gab es
kaum getrennte Bäder, so dass dort Männer und Frauen wahrscheinlich gemeinsam baden gingen, wenn sie dafür Zeit aufbringen konnten.
1928 hatte sich das Bild der Bademoden schon stark gewandelt. Die Bademode war freizügiger geworden. Die Frauen trugen nun bereits einen Badeanzug,
dessen Form allerdings immer noch gesetzlich reglementiert wurde, wie der 1932 verabschiedete Zwickel-Erlass. Er besagt, dass Frauen nur dann öffentlich
baden dürfen, wenn der Badeanzug den Oberkörper vollständig bedeckt, unter den Armen fest anliegt und eine Beinlänge hat, die mit heutigen Hotpants zu
vergleichen ist. Der Ausschnitt auf dem Rücken durfte nicht über das untere Schulterblatt hinausgehen. Des Weiteren musste neben dem Frauenbadeanzug
auch der Badeanzug der Herren mit einem Zwickel versehen sein. Die Gefahr, zu viel Haut zu zeigen, sollte so vermindert werden.
1928 durften aber schon die beiden Geschlechter gemeinsam an einem Strand ins Wasser steigen.
Bis auf den Kleidungsstil muten zumindest die Postkarten aus dem Jahr 1907 und 1928 nicht mehr fremd an. Strandkörbe gab es bereits in großer Zahl am
Strand von Warnemünde, der Strand ist, so wie heutzutage, gut besucht und auch der Warnemünder Leuchtturm steht bereits an der Mole.
Vorschläge zur Verwendung im Schulunterricht:
Die vorliegenden Quellen können in der 8. Klasse Verbundene Haupt- und Realschule, Haupt-, Realschule und Gymnasium/integrierte Gesamtschule
und in der 9. und 12./13. Klasse Gymnasium im Geschichtsunterricht Verwendung finden.
Die Postkarten können vorrangig als Bildquellen der Sozialgeschichte des Kaiserreichs und der Weimarer Republik eingesetzt werden. Die Schüler sollen
sich Zeit für die Bildbeschreibung lassen. Gerade die damalige Bademode und der Umstand der getrennten Badeanstalten muten auf den ersten Blick
befremdlich an.
Die Sitten, Gebräuche und Moralvorstellungen der damaligen Zeiten können anhand der Fotos exemplarisch behandelt werden. Die Schüler erkennen,
wie weitreichend moralische Vorstellungen waren und dass heute etwas Alltägliches wie am Strand baden vor allem für die Frauen ein Problem darstellte.
Die Schüler können überlegen und beschreiben, wie sie sich damals gefühlt hätten, wenn sie im Hochsommer mit Hut, langem, hochgeschlossenen Kleid und
Stola einen Tag am Strand verbracht hätten.
Es bietet sich ebenfalls ein aktueller Bezug an. Viele streng gläubige Muslima gehen auch heute noch aufgrund der Religion und /oder der Gesetze
entweder gar nicht baden oder steigen nur verhüllt mit der normalen Kleidung ins Wasser.
Anhand der Mole und des Leuchtturms von Warnemünde wird deutlich, wie sehr sich die Zeit verändern kann. Die Mole und der Strand erfuhren kaum bauliche
Veränderungen, die Ansichten der Gesellschaft änderte sich dagegen innerhalb von 100 Jahren radikal: Von der Ganzkörper-Verhüllung zum Bikini
und FKK-Baden.
Quellennachweis:
Literatur: